🦠 Infektiologie ICD-10: A49.0

MRSA-Infektion: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Die MRSA-Infektion ist eine durch *Staphylococcus aureus* verursachte Infektion, bei der der Erreger aufgrund des mecA- oder mecC-vermittelten PBP2a.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Die MRSA-Infektion ist eine durch Staphylococcus aureus verursachte Infektion, bei der der Erreger aufgrund des mecA- oder mecC-vermittelten PBP2a gegen nahezu alle β-Laktam-Antibiotika resistent ist. Klinisch reicht das Spektrum von Haut- und Weichteilinfektionen über Pneumonien, Katheter- und Wundinfektionen bis hin zu Bakteriämie, Sepsis, Endokarditis und Osteomyelitis. Von der Infektion zu unterscheiden ist die MRSA-Kolonisation, bei der der Erreger z. B. im Nasenvorhof nachweisbar ist, ohne Krankheitssymptome zu verursachen.

    Im klinischen Alltag ist MRSA vor allem als nosokomialer Problemkeim relevant, zunehmend aber auch als community-acquired MRSA (CA-MRSA). Die ICD-Kodierung ist in der Praxis oft abhängig vom Infektionsfokus und zusätzlichen Erreger- oder Resistenzschlüsseln; der angegebene Code A49.0 erfasst eine bakterielle Infektion durch Staphylokokken, die MRSA-spezifische Resistenz wird häufig ergänzend kodiert.

    Merke: Nicht jeder MRSA-Nachweis bedeutet eine Infektion. Therapiebedürftig ist die symptomatische Infektion, während eine bloße Kolonisation vor allem hygienische und ggf. dekolonisierende Maßnahmen erfordert.

    Epidemiologie

    MRSA zählt weltweit zu den wichtigsten multiresistenten bakteriellen Erregern im Gesundheitswesen. Die epidemiologische Situation hat sich in Mitteleuropa in den letzten Jahren insgesamt verbessert, bleibt aber klinisch hochrelevant. In Deutschland lag der Anteil von Methicillin-resistenten Isolaten unter invasiven S.-aureus-Nachweisen nach Surveillance-Daten in den letzten Jahren meist im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich und deutlich unter früheren Spitzenwerten. In europäischen Vergleichen zeigt sich jedoch weiterhin eine erhebliche regionale Streuung mit Anteilen von unter 5 % bis über 25 % invasiver S.-aureus-Isolate, je nach Land und Versorgungssituation.

    Besonders gefährdet sind hospitalisierte Patientinnen und Patienten, Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Personen mit wiederholter Antibiotikaexposition, Dialysepflichtige, Menschen mit chronischen Wunden, Fremdmaterial oder Immunsuppression. Die nasale MRSA-Kolonisation ist ein wesentlicher Risikofaktor für spätere Infektionen; bei bestimmten Risikogruppen können Kolonisationsraten von mehreren Prozent erreicht werden. In Intensivstationen und bei langem Krankenhausaufenthalt steigt das Risiko zusätzlich.

    Klinisch bedeutsam ist auch die Unterscheidung zwischen healthcare-associated MRSA und CA-MRSA. Letzterer ist in Europa seltener als in Teilen Nordamerikas, kann jedoch auch bei jüngeren, zuvor gesunden Personen rezidivierende Haut- und Weichteilinfektionen verursachen. CA-MRSA-Stämme tragen häufiger Panton-Valentine-Leukozidin (PVL) und sind mit nekrotisierenden Infektionen assoziiert.

    Merke: Die MRSA-Epidemiologie ist dynamisch. Trotz sinkender Resistenzraten bleibt MRSA wegen schwerer Verläufe, Hygienemaßnahmen und begrenzter Therapieoptionen ein zentrales Problem der Infektiologie.

    Ätiologie

    Ursächlich ist eine Infektion mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus. Die Resistenz beruht überwiegend auf dem Erwerb des mecA-Gens, seltener mecC, das für ein verändertes Penicillin-bindendes Protein (PBP2a) kodiert. Dieses Protein besitzt eine geringe Affinität zu β-Laktam-Antibiotika, sodass Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme mit wenigen Ausnahmen therapeutisch nicht wirksam sind. MRSA ist damit definitionsgemäß nicht nur gegen Methicillin, sondern gegen praktisch alle klinisch relevanten antistaphylokokkenwirksamen β-Laktame resistent.

    Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Kontakt, insbesondere über die Hände des medizinischen Personals, kontaminierte Flächen, Wundsekrete oder medizinische Geräte. Eintrittspforten sind Operationswunden, Katheter, Beatmungssysteme, Druckulzera, chronische Ulzera, diabetische Fußläsionen oder mikroskopische Hautläsionen. Eine vorausgehende Kolonisation des Nasenvorhofs, Rachens, Perineums oder von Wunden erhöht das Risiko einer späteren endogenen Infektion erheblich.

    Risikofaktoren sind insbesondere frühere MRSA-Besiedlung oder -Infektion, Krankenhausaufenthalt in den letzten 12 Monaten, Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung, Antibiotikatherapie in den vorausgehenden Monaten, Dialyse, invasive Maßnahmen, Immunsuppression, Diabetes mellitus und chronische Hautdefekte. Bei CA-MRSA kommen zusätzlich Faktoren wie enger Körperkontakt, Gemeinschaftseinrichtungen, Kontaktsport oder unzureichende Wundhygiene in Betracht.

    Merke: Entscheidend für die Entstehung einer MRSA-Infektion ist das Zusammenspiel aus Erreger, Eintrittspforte und Wirtsfaktoren. Die Resistenz selbst macht den Keim nicht zwingend virulenter, erschwert aber die Behandlung erheblich.

    Pathogenese

    Die Pathogenese der MRSA-Infektion entspricht grundsätzlich derjenigen von Staphylococcus aureus, wird aber durch die eingeschränkten Therapiemöglichkeiten und häufige Begleitresistenzen klinisch verschärft. Nach Kolonisation von Nase, Haut oder Wunde gelangt der Erreger über eine gestörte Barriere in tiefere Gewebe oder die Blutbahn. S. aureus verfügt über zahlreiche Adhäsine, die eine Anheftung an Epithelien, extrazelluläre Matrix und Fremdmaterial ermöglichen. Dadurch sind Katheterinfektionen, Protheseninfektionen und Biofilm-bedingte chronische Verläufe besonders typisch.

    Virulenzfaktoren wie Koagulase, Protein A, Hämolysine, Leukozidine und verschiedene Enzyme begünstigen Gewebsinvasion und Immunflucht. Einige Stämme, insbesondere bestimmte CA-MRSA-Klone, exprimieren PVL, das mit ausgeprägter Neutrophilenschädigung, Abszessbildung und selten nekrotisierender Pneumonie assoziiert ist. Gelangt MRSA in die Blutbahn, kann es zu hämatogener Streuung mit Endokarditis, septischen Embolien, Osteomyelitis oder Organabszessen kommen.

    Die Resistenz gegen β-Laktame führt dazu, dass Standardtherapien bei Verdacht auf schwere Staphylokokkeninfektionen versagen können, wenn MRSA nicht frühzeitig mitbedacht wird. Zusätzlich können verminderte Glykopeptid-Empfindlichkeit, linezolid- oder daptomycinassoziierte Resistenzentwicklungen im Verlauf auftreten, insbesondere bei prolongierter Therapie oder hoher bakterieller Last. Eine unzureichende Fokussanierung fördert Persistenz und Rezidive.

    Merke: Für die Prognose ist nicht nur die Resistenz entscheidend, sondern vor allem die Fähigkeit von MRSA, Biofilme zu bilden, hämatogen zu streuen und sich auf Fremdmaterial oder in schlecht perfundierten Geweben zu persistieren.

    Symptome

    Die klinischen Symptome einer MRSA-Infektion hängen wesentlich vom Infektionsfokus ab. Am häufigsten sind Haut- und Weichteilinfektionen mit Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzen und häufig eitriger Sekretion. Typisch sind Furunkel, Karbunkel, Abszesse, Wundinfektionen oder infizierte Ulzera. Gerade bei CA-MRSA imponieren oft rezidivierende Abszesse. Systemische Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl können hinzutreten.

    Bei einer MRSA-Pneumonie stehen Husten, Dyspnoe, Fieber, purulentes Sputum und Hypoxämie im Vordergrund. Nach Influenza oder bei PVL-positiven Stämmen ist eine rasch progrediente nekrotisierende Pneumonie mit schwerer respiratorischer Insuffizienz möglich. Eine Bakteriämie oder Sepsis manifestiert sich durch Fieber oder Hypothermie, Tachykardie, Hypotonie, Vigilanzminderung und Laborzeichen der Organdysfunktion. Bei Endokarditis sind neu aufgetretene Herzgeräusche, Emboliezeichen, persistierende Bakteriämie und septische Metastasen hinweisend.

    Osteomyelitis und septische Arthritis verursachen lokalisierte Schmerzen, Bewegungseinschränkung, Überwärmung und erhöhte Entzündungswerte. Katheter- oder Fremdmaterialinfektionen zeigen sich oft subtil mit persistierendem Fieber, lokaler Rötung oder wiederkehrender Bakteriämie. Bei älteren, multimorbiden oder immunsupprimierten Personen können Symptome unspezifisch sein, etwa Delir, Schwäche, Appetitverlust oder Dekompensation vorbestehender Erkrankungen.

    Merke: Abszessbildung, rezidivierende Hautinfektionen, therapierefraktäre Wundinfektionen und persistierende Bakteriämie sollten immer an MRSA denken lassen – insbesondere bei Risikokonstellationen oder nach vorausgegangener Antibiotikatherapie.

    Diagnostik

    Die Diagnostik beruht auf der Kombination aus klinischem Verdacht, mikrobiologischem Erregernachweis, Resistenztestung und Fokussuche. Bei Verdacht auf MRSA-Infektion müssen Materialgewinnung vor Antibiotikagabe und die Wahl des richtigen Untersuchungsmaterials beachtet werden: Wundabstrich oder besser tiefes Gewebe/Abszessmaterial, Blutkulturen bei Fieber oder Sepsis, respiratorische Proben bei Pneumonie, Gelenkpunktat, Knochenbiopsie oder Katheterspitzenkultur je nach Fokus. Oberflächliche Abstriche sind bei tiefen Infektionen oft nur begrenzt aussagekräftig.

    Der labordiagnostische Nachweis erfolgt durch Kultur, Resistenztestung und häufig ergänzend PCR-basierte Methoden zum Nachweis von S. aureus und mecA/mecC. Klassische Entzündungsparameter wie CRP, Leukozytenzahl und ggf. Prokalzitonin unterstützen die Verlaufsbeurteilung, sind aber nicht spezifisch. Bei Verdacht auf Bakteriämie sollten mindestens 2–3 Blutkultursets aus getrennten Punktionsstellen abgenommen werden. Persistiert die Bakteriämie über 48–72 Stunden trotz Therapie, muss intensiv nach einem okkulten Fokus gesucht werden.

    Bildgebung richtet sich nach der vermuteten Lokalisation: Sonographie bei Abszessen, Röntgen/CT bei Pneumonie, MRT bei Osteomyelitis und Spondylodiszitis, Echokardiographie – bevorzugt TEE – bei Verdacht auf Endokarditis. Bei implantatassoziierten Infektionen ist die Beurteilung des Fremdmaterials essenziell. Ein "Goldstandard" existiert nicht für alle Manifestationen; für die gesicherte Diagnose ist jedoch der Erregernachweis aus sterilem Material bzw. Blutkultur in Verbindung mit klinischen Infektionszeichen entscheidend.

    Für das Screening auf Kolonisation werden Nasen-, Rachen-, Perineal- und Wundabstriche verwendet. Dies dient der Hygiene und Dekolonisation, ersetzt aber nicht die Diagnostik einer invasiven Infektion.

    Merke: Kultur plus Resistenztestung ist die Grundlage jeder gezielten MRSA-Therapie. Bei MRSA-Bakteriämie gehören Blutkulturkontrollen, Fokussuche und oft eine TEE zum Standard.

    Differentialdiagnosen

    Die Differenzialdiagnosen richten sich nach der klinischen Manifestation. Bei Haut- und Weichteilinfektionen müssen andere bakterielle Erreger wie MSSA, β-hämolysierende Streptokokken (z. B. Streptococcus pyogenes), gramnegative Wundinfektionen oder Anaerobier bedacht werden. Ein schmerzhaft gerötetes Areal ohne Eiter spricht eher für Erysipel oder Cellulitis durch Streptokokken, während fluktuierende Abszesse stärker für S. aureus sprechen. Wichtig ist die Abgrenzung zur nekrotisierenden Fasziitis, bei der starke Schmerzen, rasche Progredienz, systemische Toxizität und ggf. Hautnekrosen vorliegen.

    Bei Pneumonien umfasst die Differenzialdiagnose typische und atypische Erreger, insbesondere Pneumokokken, gramnegative Enterobakterien, Pseudomonas aeruginosa, Aspirationspneumonie und virale Pneumonien. Eine schwere postinfluenzaassoziierte Verlaufsform mit Hämoptysen und rascher respiratorischer Verschlechterung sollte an PVL-positiven S. aureus denken lassen, differenzialdiagnostisch aber auch an Influenza selbst, invasive Pilzinfektionen oder Lungenembolien.

    Bei Bakteriämie und Sepsis sind andere grampositive Kokken, Enterobakterien und fungämische Verläufe abzugrenzen. Eine Koagulase-negative Staphylokokken-Bakteriämie kann vor allem bei Kathetern relevant sein, ist aber häufiger Kontamination. Bei Endokarditisverdacht kommen neben S. aureus vor allem Viridans-Streptokokken, Enterokokken und HACEK-Erreger infrage.

    Bei Knochen- und Gelenkinfektionen müssen sterile Entzündungen, Gicht, CPPD-Arthropathie, degenerative Veränderungen, Tumoren und rheumatologische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Schließlich ist eine positive MRSA-Kultur immer im klinischen Kontext zu interpretieren, da auch eine Kolonisation ohne Infektion möglich ist.

    Merke: Der wichtigste diagnostische Stolperstein ist die Verwechslung von Kolonisation mit Infektion. Therapieentscheidungen müssen sich an Symptomen, Fokus und sterilen Proben orientieren, nicht allein am Abstrichbefund.

    Therapie

    Die Therapie der MRSA-Infektion beruht auf drei Säulen: frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie, konsequente Fokussanierung und strikte Hygienemaßnahmen. Die Auswahl richtet sich nach Infektionsort, Schweregrad, Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und Resistogramm. Bei schweren invasiven Infektionen gelten nach internationalen und nationalen Empfehlungen insbesondere Vancomycin, Daptomycin und Linezolid als zentrale Substanzen. Vancomycin i.v. wird häufig mit 15–20 mg/kg alle 8–12 Stunden dosiert; erforderlich ist ein therapeutisches Drug Monitoring, heute bevorzugt AUC-gesteuert. Daptomycin ist bei MRSA-Bakteriämie und rechtsseitiger Endokarditis eine wichtige Option, meist 8–10 mg/kg i.v. 1-mal täglich; bei Pneumonie ist es wegen Inaktivierung durch Surfactant nicht geeignet. Linezolid 600 mg i.v./p.o. alle 12 Stunden ist besonders bei MRSA-Pneumonie etabliert und hat eine sehr gute Gewebegängigkeit.

    Weitere Optionen je nach Situation sind Teicoplanin, Ceftarolin (in manchen Leitlinien/Settings als Reserve- oder Kombinationspartner), Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Clindamycin, Doxycyclin oder Delafloxacin bei ausgewählten, meist weniger schweren Verläufen und nach Resistogramm. Bei Hautabszessen ist die Inzision und Drainage oft entscheidend; ohne Sanierung bleibt die antibiotische Therapie unzureichend. Bei Katheterinfektionen sollte der Katheter in der Regel entfernt werden. Bei Prothesen- oder Fremdmaterialinfektionen ist häufig eine operative Sanierung erforderlich.

    Bei MRSA-Bakteriämie sind Kontrollblutkulturen nach 48–72 Stunden, Echokardiographie und Fokusdiagnostik obligat. Die Therapiedauer beträgt bei unkomplizierter Bakteriämie meist mindestens 14 Tage i.v., bei Endokarditis, Osteomyelitis oder tiefen Organinfektionen oft 4–6 Wochen oder länger. Eine Dekolonisation ist bei Kolonisation oder wiederholten Infektionen sinnvoll, typischerweise mit Mupirocin-Nasensalbe 2 % für 5 Tage, antiseptischer Ganzkörperwaschung, Mundspülung und Wäsche-/Umgebungshygiene.

    Leitlinienrelevant sind in Deutschland insbesondere die AWMF-Empfehlungen zur Prävention und zum Management von MRSA sowie krankenhaushygienische Empfehlungen der KRINKO. Für schwere S.-aureus-Infektionen sind zusätzlich infektiologische und organspezifische Leitlinien, z. B. zur Endokarditis, Sepsis oder Pneumonie, heranzuziehen.

    Merke: Bei MRSA gilt: richtige Substanz + ausreichende Dosierung + Fokussanierung. Eine rein antibiotische Behandlung ohne Drainage, Katheterentfernung oder Fremdmaterialmanagement ist oft zum Scheitern verurteilt.

    Prognose

    Die Prognose einer MRSA-Infektion ist sehr variabel und hängt wesentlich von Infektionsfokus, Zeit bis zur wirksamen Therapie, Komorbiditäten, Alter, Fokussanierung und dem Vorliegen einer Bakteriämie oder Sepsis ab. Oberflächliche Haut- und Weichteilinfektionen haben bei adäquater Drainage und gezielter Therapie meist eine gute Prognose. Dagegen sind MRSA-Bakteriämie, Endokarditis, nekrotisierende Pneumonie und implantatassoziierte Infektionen mit einer deutlich höheren Morbidität und Mortalität verbunden.

    Für S.-aureus-Bakteriämien werden je nach Kollektiv und Versorgungssituation Sterblichkeitsraten im Bereich von etwa 15–30 % beschrieben; bei komplizierten Verläufen, septischem Schock oder Endokarditis können die Raten höher liegen. MRSA-Infektionen gehen im Vergleich zu methicillinsensiblen S.-aureus-Infektionen häufig mit längerer Hospitalisierung, höheren Behandlungskosten und einem erhöhten Risiko für Therapieversagen oder Rezidive einher. Persistierende positive Blutkulturen über 48–72 Stunden sind ein ungünstiges Prognosezeichen.

    Ein wesentlicher prognostischer Faktor ist die Sanierung des Infektionsfokus. Nicht entfernte Katheter, undrainierte Abszesse oder belassenes infiziertes Fremdmaterial erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Chronifizierung, Metastasierung und Rückfälle. Auch eine inadäquate initiale Antibiotikatherapie verschlechtert die Prognose.

    Nach erfolgreicher Behandlung bleibt bei manchen Patientinnen und Patienten eine erneute Kolonisation oder Reinfektion möglich, insbesondere bei chronischen Wunden, Dialyse, Pflegebedürftigkeit oder wiederholten Krankenhauskontakten. Eine strukturierte Nachsorge ist deshalb bei schweren Verläufen sinnvoll.

    Merke: Die Prognose wird weniger durch den MRSA-Nachweis an sich bestimmt als durch Invasivität, Zeit bis zur wirksamen Therapie und die Qualität der Fokussanierung.

    Prävention

    Die Prävention stützt sich auf konsequente Basishygiene und ein risikoadaptiertes Screening- und Isolationsmanagement. Zentral sind Händedesinfektion, sachgerechte Wundversorgung, sterile Arbeitsweise bei invasiven Maßnahmen sowie ein rationaler Antibiotikaeinsatz im Sinne des Antibiotic Stewardship. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen spielen zusätzlich Kontaktprävention, patientenbezogene Schutzmaßnahmen und die Schulung des Personals eine wichtige Rolle.

    Bei Risikopatienten kann ein MRSA-Screening bei Aufnahme sinnvoll sein, z. B. bei früherer MRSA-Anamnese, Verlegung aus anderen Einrichtungen, Dialysepflicht, chronischen Wunden oder bekannter enger Exposition. Nachgewiesene Kolonisationen können durch Dekolonisationsmaßnahmen reduziert werden. Dazu gehören in der Regel Mupirocin-Nasensalbe, antiseptische Waschungen und die Desinfektion patientennaher Gegenstände.

    Im ambulanten Bereich sind gute Wundhygiene, das Abdecken sezernierender Läsionen, keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern oder Rasierern und regelmäßige Handhygiene wichtig. Für Angehörige und medizinisches Personal ist entscheidend, zwischen Kolonisation und Infektion zu unterscheiden, um einerseits Übertragungen zu vermeiden, andererseits aber unnötige Therapie und Stigmatisierung zu verhindern.

    Merke: Die wirksamste Prävention gegen MRSA ist eine Kombination aus Händehygiene, Antibiotic Stewardship und gezieltem Screening/Dekolonisation bei Risikokonstellationen.

    Komplikationen

    MRSA-Infektionen können lokal begrenzt bleiben, aber auch schwere systemische Komplikationen verursachen. Zu den häufigsten lokalen Folgen zählen Abszessbildung, Gewebenekrosen, Wunddehiszenz, verzögerte Heilung und die Ausbreitung in tiefere Kompartimente. Besonders gefürchtet ist die nekrotisierende Weichteilinfektion, die eine sofortige chirurgische Intervention erfordert. Bei chronischen Wunden und diabetischem Fuß kann MRSA die Heilung deutlich verzögern und das Risiko für Osteomyelitis und Amputation erhöhen.

    Systemisch drohen Bakteriämie, Sepsis und septischer Schock mit Multiorganversagen. Von der Blutbahn aus kann es zur hämatogenen Streuung kommen, etwa mit Endokarditis, septischen Embolien, Spondylodiszitis, Osteomyelitis, septischer Arthritis, epiduralen Abszessen oder Organabszessen. Eine MRSA-Pneumonie kann in eine schwere respiratorische Insuffizienz bis zum ARDS übergehen. Implantat- und Katheterinfektionen neigen zur Biofilmbildung, was Persistenz und Rezidive begünstigt.

    Therapiebezogene Komplikationen sind ebenfalls relevant. Vancomycin kann nephrotoxisch sein, Linezolid unter längerer Anwendung zu Thrombozytopenie, Anämie oder Polyneuropathie führen, und Daptomycin birgt das Risiko einer CK-Erhöhung und Myopathie. Zudem können prolongierte Hospitalisierung, Isolation und wiederholte Antibiotikatherapien die Lebensqualität beeinträchtigen und weitere Resistenzselektion fördern.

    Merke: Die gefährlichsten Komplikationen der MRSA-Infektion sind persistierende Bakteriämie, Endokarditis, metastatische Absiedlungen und septischer Schock – deshalb sind frühe Diagnostik und Fokussanierung entscheidend.

    Häufige Fragen

    Ist MRSA immer gefährlich?

    Nein. Ein MRSA-Nachweis bedeutet nicht automatisch eine schwere Erkrankung. Viele Menschen sind nur kolonisiert, also besiedelt, ohne Symptome zu haben; gefährlich wird MRSA vor allem bei echten Infektionen, besonders in Wunden, der Lunge oder im Blut.

    Kann man MRSA wieder loswerden?

    Ja, häufig ist eine sogenannte Dekolonisation möglich. Dazu werden meist für einige Tage eine Nasensalbe, antiseptische Waschlösungen und konsequente Hygienemaßnahmen eingesetzt; bei manchen Personen kann die Besiedlung aber wiederkehren.

    Welche Antibiotika helfen gegen MRSA?

    Normale Penicilline und viele andere β-Laktam-Antibiotika wirken gegen MRSA meist nicht. Je nach Infektionsort und Schwere kommen zum Beispiel Vancomycin, Linezolid oder Daptomycin infrage; die Auswahl muss immer nach ärztlicher Beurteilung und Resistenztestung erfolgen.

    Quellen

    1. Liu C, Bayer A, Cosgrove SE, et al. Clinical practice guidelines by the Infectious Diseases Society of America for the treatment of methicillin-resistant Staphylococcus aureus infections in adults and children. Clin Infect Dis. 2011;52(3):e18-e55.
    2. KRINKO beim Robert Koch-Institut. Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Bundesgesundheitsblatt. Aktualisierte Empfehlung.
    3. Robert Koch-Institut (RKI). MRSA: Informationen zu Epidemiologie, Prävention und Kontrolle. Berlin: RKI.
    4. Tong SYC, Davis JS, Eichenberger E, Holland TL, Fowler VG Jr. Staphylococcus aureus Infections: Epidemiology, Pathophysiology, Clinical Manifestations, and Management. Clin Microbiol Rev. 2015;28(3):603-661.
    5. Bennett JE, Dolin R, Blaser MJ, Hrsg. Mandell, Douglas, and Bennett's Principles and Practice of Infectious Diseases. 9. Auflage. Elsevier.
    6. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene / AWMF-nahe Empfehlungen und Hygienestandards zum Management multiresistenter Erreger in Gesundheitseinrichtungen.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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