Lungenödem: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie
Das Lungenödem ist eine pathologische Flüssigkeitsansammlung im pulmonalen Interstitium und/oder in den Alveolen, die zu einer relevanten Störung des.
Definition
Das Lungenödem ist eine pathologische Flüssigkeitsansammlung im pulmonalen Interstitium und/oder in den Alveolen, die zu einer relevanten Störung des Gasaustauschs führt. Klinisch manifestiert es sich typischerweise mit akuter Dyspnoe, Tachypnoe, Hypoxämie und häufig feinblasigen Rasselgeräuschen. Pathophysiologisch wird zwischen einem kardialen Lungenödem infolge erhöhten hydrostatischen Drucks, meist bei akuter Linksherzinsuffizienz, und einem nichtkardialen Lungenödem infolge erhöhter Kapillarpermeabilität, etwa bei ARDS, Sepsis oder Inhalationstrauma, unterschieden. Die ICD-10-Kodierung lautet J81.
Für die Akutmedizin ist entscheidend, dass das Lungenödem keine eigenständige Ätiologie, sondern ein klinisches Syndrom mit verschiedenen Ursachen darstellt. Die therapeutische Priorität besteht in der raschen Stabilisierung von Oxygenierung und Ventilation sowie in der kausalen Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Beim kardialen Lungenödem stehen Entstauung, Drucksenkung und Behandlung der Herzinsuffizienz im Vordergrund, während beim nichtkardialen Lungenödem vorrangig die Triggerkontrolle und supportiv-intensivmedizinische Maßnahmen relevant sind.
Merke: Das kardiale Lungenödem beruht primär auf Druckerhöhung, das nichtkardiale Lungenödem primär auf Permeabilitätsstörung der alveolokapillären Membran.
Epidemiologie
Das Lungenödem ist kein seltenes Notfallbild, genaue populationsbezogene Inzidenzen variieren jedoch stark, da es als Manifestation unterschiedlicher Grunderkrankungen auftritt. Der klinisch häufigste Typ ist das kardiale Lungenödem, das vor allem im Rahmen der akuten dekompensierten Herzinsuffizienz beobachtet wird. Herzinsuffizienz betrifft in industrialisierten Ländern etwa 1–2 % der erwachsenen Bevölkerung, bei Menschen über 70 Jahren steigt die Prävalenz auf >10 %. Ein erheblicher Anteil der notfallmäßigen Hospitalisierungen bei Herzinsuffizienz geht mit pulmonaler Stauung oder manifestem Lungenödem einher. Akute Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten internistischen Ursachen für die stationäre Aufnahme bei älteren Patientinnen und Patienten.
Das nichtkardiale Lungenödem ist epidemiologisch heterogener. Besonders relevant ist das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS), dessen Inzidenz je nach Definition und Intensivkohorte ungefähr bei 10 % aller Intensivpatienten liegen kann. Die Krankenhausletalität des ARDS beträgt je nach Schweregrad ungefähr 30–45 %. Daneben treten nichtkardiale Ödeme bei Sepsis, Aspiration, schwerer Pneumonie, Polytrauma, Pankreatitis, Höhenaufenthalt oder neurogenen Ereignissen auf. Das Höhenlungenödem ist selten, kann aber bei raschem Aufstieg in Höhen über 2.500–3.000 m auftreten; die Häufigkeit hängt stark von Aufstiegsgeschwindigkeit und individueller Disposition ab.
Das Risiko für ein kardiales Lungenödem steigt mit Alter, koronarer Herzkrankheit, arterieller Hypertonie, Klappenvitien, Vorhofflimmern und chronischer Niereninsuffizienz. Männer sind bei ischämischer Genese etwas häufiger betroffen, während bei älteren multimorbiden Kollektiven beide Geschlechter relevant repräsentiert sind.
Merke: In der klinischen Praxis ist das kardiale Lungenödem deutlich häufiger als das nichtkardiale, aber die Prognose wird primär von der Grunderkrankung bestimmt.
Ätiologie
Ätiologisch wird das Lungenödem in kardiale und nichtkardiale Formen eingeteilt. Beim kardialen Lungenödem liegt die Ursache meist in einer akuten oder akut dekompensierten Linksherzinsuffizienz mit Erhöhung des pulmonalkapillären hydrostatischen Drucks. Häufige Auslöser sind ein akutes Koronarsyndrom, hypertensive Entgleisung, tachy- oder bradykarde Rhythmusstörungen, akute Klappenvitien wie Mitralinsuffizienz oder Aortenstenose, Myokarditis sowie Volumenüberladung etwa bei Niereninsuffizienz oder inadäquater Flüssigkeitstherapie. Auch Non-Compliance mit Herzinsuffizienzmedikation kann eine Dekompensation triggern.
Das nichtkardiale Lungenödem entsteht durch eine Schädigung der alveolokapillären Barriere mit erhöhter Gefäßpermeabilität. Zu den wichtigsten Ursachen zählen Sepsis, schwere Pneumonie, Aspiration von Mageninhalt, Inhalation toxischer Gase, Polytrauma, Verbrennungen, akute Pankreatitis, Transfusionsreaktionen wie TRALI sowie medikamentös-toxische Auslöser. Das ARDS ist die prototypische klinische Ausprägung dieser Gruppe. Sonderformen sind das neurogene Lungenödem nach Schädel-Hirn-Trauma, epileptischem Anfall oder Subarachnoidalblutung sowie das Höhenlungenödem infolge hypoxischer pulmonaler Vasokonstriktion.
Differenzialätiologisch wichtig ist das negative pressure pulmonary edema, das nach oberer Atemwegsobstruktion, z. B. Laryngospasmus postoperativ, entstehen kann. Selten sind Reexpansionsödeme nach rascher Entlastung eines Pneumothorax oder Pleuraergusses. Für die Akutbehandlung ist die frühe Unterscheidung essenziell, da z. B. Diuretika beim reinen Permeabilitätsödem deutlich weniger wirksam sind als beim hydrostatischen Ödem.
Merke: Die häufigste Ursache des akuten Lungenödems in der Notaufnahme ist die akute Linksherzinsuffizienz; bei Sepsis, Aspiration oder Trauma muss an ein nichtkardiales Ödem/ARDS gedacht werden.
Pathogenese
Pathophysiologisch basiert das Lungenödem auf einem Ungleichgewicht der Starling-Kräfte, einer gestörten alveolären Flüssigkeitsclearance oder einer erhöhten Permeabilität der alveolokapillären Membran. Beim kardialen Lungenödem steigt infolge erhöhter linksatrialer und pulmonalvenöser Drücke der hydrostatische Druck in den pulmonalen Kapillaren. Überschreitet dieser die Drainagekapazität des lymphatischen Systems, tritt zunächst Flüssigkeit in das Interstitium aus. Im weiteren Verlauf werden die Alveolen geflutet. Dies führt zu einer Abnahme der pulmonalen Compliance, Zunahme der Atemarbeit, Ventilations-Perfusions-Störung und Hypoxämie. Typisch sind basale Verschattungen, Kerley-B-Linien und Pleuraergüsse.
Beim nichtkardialen Lungenödem steht eine entzündliche oder toxische Schädigung der Kapillarendothel- und Alveolarepithelbarriere im Vordergrund. Proteinreiche Flüssigkeit tritt in die Alveolen über, Surfactant wird inaktiviert, es entstehen Atelektasen und eine diffuse alveoläre Schädigung. Dies erklärt die oft ausgeprägte Oxygenierungsstörung, die klinisch bis zum ARDS reichen kann. Der pulmonalkapilläre Verschlussdruck ist hierbei typischerweise nicht erhöht. Histopathologisch zeigen sich beim ARDS hyaline Membranen, interstitielles Ödem und entzündliche Infiltration.
In beiden Formen resultiert eine Hypoxämie, bei fortgeschrittenem Verlauf zusätzlich eine Hyperkapnie durch Erschöpfung oder massive Ventilationsstörung. Der Sympathikotonus führt zu Tachykardie, Vasokonstriktion und oft Angstgefühl. Schaumiger, ggf. rosafarbener Auswurf entsteht durch Beimengung von Luft und Erythrozyten in ödematöser Flüssigkeit.
Merke: Interstitielles Ödem verursacht zunächst Belastungsdyspnoe und verminderte Compliance; die alveoläre Überflutung führt zur dramatischen akuten respiratorischen Insuffizienz.
Symptome
Leitsymptom des Lungenödems ist die akute oder akut progrediente Dyspnoe. Viele Betroffene berichten über eine rasch zunehmende Atemnot innerhalb von Minuten bis Stunden, oft begleitet von Orthopnoe, also einer Verschlechterung im Liegen, und nächtlicher Atemnot im Sinne einer paroxysmalen nächtlichen Dyspnoe. Typisch sind Tachypnoe, Luftnot mit Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Unruhe, Angstgefühl und ein schweres Krankheitsgefühl. Beim Auskultationsbefund finden sich häufig beidseits feinblasige Rasselgeräusche, initial basal, bei ausgeprägtem Befund über den gesamten Lungenfeldern. Husten mit schaumigem, gelegentlich rosafarbenem Sputum gilt als klassischer, aber nicht obligater Hinweis auf ein alveoläres Ödem.
Begleitsymptome hängen von der Ursache ab. Beim kardialen Lungenödem finden sich oft Zeichen der Herzinsuffizienz wie Tachykardie, Hypertonie oder im Spätstadium Hypotonie, dritter Herzton, Halsvenenstauung, periphere Ödeme oder kaltschweißige Haut. Brustschmerz kann auf ein akutes Koronarsyndrom hindeuten. Bei hypertensiver Krise steht nicht selten ein systolischer Blutdruck von >180 mmHg im Vordergrund. Beim nichtkardialen Lungenödem können Fieber, Sepsiszeichen, Aspiration, Trauma oder neurologische Auslöser anamnestisch führend sein.
Schwere Verläufe manifestieren sich mit Hypoxämie, Zyanose, Verwirrtheit, Erschöpfung und drohender respiratorischer Insuffizienz. In der Blutgasanalyse zeigt sich anfangs häufig eine respiratorische Alkalose, im Verlauf bei Erschöpfung eine Hyperkapnie. Klinisch muss das Lungenödem immer als potenziell vital bedrohlich betrachtet werden.
Merke: Orthopnoe + feinblasige Rasselgeräusche + akute Hypoxämie sind hochverdächtig auf ein Lungenödem, insbesondere bei bekannter Herzinsuffizienz.
Diagnostik
Die Diagnostik des Lungenödems erfolgt zeitkritisch und parallel zur Ersttherapie. Zunächst stehen ABCDE-Schema, Pulsoxymetrie, Atemfrequenz, Blutdruck, Herzfrequenz und ein 12-Kanal-EKG im Vordergrund. Laborchemisch sind Blutgasanalyse, Blutbild, CRP, Elektrolyte, Kreatinin, Leberwerte, Troponin und bei Verdacht auf kardiale Genese BNP oder NT-proBNP sinnvoll. Erhöhte natriuretische Peptide sprechen für eine Herzinsuffizienz, wobei niedrige Werte ein kardiales Lungenödem eher unwahrscheinlich machen. In der Akutsituation ist die Blutgasanalyse wichtig zur Abschätzung von Hypoxämie, Hyperkapnie und Azidose.
Bildgebend ist das Thoraxröntgen ein klassisches Standardverfahren. Typische Zeichen sind perihiläre Verschattungen im „butterfly pattern“, interstitielle Zeichnungsvermehrung, Kerley-B-Linien, Pleuraergüsse und Kardiomegalie bei kardialer Ursache. Zunehmend bedeutsam ist die Lungensonografie: multiple bilaterale B-Linien, Pleuraergüsse und dynamische Verlaufskontrolle sind hochpraktisch am Bett. Die Echokardiografie ist essenziell zur Beurteilung von linksventrikulärer Funktion, Klappenvitien, Füllungsdrücken und möglicher hämodynamischer Ursachen. Bei unklarer oder nichtkardialer Genese kann eine CT-Thorax-Diagnostik sinnvoll sein, etwa bei Differentialdiagnosen wie Lungenembolie, diffuse Alveolarblutung oder interstitielle Lungenerkrankung.
Ein einzelner „Goldstandard“ existiert im Alltag nicht; die Diagnose ergibt sich aus Klinik, Bildgebung und Ursachenklärung. Historisch galt der Nachweis eines erhöhten pulmonalkapillären Verschlussdrucks mittels Rechtsherzkatheter für das kardiale Ödem als Referenz, wird heute aber nur selektiv eingesetzt. Entscheidend ist die rasche Unterscheidung zwischen kardial und nichtkardial, da dies das Management bestimmt.
Merke: Lungensonografie + Echokardiografie + BNP/NT-proBNP erlauben häufig schon früh eine zuverlässige Differenzierung zwischen kardialem und nichtkardialem Lungenödem.
Differentialdiagnosen
Die wichtigste Differentialdiagnose bei akuter Dyspnoe ist die akute Exazerbation einer COPD oder eines Asthma bronchiale. Hier dominieren meist exspiratorisches Giemen, verlängertes Exspirium und eine obstruktive Anamnese; Rasselgeräusche und orthopnoische Beschwerden sprechen eher für ein Lungenödem. Allerdings kann ein „cardiac asthma“ beim kardialen Ödem ebenfalls bronchiale Obstruktionsgeräusche verursachen. Ebenfalls essenziell ist der Ausschluss einer Lungenembolie, insbesondere bei akuter Dyspnoe, Thoraxschmerz, Tachykardie, Risikofaktoren für Thromboembolien und diskretem Auskultationsbefund. Im CT-Angiogramm und anhand von D-Dimeren bzw. klinischen Scores erfolgt die weitere Abklärung.
Eine Pneumonie kann klinisch ähnlich imponieren, vor allem wenn Fieber, Husten und bilaterale Infiltrate vorliegen. Im Unterschied zum Ödem sind die Infiltrate oft fokaler, Entzündungszeichen stärker erhöht und die Beschwerden weniger abrupt. Das ARDS ist streng genommen eher eine Form des nichtkardialen Lungenödems, differenzialdiagnostisch aber gegenüber dem kardialen Ödem klar abzugrenzen. Weitere wichtige DD sind Pleuraerguss, Pneumothorax, diffuse alveoläre Hämorrhagie, interstitielle Lungenerkrankungen, toxische Inhalationsschäden und die Hyperventilationsstörung.
Bei kardial vorerkrankten Personen muss auch an ACS, hypertensive Krise oder akute Klappeninsuffizienz als Auslöser gedacht werden. Auf der Intensivstation sind TRALI, Volumenüberladung und Pneumonie zentrale Differenzialdiagnosen. Die Abgrenzung gelingt durch Anamnese, Auskultation, BGA, BNP/NT-proBNP, Sonografie, Echokardiografie und radiologische Muster.
Merke: Nicht jede bilaterale Verschattung im Thoraxröntgen ist ein kardiales Lungenödem; insbesondere ARDS, Pneumonie und alveoläre Hämorrhagie müssen aktiv erwogen werden.
Therapie
Die Therapie des Lungenödems ist ein medizinischer Notfall und orientiert sich an der vermuteten Ursache sowie am Schweregrad der respiratorischen Insuffizienz. Initial erfolgen Oberkörperhochlagerung, Monitoring, venöser Zugang und Ziel einer adäquaten Oxygenierung. Bei Hypoxämie wird Sauerstoff gegeben; bei persistierender Dyspnoe oder respiratorischer Insuffizienz wird frühzeitig eine nichtinvasive Beatmung (NIV/CPAP) empfohlen. CPAP mit etwa 5–10 cmH2O oder BiPAP verbessert die Oxygenierung, reduziert die Atemarbeit und senkt beim kardialen Lungenödem die Vor- und Nachlast. Bei Bewusstseinsstörung, Erschöpfung, therapierefraktärer Hypoxämie oder fehlender Kooperationsfähigkeit ist die Intubation indiziert.
Beim kardialen Lungenödem sind Schleifendiuretika Standard, typischerweise Furosemid 20–40 mg i.v., bei Vorbehandlung oder ausgeprägter Stauung auch höher dosiert, beispielsweise 40–80 mg i.v.. Bei hypertensiven Patienten oder deutlicher Nachlasterhöhung kommen Nitrate zum Einsatz, z. B. Nitroglycerin 0,4–0,8 mg sublingual oder i.v.-Perfusor titriert, sofern keine relevante Hypotonie vorliegt. Bei kardiogenem Schock sind Diuretika allein unzureichend; hier sind intensivmedizinische Maßnahmen, Vasopressoren wie Noradrenalin und ggf. Inotropika wie Dobutamin erforderlich. Morphin wird heute wegen Nebenwirkungen zurückhaltend und nicht routinemäßig eingesetzt.
Beim nichtkardialen Lungenödem/ARDS steht die Behandlung der Ursache im Vordergrund, z. B. Sepsiskontrolle, Antibiotikatherapie, Aspirationstherapie oder Triggerelimination. Beatmungsmedizinisch gelten lungenprotektive Strategien mit niedrigem Tidalvolumen. Diuretika sind nur bei gleichzeitiger Volumenüberladung sinnvoll. Maßgeblich sind Empfehlungen aktueller Leitlinien, darunter die ESC-Leitlinie zur akuten und chronischen Herzinsuffizienz, die S3-Leitlinie NIV der DGIM/DGP sowie intensivmedizinische Leitlinien zum ARDS.
Merke: Beim akuten kardialen Lungenödem sind NIV/CPAP, Nitrate und Diuretika die zentralen Sofortmaßnahmen; beim nichtkardialen Ödem muss vor allem die Ursache konsequent behandelt werden.
Prognose
Die Prognose des Lungenödems hängt in hohem Maß von Ursache, Alter, Komorbiditäten, Schweregrad der Hypoxämie und dem raschen Therapiebeginn ab. Ein hypertensives kardiales Lungenödem kann sich unter rascher Gabe von NIV, Nitraten und Diuretika innerhalb von Stunden deutlich bessern und hat bei zügiger Stabilisierung oft eine günstigere Kurzzeitprognose als ein Lungenödem im Rahmen eines kardiogenen Schocks oder eines ausgedehnten Myokardinfarkts. Trotzdem bleibt die Langzeitprognose häufig durch die zugrunde liegende Herzinsuffizienz bestimmt: Nach Hospitalisierung wegen akuter Herzinsuffizienz liegen Rehospitalisations- und Mortalitätsraten innerhalb von 6–12 Monaten relevant erhöht.
Beim nichtkardialen Lungenödem, insbesondere beim ARDS, ist die Prognose oft ernster. Je nach Schweregrad und Begleiterkrankungen beträgt die Krankenhausletalität ungefähr 30–45 %. Überlebende können eine prolongierte Rekonvaleszenz mit verminderter Belastbarkeit, Muskelschwäche und neurokognitiven Einschränkungen aufweisen. Entscheidend für die Prognose sind hier nicht nur die pulmonalen Veränderungen, sondern auch die zugrunde liegenden systemischen Erkrankungen wie Sepsis oder Polytrauma.
Ungünstige Prognosefaktoren sind Hypotonie, Laktatazidose, persistierende Hypoxämie trotz NIV, notwendige Intubation, Nierenversagen, höheres Alter, reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion und ein akutes Koronarsyndrom. Eine strukturierte Nachsorge mit Optimierung der Herzinsuffizienztherapie, Kontrolle von Blutdruck und Volumenstatus sowie Patientenschulung kann die Prognose verbessern.
Merke: Die unmittelbare Besserung des Lungenödems kann rasch erfolgen, aber die Langzeitprognose richtet sich vor allem nach der Grunderkrankung.
Prävention
Die Prävention des Lungenödems richtet sich primär auf die Vermeidung der auslösenden Erkrankungen und Dekompensationen. Beim kardialen Lungenödem ist eine leitliniengerechte Behandlung der Herzinsuffizienz zentral. Dazu gehören die konsequente Einstellung von Blutdruck, Diabetes und koronarer Herzkrankheit sowie die Einnahme prognoseverbessernder Medikamente wie ACE-Hemmer/ARNI, Betablocker, MRA und SGLT2-Inhibitoren nach aktueller Herzinsuffizienzleitlinie. Ebenso wichtig sind Gewichtskontrollen, salz- und situationsabhängige Flüssigkeitsrestriktion, Patientenschulung zu Warnsymptomen und frühe Anpassung der Diuretikadosis bei Zeichen der Volumenretention. Rhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, sollten leitliniengerecht behandelt werden.
Zur Prävention nichtkardialer Formen sind je nach Kontext unterschiedliche Maßnahmen relevant: Vermeidung von Aspiration bei Risikopatienten, adäquate Sepsisprävention und -therapie, zurückhaltende und zielgerichtete Transfusionsstrategien zur Reduktion von TRALI-Risiken, sorgfältige Beatmungsstrategien auf Intensivstationen sowie Schutzmaßnahmen bei toxischen Inhalationsexpositionen. Beim Höhenlungenödem ist ein langsamer Aufstieg, ausreichende Akklimatisation und das Meiden übermäßiger Belastung in großen Höhen essenziell. Bei bekannter Disposition kann prophylaktisch Nifedipin retard 20–30 mg 2-mal täglich erwogen werden, dies bleibt jedoch ein Spezialfall.
Spezifische Primärprävention für das Syndrom „Lungenödem“ existiert nicht; die beste Vorbeugung besteht in einer guten Kontrolle der Risikofaktoren und einer frühzeitigen Behandlung der Grunderkrankungen.
Merke: Die wirksamste Prävention des Lungenödems ist die stabile Einstellung der Herzinsuffizienz und das frühzeitige Erkennen von Dekompensationszeichen.
Komplikationen
Das Lungenödem kann rasch zu einer akuten respiratorischen Insuffizienz mit schwerer Hypoxämie und in fortgeschrittenen Stadien zu Hyperkapnie und respiratorischer Azidose führen. Die erhöhte Atemarbeit begünstigt eine rasche Erschöpfung der Atemmuskulatur. Ohne adäquate Therapie drohen Intubationspflicht, Kreislaufinstabilität und im Extremfall Atem- oder Herz-Kreislauf-Stillstand. Beim kardialen Lungenödem können gleichzeitig schwere kardiale Komplikationen wie kardiogener Schock, maligne Arrhythmien, Myokardischämie oder mechanische Komplikationen eines akuten Myokardinfarkts auftreten. Eine hypertensive Krise kann zusätzlich neurologische und renale Organschäden verursachen.
Im Verlauf können sekundäre Probleme entstehen, darunter nosokomiale Pneumonien, insbesondere bei invasiver Beatmung, Druckulzera, Delir und thrombembolische Ereignisse bei immobilisierten Intensivpatienten. Beim nichtkardialen Lungenödem/ARDS kommen beatmungsassoziierte Komplikationen wie Volu- oder Barotrauma, ventilatorinduzierte Lungenschädigung und prolongierte Weaning-Probleme hinzu. Eine schwere Hypoxämie kann zu Myokardschädigung, Nierenversagen und neurologischen Defiziten führen.
Therapiebedingte Komplikationen sind ebenfalls relevant. Diuretika können Hypovolämie, Hypokaliämie und Nierenfunktionsverschlechterung verursachen; Nitrate können Hypotonie auslösen, besonders bei Rechtsherzinfarkt oder Volumenmangel. Unter NIV treten gelegentlich Druckstellen, Aspiration oder mangelnde Toleranz auf. Die sorgfältige klinische Reevaluation ist daher essenziell.
Merke: Die gefährlichste Komplikation des Lungenödems ist die rasch progrediente respiratorische Insuffizienz; beim kardialen Ödem muss immer parallel an ACS, Arrhythmie oder Schock gedacht werden.
Häufige Fragen
Ist ein Lungenödem lebensbedrohlich?
Ja. Ein Lungenödem ist ein akuter Notfall, weil sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt und der Sauerstoffaustausch stark verschlechtert. Mit schneller Behandlung bessert sich der Zustand oft deutlich, ohne Therapie kann er aber lebensbedrohlich werden.
Woran erkennt man ein Lungenödem?
Typisch sind plötzlich starke Atemnot, Husten, oft im Liegen verstärkt, und manchmal schaumiger Auswurf. Ärztlich fallen häufig rasselnde Atemgeräusche, ein Sauerstoffmangel und typische Befunde in Röntgen, Ultraschall und Herzdiagnostik auf.
Kann ein Lungenödem wieder verschwinden?
Ja, besonders ein kardiales Lungenödem kann sich unter Sauerstoff, Atemunterstützung und entwässernder Therapie innerhalb von Stunden bis Tagen deutlich zurückbilden. Entscheidend ist aber, dass die auslösende Ursache, zum Beispiel eine Herzschwäche oder Infektion, konsequent behandelt wird.
Quellen
- McDonagh TA, Metra M, Adamo M, et al. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021.
- Deutsche Gesellschaft für Pneumologie/Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin. S3-Leitlinie Nichtinvasive Beatmung als Therapie der akuten respiratorischen Insuffizienz. AWMF.
- Matthay MA, Zemans RL, Zimmerman GA, et al. Acute respiratory distress syndrome. Nat Rev Dis Primers. 2019.
- Herold G. Innere Medizin. Aktuelle Ausgabe. Köln: Gerd Herold.
- Kumar V, Abbas AK, Aster JC. Robbins & Cotran Pathologic Basis of Disease. Elsevier.
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Nationale Versorgungsleitlinie/Leitlinien zur Herzinsuffizienz und akuten Herzinsuffizienz, aktuelle Fassungen.
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