🦠 Infektiologie ICD-10: B50

Malaria: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Malaria: Früherkennung, Diagnostik und Therapie der Tropeninfektion durch Plasmodien, inkl. Notfallzeichen, Prophylaxe und Leitlinien.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
24. März 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 24. März 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Malaria ist eine durch Protozoen der Gattung Plasmodium verursachte, durch weibliche Anopheles-Mücken übertragene Infektionskrankheit. Klinisch reicht das Spektrum von unspezifischem Fieber bis zur schweren Malaria mit zerebraler Beteiligung, respiratorischer Insuffizienz, Schock, schwerer Anämie oder Multiorganversagen. Für den Menschen sind vor allem Plasmodium falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae und zunehmend auch P. knowlesi relevant; ICD-10 für P. falciparum-Malaria ist B50. In Deutschland ist Malaria nahezu immer eine importierte Erkrankung nach Aufenthalt in Endemiegebieten.

    Merke: Fieber nach Tropenaufenthalt ist Malaria, bis das Gegenteil bewiesen ist. Besonders P. falciparum kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden; Diagnostik und Therapie dürfen daher nicht verzögert werden.

    Epidemiologie

    Malaria gehört weltweit zu den häufigsten und wichtigsten Infektionskrankheiten. Nach dem World Malaria Report der WHO wurden im Jahr 2022 rund 249 Millionen Malariafälle und etwa 608.000 Todesfälle in 85 Ländern geschätzt. Rund 94–95 % aller Todesfälle treten in der WHO-Region Afrika auf, und besonders betroffen sind Kinder unter 5 Jahren, die einen erheblichen Anteil der Mortalität ausmachen. Plasmodium falciparum ist in Subsahara-Afrika die dominierende und klinisch gefährlichste Spezies, während P. vivax vor allem in Asien, Ozeanien und Teilen Lateinamerikas eine große Rolle spielt.

    In Europa und Deutschland ist Malaria heute fast ausschließlich eine Reise- bzw. Importerkrankung. Die in Deutschland gemeldeten Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr und liegen typischerweise im Bereich von mehreren hundert bis über tausend Fällen pro Jahr; der überwiegende Teil entfällt auf Malaria tropica durch P. falciparum. Risikogruppen sind Reisende ohne ausreichende Expositionsprophylaxe, Personen mit VFR-Hintergrund (visiting friends and relatives), Geflüchtete aus Endemiegebieten und selten Berufsexponierte. Eine autochthone Übertragung ist in Deutschland extrem selten, theoretisch aber bei geeigneten Vektoren und eingeschleppten Parasiten denkbar.

    Die Inkubationszeit variiert je nach Spezies: bei P. falciparum meist 7–30 Tage, bei P. vivax und P. ovale teilweise länger; durch ruhende Leberformen können Rezidive noch Monate bis Jahre nach Exposition auftreten. Für die Praxis ist epidemiologisch entscheidend, dass auch eine weit zurückliegende Reiseanamnese relevant sein kann.

    Merke: Die höchste Krankheitslast tragen Länder in Subsahara-Afrika, aber in Mitteleuropa entscheidet vor allem die Reiseanamnese über die Vortestwahrscheinlichkeit.

    Ätiologie

    Ursache der Malaria ist die Infektion mit obligat intrazellulären Protozoen der Gattung Plasmodium. Für den Menschen sind fünf Spezies klinisch bedeutsam: P. falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae und P. knowlesi. Die gefährlichste Form ist die Malaria tropica durch P. falciparum, da sie hohe Parasitämien und schwere mikrovaskuläre Komplikationen verursachen kann. P. vivax und P. ovale bilden in der Leber Hypnozoiten, die zu späteren Rückfällen führen. P. knowlesi, ursprünglich ein Affenparasiten, kann in Südostasien auch beim Menschen relevant werden und weist einen raschen 24-Stunden-Replikationszyklus auf.

    Die Übertragung erfolgt in aller Regel durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken. Seltener sind Transmissionen durch Blutprodukte, Organtransplantation, Nadelstichverletzungen, gemeinsame Nutzung kontaminierter Spritzen oder vertikale Übertragung von der Mutter auf das Kind. Das Infektionsrisiko hängt von Region, Jahreszeit, Expositionsdauer, Mückendichte, Unterbringung, konsequentem Mückenschutz und einer medikamentösen Prophylaxe ab. Besonders hohes Risiko besteht in vielen Teilen West-, Zentral- und Ostafrikas.

    Wirtsfaktoren beeinflussen Verlauf und Suszeptibilität. Eine partielle Immunität entwickelt sich in hochendemischen Gebieten erst nach wiederholter Exposition und schützt nicht zuverlässig vor Reinfektion. Genetische Faktoren wie Sichelzellmerkmal, Thalassämien, G6PD-Mangel oder das Fehlen des Duffy-Antigens verändern das Erkrankungsrisiko bzw. die Speziesanfälligkeit. Schwangere, Kleinkinder, immunsupprimierte Personen und nichtimmune Reisende erkranken besonders schwer.

    Merke: Für die Schwere der Erkrankung sind weniger der Mückenstich als vielmehr Spezies, Parasitämie und fehlende Teilimmunität entscheidend.

    Pathogenese

    Nach dem Stich einer infizierten Anopheles-Mücke gelangen Sporozoiten in die Blutbahn und innerhalb von Minuten in die Leber. Dort erfolgt die asymptomatische exoerythrozytäre Schizogonie mit Bildung von Merozoiten, die anschließend Erythrozyten befallen. Erst die erythrozytäre Phase verursacht die typischen klinischen Symptome. In den roten Blutkörperchen vermehren sich die Parasiten zyklisch; beim Zerfall der Erythrozyten werden Merozoiten und proinflammatorische Mediatoren freigesetzt, was Fieberschübe, Schüttelfrost und systemische Entzündungsreaktionen auslöst.

    Die Pathogenese der Malaria tropica ist besonders durch die Eigenschaften von P. falciparum geprägt. Infizierte Erythrozyten exprimieren Adhäsionsmoleküle wie PfEMP1, haften an Endothelzellen und sequestrieren in Kapillaren und postkapillären Venolen. Dadurch entsteht eine mikrovaskuläre Obstruktion mit Gewebehypoxie, Laktatazidose und Organdysfunktion, besonders im Gehirn, in der Lunge, den Nieren und der Plazenta. Zusätzlich führen Hämolyse, Zytokinfreisetzung, endotheliale Aktivierung und Gerinnungsstörungen zu einer schweren systemischen Erkrankung.

    Bei P. vivax und P. ovale können persistierende Hypnozoiten in Hepatozyten verbleiben und noch nach Wochen bis Jahren Rezidive verursachen. P. malariae kann lang persistieren und in Einzelfällen mit einer chronischen Infektion assoziiert sein. Parasitämie und Organmanifestationen korrelieren nicht immer perfekt, doch hohe Parasitämien sind ein starkes Warnsignal. Bei nichtimmunen Patienten können bereits moderate Parasitendichten kritisch sein.

    Merke: Die entscheidende pathophysiologische Besonderheit der schweren P. falciparum-Malaria ist die Sequestration infizierter Erythrozyten in der Mikrozirkulation.

    Symptome

    Klinisch beginnt Malaria häufig unspezifisch und ähnelt anfangs einem viralen Infekt oder einer bakteriellen Sepsis. Typische Frühsymptome sind Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, ausgeprägte Abgeschlagenheit, Myalgien, Übelkeit, Erbrechen und gelegentlich Durchfall. Ein klassisches rhythmisches Wechselfieber ist zwar lehrbuchhaft bekannt, in der Frühphase jedoch oft nicht vorhanden. Gerade bei P. falciparum ist das Fieber häufig unregelmäßig. Deshalb darf das Fehlen typischer Fieberrhythmen die Diagnose nicht entkräften.

    Die Symptomatik variiert nach Spezies und Krankheitsstadium. P. vivax und P. ovale können eine Malaria tertiana mit Fieberschüben etwa alle 48 Stunden verursachen, P. malariae eine Malaria quartana mit Intervallen von 72 Stunden. Häufige Begleitbefunde sind Anämie, Ikterus, Splenomegalie, Hepatomegalie und dunkler Urin bei Hämolyse. Laborchemisch finden sich oft Thrombozytopenie, erhöhtes CRP, LDH-Anstieg und indirekte Hyperbilirubinämie.

    Warnzeichen einer schweren Malaria sind Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Atemnot, Hypoxämie, Schock, Oligurie bzw. akutes Nierenversagen, starke Blutungsneigung, schwere Anämie, Hypoglykämie, ausgeprägte Azidose und Hyperparasitämie. Kinder zeigen oft unspezifische Zeichen wie Trinkschwäche, Somnolenz oder Krampfanfälle; Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe, fetale Wachstumsrestriktion und Totgeburt.

    Merke: Unspezifisches Fieber plus Reiseanamnese ist klinisch wichtiger als das klassische Wechselfieber. Eine schwere Malaria ist ein infektiologischer Notfall.

    Diagnostik

    Die Diagnostik der Malaria basiert auf der Kombination aus Reiseanamnese, klinischem Verdacht und direktem Erregernachweis. Bei jedem Fieber nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet muss unverzüglich eine Malariadiagnostik erfolgen. Goldstandard ist die mikroskopische Untersuchung von dickem Tropfen und dünnem Blutausstrich. Der dicke Tropfen ist besonders sensitiv für den Parasitennachweis, der dünne Ausstrich erlaubt die Speziesdifferenzierung und Abschätzung der Parasitämie. Da Parasiten im Frühstadium intermittierend oder in niedriger Dichte nachweisbar sein können, müssen bei initial negativem Ergebnis und fortbestehendem Verdacht mehrere Untersuchungen im Abstand von 12–24 Stunden wiederholt werden, in der Regel insgesamt mindestens dreimal.

    Schnelltests zum Antigennachweis können die Erstdiagnostik beschleunigen, ersetzen die Mikroskopie aber nicht, da Sensitivität, Speziesdifferenzierung und Verlaufskontrolle begrenzt sind. PCR-Verfahren sind hochsensitiv und für Speziesbestimmung nützlich, jedoch für die Akutentscheidung oft zu langsam. Zur Basisdiagnostik gehören Blutbild, Differenzialblutbild, Thrombozyten, CRP, Nierenretentionswerte, Elektrolyte, Leberwerte, Bilirubin, LDH, Blutzucker, Gerinnung, Blutgase/Laktat und Urinstatus. Typische Laborbefunde sind Thrombozytopenie, Anämie und Hämolysezeichen.

    Die Beurteilung der Schwere ist essenziell. Kriterien der schweren Malaria nach WHO umfassen u. a. Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Azidose, Hypoglykämie, schwere Anämie, Nierenversagen, Lungenödem/ARDS, Schock, signifikante Blutungen und hohe Parasitämie. Bei Verdacht auf schwere Malaria sind intensivmedizinische Mitbeurteilung und sofortige Therapieindikation gegeben.

    Merke: Ein negativer Schnelltest schließt Malaria nicht sicher aus; entscheidend bleiben dicker Tropfen, Blutausstrich und Wiederholungsuntersuchungen.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste Differenzialdiagnose bei Fieber nach Tropenreise ist nicht eine einzelne Erkrankung, sondern das gesamte Spektrum potenziell lebensbedrohlicher Reise- und Allgemeininfektionen. Besonders relevant sind Denguefieber, Typhus abdominalis, bakterielle Sepsis, COVID-19, Influenza, virale Hepatitiden, Rickettsiosen, Leptospirose, Meningitis/Meningoenzephalitis, akute HIV-Serokonversion sowie lokal erworbene Infektionen wie Pyelonephritis oder Pneumonie. Bei Diarrhö und Fieber sind auch Shigellose, Salmonellose, Amöbiasis und andere enteritische Infektionen zu erwägen.

    Klinisch kann Malaria anfangs sehr unspezifisch erscheinen. Schüttelfrost, Hypotonie und erhöhtes CRP können fälschlich als bakterielle Sepsis interpretiert werden; umgekehrt kann eine echte Sepsis parallel vorliegen. Thrombozytopenie spricht zwar häufig für Malaria oder Dengue, ist aber nicht spezifisch. Ikterus und Transaminasenerhöhung können eine Hepatitis vortäuschen, die Hämolysezeichen und Splenomegalie eher für Malaria sprechen. Neurologische Symptome erfordern die Abgrenzung zur bakteriellen oder viralen ZNS-Infektion, insbesondere wenn Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen bestehen.

    Bei periodischem Fieber kommen zudem Lymphome, Endokarditis, Borreliose, Kala-Azar oder Rückfallfieber in Betracht. Eine strukturierte Reiserückkehrerdiagnostik muss neben Reiseziel und Reisedauer auch Expositionsarten, Prophylaxe, Inkubationszeiten und Impfstatus berücksichtigen.

    Merke: Bei fieberhaften Reiserückkehrern darf man nie entweder-oder denken: Malaria kann Sepsis imitieren und mit anderen Infektionen koexistieren.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Spezies, Schweregrad, Resistenzlage, Schwangerschaft, Komorbiditäten und der Frage, ob eine unkomplizierte oder schwere Malaria vorliegt. Maßgeblich sind internationale Empfehlungen der WHO sowie nationale und europäische Empfehlungen, in Deutschland insbesondere tropenmedizinische Standards unter Berücksichtigung von DTG-, AWMF- und RKI-nahen Empfehlungen. Bei schwerer Malaria ist die sofortige stationäre, häufig intensivmedizinische Behandlung obligat.

    Bei unkomplizierter P. falciparum-Malaria werden bevorzugt Artemisinin-basierte Kombinationstherapien (ACT) eingesetzt. Eine etablierte Option ist Artemether/Lumefantrin mit insgesamt 6 Dosen über 3 Tage; die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Ebenfalls wirksam ist Atovaquon/Proguanil mit 1000/400 mg 1-mal täglich über 3 Tage bei Erwachsenen. Alternativen hängen von Verfügbarkeit und Resistenzlage ab. Bei nicht-falciparum-Malaria ohne schwere Verläufe kommen je nach Region ebenfalls ACT oder Atovaquon/Proguanil infrage. Bei P. vivax und P. ovale ist nach Blutschizontentherapie zur Rezidivprophylaxe eine radikale Heilung mit Primaquin erforderlich, jedoch nur nach Ausschluss eines G6PD-Mangels; in vielen Leitlinien wird 0,25–0,5 mg/kg KG täglich über 14 Tage genannt.

    Die schwere Malaria wird primär mit intravenösem Artesunat behandelt, typischerweise 2,4 mg/kg KG i.v. bei 0, 12 und 24 Stunden, danach täglich bis auf orale Therapie umgestellt werden kann. Wo Artesunat nicht verfügbar ist, kommen alternative Regime in Betracht, sind aber weniger bevorzugt. Begleitend sind engmaschige Überwachung, Flüssigkeitsmanagement, Hypoglykämieprophylaxe, Behandlung von Krampfanfällen, ggf. Dialyse und Beatmung essenziell. Ein routinemäßiger Austauschtransfusion wird heute in Leitlinien nicht regelhaft empfohlen.

    Merke: Intravenöses Artesunat ist Standard bei schwerer Malaria; jede Verzögerung verschlechtert die Prognose.

    Prognose

    Die Prognose hängt entscheidend von Spezies, Zeit bis zur Diagnosestellung, Parasitämie, Organbeteiligung und dem Immunstatus des Patienten ab. Bei früh erkannter und korrekt behandelter unkomplizierter Malaria ist die Prognose in der Regel gut. Demgegenüber kann eine unbehandelte Malaria tropica durch P. falciparum rasch in eine schwere Erkrankung mit Multiorganversagen übergehen und innerhalb kurzer Zeit tödlich verlaufen. Weltweit sterben trotz verfügbarer Therapie jährlich weiterhin über 600.000 Menschen an Malaria, überwiegend Kinder in Endemiegebieten.

    In Gesundheitssystemen mit rascher Diagnostik und Verfügbarkeit moderner Therapie ist die Letalität importierter unkomplizierter Verläufe niedrig. Bei schwerer Malaria bleibt die Mortalität jedoch relevant und liegt selbst unter optimalen Bedingungen je nach Kollektiv häufig im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Prognostisch ungünstig sind hohes Alter, Schwangerschaft, verzögerte Behandlung, Bewusstseinsstörung, Azidose, Nierenversagen, ARDS, Schock, Hypoglykämie und hohe Parasitämie. Nach intravenösem Artesunat ist selten eine verzögerte postartesunatbedingte Hämolyse möglich; deshalb sind Verlaufskontrollen des Blutbilds sinnvoll.

    Bei P. vivax und P. ovale ist die akute Mortalität meist geringer als bei P. falciparum, aber ohne Hypnozoiteneradikation drohen Rezidive. P. malariae kann lang persistieren, P. knowlesi kann rasch progredient verlaufen. Für Reisende ist die wichtigste prognostische Botschaft die frühe Erkennung.

    Merke: Die Prognose der Malaria wird weniger durch die Exposition als durch die Zeit bis zur Diagnose und wirksamen Therapie bestimmt.

    Prävention

    Die Prävention der Malaria beruht auf drei Säulen: Expositionsprophylaxe, Chemoprophylaxe und frühzeitige Diagnostik bei Symptomen. Zur Expositionsprophylaxe gehören lange, helle Kleidung, Aufenthalt in klimatisierten Räumen, insektizidbehandelte Moskitonetze und Repellents mit z. B. DEET 30–50 % oder Icaridin auf unbedeckter Haut. Da Anopheles-Mücken vor allem zwischen Dämmerung und Morgengrauen stechen, ist der Schutz nachts besonders wichtig.

    Die medikamentöse Prophylaxe richtet sich nach Reiseziel und Resistenzlage. Häufig verwendete Schemata sind Atovaquon/Proguanil 250/100 mg 1-mal täglich, Beginn meist 1 Tag vor Einreise, Fortführung während des Aufenthalts und 7 Tage danach; Doxycyclin 100 mg täglich, Beginn 1–2 Tage vor Reise, Fortsetzung bis 4 Wochen nach Rückkehr; oder Mefloquin 250 mg 1-mal wöchentlich, Beginn meist mindestens 2–3 Wochen vor Reise, Fortsetzung 4 Wochen nach Rückkehr, jedoch mit beachtlichen neuropsychiatrischen Kontraindikationen. Die Auswahl erfolgt individuell nach Reiseroute, Alter, Schwangerschaft und Begleiterkrankungen.

    Reisende müssen wissen, dass keine Prophylaxe einen 100%igen Schutz bietet. Deshalb ist bei Fieber während der Reise oder in den Monaten danach immer eine sofortige ärztliche Vorstellung erforderlich. Für bestimmte Länder existieren zusätzlich Impfprogramme mit Malariaimpfstoffen für Kinder in Endemiegebieten; für Reiserückkehrer in Deutschland spielt dies derzeit eine untergeordnete Rolle.

    Merke: Mückenschutz plus passende Chemoprophylaxe senken das Risiko deutlich, ersetzen aber niemals die Wachsamkeit bei Fieber nach Reise.

    Komplikationen

    Die schwerwiegendsten Komplikationen treten bei Malaria tropica auf und resultieren aus mikrovaskulärer Sequestration, Hämolyse und systemischer Entzündungsreaktion. Gefürchtet ist die zerebrale Malaria mit Bewusstseinsstörung, Delir, Krampfanfällen und Koma. Weitere häufige Komplikationen sind schwere Anämie, akutes Nierenversagen, Hypoglykämie, metabolische Azidose, Schock, disseminierte intravasale Gerinnung, Lungenödem/ARDS und ausgeprägte Hämoglobinurie. Bei hoher Parasitenlast kann die Erkrankung in ein Multiorganversagen übergehen.

    Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für Plazentamalaria, maternale Anämie, Frühgeburt, fetale Wachstumsrestriktion, niedriges Geburtsgewicht und intrauterinen Fruchttod. Kinder können besonders rasch schwere neurologische und metabolische Komplikationen entwickeln. Auch bei zunächst unkomplizierten Verläufen ist eine rasche Verschlechterung möglich, weshalb klinische und parasitologische Verlaufskontrollen wichtig sind.

    Speziesabhängig kommen weitere Probleme hinzu: P. vivax und P. ovale verursachen ohne Hypnozoiteneradikation Rückfälle, P. malariae kann langjährig persistieren und mit nephrotischem Syndrom assoziiert sein. Nach Behandlung mit Artesunat ist selten eine verzögerte Hämolyse beschrieben, sodass Nachkontrollen von Hämoglobin, Retikulozyten, Bilirubin und LDH in den Wochen nach Therapie sinnvoll sein können.

    Merke: Nicht die Fieberschübe, sondern Organkomplikationen wie zerebrale Malaria, ARDS und Nierenversagen bestimmen die Letalität.

    Häufige Fragen

    Wie schnell muss Malaria behandelt werden?

    So schnell wie möglich. Besonders die Malaria tropica kann sich innerhalb weniger Stunden deutlich verschlechtern. Deshalb sollte bei Fieber nach Tropenreise noch am selben Tag eine Malariadiagnostik erfolgen.

    Kann man trotz Prophylaxe an Malaria erkranken?

    Ja. Keine Prophylaxe schützt vollständig, und auch Mückenschutz ist nie absolut sicher. Deshalb gilt: Bei Fieber während oder nach einer Reise in ein Risikogebiet muss Malaria trotzdem ausgeschlossen werden.

    Ist Malaria von Mensch zu Mensch ansteckend?

    Im Alltag praktisch nein. Die Übertragung erfolgt fast immer durch den Stich infizierter Anopheles-Mücken. Seltene Ausnahmen sind Bluttransfusionen, Nadelstichverletzungen oder die Übertragung von der Mutter auf das Kind.

    Quellen

    1. World Health Organization. World Malaria Report 2023. Geneva: WHO.
    2. Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). Empfehlungen zur Malariadiagnostik, Therapie und Chemoprophylaxe, aktuelle Fassung.
    3. S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Malaria, AWMF/DTG-nahe Empfehlungen, aktuelle verfügbare Fassung.
    4. Harrison's Principles of Internal Medicine, 21st ed. Chapter: Malaria. McGraw-Hill.
    5. Lalloo DG, Shingadia D, Bell DJ et al. UK malaria treatment guidelines. J Infect. 2016;72(6):635-649.
    6. White NJ, Pukrittayakamee S, Hien TT, Faiz MA, Mokuolu OA, Dondorp AM. Malaria. Lancet. 2014;383(9918):723-735.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 24. März 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

    🔬 Prüfungsfragen zu Malaria in Vorbereitung

    Wir erstellen derzeit IMPP-nahe MC-Fragen zu diesem Thema. Registriere dich jetzt und erhalte als Erster Zugang.

    Kostenlos registrieren & benachrichtigt werden 14 Tage kostenloser Vollzugang · Keine Kreditkarte