🦠 Infektiologie ICD-10: J10

Influenza: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Die Influenza ist eine akute, durch Influenzaviren verursachte systemische Infektionskrankheit, die typischerweise mit abruptem Krankheitsbeginn,.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Die Influenza ist eine akute, durch Influenzaviren verursachte systemische Infektionskrankheit, die typischerweise mit abruptem Krankheitsbeginn, Fieber, Myalgien, Kopf- und Halsschmerzen sowie trockenem Husten einhergeht. Klinisch relevant sind vor allem Influenza-A- und Influenza-B-Viren; Influenza C verursacht meist mildere Erkrankungen, Influenza D betrifft den Menschen praktisch nicht. Die Erkrankung ist von banalen viralen Atemwegsinfekten abzugrenzen, da sie mit einer deutlich höheren Morbidität, Komplikationsrate und saisonalen Übersterblichkeit assoziiert ist.

    Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Tröpfchen und Aerosole, zusätzlich durch direkten Kontakt mit kontaminierten Händen oder Oberflächen. Die Inkubationszeit beträgt meist 1–2 Tage. Besonders gefährdet für schwere Verläufe sind ältere Menschen, Säuglinge, Schwangere, Personen mit chronischen Herz-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen sowie immunsupprimierte Patienten.

    Merke: Die Influenza beginnt oft plötzlich mit hohem Krankheitsgefühl und Fieber, während gewöhnliche Erkältungen meist schleichender einsetzen und im Mittel milder verlaufen.

    Epidemiologie

    Die Influenza tritt in gemäßigten Klimazonen überwiegend saisonal auf, in Deutschland typischerweise zwischen Dezember und April, mit Gipfeln oft im Januar oder Februar. Die jährliche Erkrankungshäufigkeit variiert stark je nach Zirkulation, Virusstamm, Bevölkerungsimmunität und Impfquote. Weltweit infizieren sich laut WHO jedes Jahr schätzungsweise 5–10 % der Erwachsenen und 20–30 % der Kinder mit Influenzaviren. Jährlich werden etwa 3 bis 5 Millionen schwere Erkrankungen und 290.000 bis 650.000 influenzaassoziierte respiratorische Todesfälle weltweit angenommen.

    In Deutschland schwankt die saisonale Krankheitslast erheblich. In starken Saisons werden mehrere Millionen zusätzliche Arztkontakte und zehntausende Hospitalisierungen beobachtet. Die Übersterblichkeit ist vor allem bei Menschen über 60 Jahre relevant. Kinder gelten als wichtige Treiber der Transmission, da sie hohe Viruslasten aufweisen und das Virus länger ausscheiden können. Nosokomiale Übertragungen spielen besonders in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen eine wichtige Rolle.

    Die Inzidenz laborbestätigter Fälle hängt auch von Testintensität und Meldepraxis ab. Influenza-A-Viren, insbesondere H1N1- und H3N2-Subtypen, dominieren häufig; in manchen Saisons hat Influenza B einen erheblichen Anteil. Pandemien entstehen durch antigen shift mit neuen Virusvarianten, wie zuletzt 2009 bei A/H1N1pdm09.

    Merke: Die klinische Bedeutung der Influenza liegt weniger in einzelnen milden Fällen als in der hohen saisonalen Gesamtlast durch Pneumonien, Dekompensationen chronischer Erkrankungen und Übersterblichkeit.

    Ätiologie

    Erreger der Influenza sind Orthomyxoviren, vor allem Influenza-A- und Influenza-B-Viren. Es handelt sich um behüllte RNA-Viren mit segmentiertem Genom. Für die Klinik besonders bedeutsam sind die Oberflächenproteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Influenza A wird anhand dieser Oberflächenantigene in Subtypen eingeteilt, etwa H1N1 oder H3N2. Influenza B besitzt keine vergleichbare Subtypisierung, sondern zirkuliert vor allem in den Linien Victoria und Yamagata, wobei letztere seit einigen Jahren kaum noch nachweisbar ist.

    Die hohe Variabilität der Influenzaviren beruht auf zwei Mechanismen: antigen drift durch Punktmutationen und antigen shift durch Reassortment zwischen verschiedenen Virusstämmen. Der antigen drift erklärt die jährlichen saisonalen Wellen und die Notwendigkeit einer jährlichen Impfstoffanpassung. Der antigen shift kann zur Entstehung neuer, immunologisch wenig bekannter Varianten führen und ist die Grundlage pandemischer Ausbreitungen.

    Die Übertragung erfolgt überwiegend durch respiratorische Sekrete. Infektiös sind Betroffene meist bereits etwa 1 Tag vor Symptombeginn und in der Regel 5–7 Tage danach; bei Kindern und Immunsupprimierten kann die Virusausscheidung deutlich länger anhalten. Risikofaktoren für schwere Verläufe sind höheres Alter, Schwangerschaft, Adipositas, chronische Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, neurologische Grunderkrankungen sowie Immunsuppression.

    Merke: Für die jährliche saisonale Influenza ist der antigen drift zentral; für Pandemien ist der antigen shift entscheidend.

    Pathogenese

    Nach Inhalation infektiöser Partikel binden Influenzaviren über das Hämagglutinin an sialinsäurehaltige Rezeptoren des respiratorischen Epithels. Es folgt die Endozytose und intrazelluläre Replikation. Die Virusvermehrung führt zu Zilienschädigung, epithelialer Destruktion und Funktionsverlust der mukoziliären Clearance. Dadurch werden die Atemwege anfälliger für sekundäre bakterielle Superinfektionen, klassisch durch Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae.

    Die systemischen Symptome der Influenza entstehen nicht nur durch die lokale Virusreplikation, sondern wesentlich durch die angeborene Immunantwort mit Interferonen, Interleukinen und weiteren proinflammatorischen Mediatoren. Dies erklärt den abrupten Beginn mit starkem Krankheitsgefühl, Fieber, Myalgien und Kopfschmerzen. Bei schweren Verläufen kann es zu einer ausgeprägten pulmonalen Entzündungsreaktion mit diffuser alveolärer Schädigung, Hypoxämie und viral bedingter Pneumonie bis hin zum ARDS kommen.

    Besondere klinische Relevanz hat die Fähigkeit der Influenza, bestehende Erkrankungen zu destabilisieren. Häufig sind Exazerbationen von COPD und Asthma, kardiale Komplikationen wie Myokarditis, Rhythmusstörungen oder die Auslösung akuter ischämischer Ereignisse. Auch neurologische Manifestationen wie Enzephalopathie oder Guillain-Barré-Syndrom sind selten möglich.

    Merke: Die Schwere der Influenza beruht auf dem Zusammenspiel aus direkter Epithelschädigung, starker Immunreaktion und erhöhter Anfälligkeit für bakterielle Superinfektionen.

    Symptome

    Typisch für die Influenza ist ein plötzlicher Krankheitsbeginn innerhalb weniger Stunden. Zu den klassischen Leitsymptomen gehören Fieber über 38 °C, oft bis 39–40 °C, ausgeprägte Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Myalgien, Arthralgien, Kopf- und Halsschmerzen sowie ein meist trockener Reizhusten. Viele Patienten berichten über ein „wie vom LKW überfahren“-Gefühl. Im Gegensatz zu banalen Erkältungen stehen ein starkes Krankheitsgefühl und die akute systemische Symptomatik meist im Vordergrund.

    Zu den Begleitsymptomen zählen Schüttelfrost, retrosternale Beschwerden beim Husten, Rhinorrhö, Heiserkeit und Appetitlosigkeit. Gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Diarrhö kommen insbesondere bei Kindern vor, sind aber insgesamt weniger führend als bei anderen Virusinfekten. Bei älteren Menschen kann das klinische Bild atypisch sein, etwa mit Verwirrtheit, Exsikkose, Sturzereignissen oder Verschlechterung der Alltagsfunktion statt hohem Fieber.

    Komplizierte Verläufe zeigen Dyspnoe, Thoraxschmerzen, persistierendes oder erneut ansteigendes Fieber, Zyanose oder Zeichen einer Kreislaufinstabilität. Verdächtig auf eine Pneumonie sind Tachypnoe, Hypoxämie, fokale Auskultationsbefunde oder progrediente Luftnot. Die Symptomdauer beträgt bei unkompliziertem Verlauf meist 5–7 Tage, Husten und Erschöpfung können jedoch 2–6 Wochen anhalten.

    Merke: Abrupter Beginn mit Fieber, Myalgien und trockenem Husten spricht deutlich eher für Influenza als für einen gewöhnlichen grippalen Infekt.

    Diagnostik

    Die Diagnose der Influenza ist in der Hochsaison bei typischer Klinik zunächst eine klinische Verdachtsdiagnose. Für Therapieentscheidungen, Hygienemaßnahmen und stationäre Patienten ist jedoch häufig eine virologische Bestätigung sinnvoll. Mittel der Wahl ist der Nukleinsäurenachweis mittels RT-PCR aus einem nasopharyngealen oder kombinierten oro-/nasopharyngealen Abstrich. Die PCR besitzt die höchste Sensitivität und Spezifität und ist insbesondere bei Risikopatienten, schweren Verläufen und im Krankenhaus Standard. Antigen-Schnelltests liefern rasch Ergebnisse, haben aber eine geringere Sensitivität und schließen eine Influenza bei negativem Resultat nicht sicher aus.

    Die Labordiagnostik ist unspezifisch. Häufig finden sich normale oder erniedrigte Leukozytenzahlen, gelegentlich eine Lymphopenie. CRP und Prokalzitonin können bei reiner Virusinfektion moderat erhöht sein; deutlich hohe Werte sprechen eher für eine bakterielle Koinfektion, sind jedoch nicht beweisend. Bei Dyspnoe oder schwerem Verlauf sollten Blutgase, Nierenfunktion, Leberwerte und ggf. kardiale Marker bestimmt werden.

    Bildgebung ist nicht bei jedem Patienten notwendig. Bei Verdacht auf Pneumonie erfolgt eine Röntgenaufnahme des Thorax, bei unklaren oder schweren Verläufen ggf. CT. Differenzialdiagnostisch sollte je nach Saison und Exposition auch auf SARS-CoV-2 und RSV getestet werden. Der „Goldstandard“ des Erregernachweises im klinischen Alltag ist die RT-PCR.

    Merke: Bei schwerem Verlauf oder Risikokonstellation sollte die antivirale Therapie nicht auf das PCR-Ergebnis warten, sondern bei klinischem Verdacht früh begonnen werden.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste Differenzialdiagnose ist der grippale Infekt durch andere respiratorische Viren, etwa Rhinoviren, saisonale Coronaviren, Adenoviren oder Parainfluenzaviren. Diese beginnen meist schleichender und verlaufen im Durchschnitt milder, klinisch ist die Abgrenzung jedoch nicht immer zuverlässig. Besonders relevant sind außerdem COVID-19 und RSV-Infektionen, die hinsichtlich Fieber, Husten und Allgemeinsymptomatik stark überlappen können. In der stationären Versorgung sind Multiplex-PCR-Verfahren deshalb oft sinnvoll.

    Bei ausgeprägter Dyspnoe, fokalen Auskultationsbefunden oder hohen Entzündungsparametern muss an eine ambulant erworbene Pneumonie gedacht werden, entweder primär bakteriell oder als Superinfektion. Thoraxschmerzen, Tachykardie oder Hypoxämie können auch auf Lungenembolie, akutes Koronarsyndrom oder eine Herzinsuffizienzdekompensation hinweisen. Bei starker Halsentzündung und Lymphknotenschwellung kommen EBV-Infektion oder eine bakterielle Tonsillopharyngitis in Betracht.

    Neurologische Symptome wie Verwirrtheit, Nackensteifigkeit oder Krampfanfälle erfordern die Abgrenzung zu Meningitis oder Enzephalitis. Gastrointestinale Beschwerden mit Fieber können differenzialdiagnostisch an andere Virusinfektionen oder bakterielle Enteritiden denken lassen. Tropenrückkehrer mit Fieber benötigen zusätzlich eine erweiterte infektiologische Abklärung, z. B. auf Malaria oder Dengue.

    Merke: Während der Wintersaison sind Influenza, COVID-19 und RSV die drei wichtigsten viralen Differenzialdiagnosen bei akutem Fieber und Husten.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, Risikoprofil, Symptomdauer und Komplikationen. Bei unkomplizierter Influenza ohne Risikofaktoren steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, körperliche Schonung sowie antipyretische und analgetische Therapie, z. B. Paracetamol 500–1000 mg alle 6–8 Stunden oder Ibuprofen 400 mg alle 6–8 Stunden bei Erwachsenen, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Bei Kindern ist Acetylsalicylsäure wegen des Risikos eines Reye-Syndroms zu vermeiden.

    Eine antivirale Therapie wird gemäß Empfehlungen von RKI, AWMF-Leitlinien und internationalen Leitlinien insbesondere bei hospitalisierten Patienten, schweren oder progredienten Verläufen sowie bei Risikopersonen empfohlen. Standard ist Oseltamivir 75 mg p.o. 2-mal täglich für 5 Tage bei Erwachsenen; bei schwerem Verlauf, Immunsuppression oder persistierender Virusausscheidung kann eine längere Behandlung erwogen werden. Die Dosis muss bei Niereninsuffizienz angepasst werden. Alternativen sind Zanamivir inhalativ oder in besonderen Situationen Baloxavir marboxil als Einmalgabe, wobei die Verfügbarkeit und nationale Empfehlungen zu beachten sind. Der größte Nutzen besteht bei Therapiebeginn innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn, bei schweren Verläufen ist eine spätere Einleitung dennoch sinnvoll.

    Bei bakterieller Superinfektion erfolgt eine leitliniengerechte Antibiotikatherapie, z. B. bei ambulant erworbener Pneumonie abhängig von Setting und Risikofaktoren. Stationär sind Sauerstoffgabe, Thromboseprophylaxe, Flüssigkeitsmanagement und ggf. intensivmedizinische Maßnahmen bis zur Beatmung erforderlich.

    Merke: Oseltamivir früh beginnen – bei Risikopatienten und schweren Verläufen zählt nicht primär die perfekte Diagnosesicherheit, sondern der rechtzeitige Therapiebeginn.

    Prognose

    Die Prognose ist bei immunkompetenten jungen Erwachsenen mit unkompliziertem Verlauf meist gut. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb von 1 Woche, auch wenn Husten und Leistungsminderung noch mehrere Wochen persistieren können. Dennoch ist die Influenza keine harmlose Erkrankung: In starken Saisons verursacht sie eine erhebliche Zahl an Hospitalisierungen, sekundären Pneumonien und Todesfällen, vor allem bei älteren Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen.

    Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht bei Alter über 60 Jahre, Schwangerschaft, Adipositas, chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, neurologischen Erkrankungen sowie Immunsuppression. Komplikationen wie primär virale Pneumonie, bakterielle Superinfektion, ARDS, Sepsis oder kardiale Ereignisse verschlechtern die Prognose deutlich. Auch nach überstandener Akutphase ist kurzfristig ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall beschrieben.

    Die frühe antivirale Therapie kann bei Risikopatienten die Krankheitsdauer verkürzen und die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe reduzieren. Die wirksamste bevölkerungsbezogene Maßnahme zur Prognoseverbesserung ist jedoch die jährliche Impfung, die insbesondere schwere Verläufe, Krankenhausaufnahmen und Todesfälle vermindert, auch wenn der Schutz vor Infektion saisonabhängig schwankt.

    Merke: Die individuelle Influenza mag häufig selbstlimitierend sein, die prognostische Relevanz liegt aber in den potenziell schweren Komplikationen und der hohen saisonalen Gesamtmortalität.

    Prävention

    Die wichtigste präventive Maßnahme ist die jährliche Influenzaimpfung. Die STIKO empfiehlt sie insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem 2. Trimenon beziehungsweise bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung ab dem 1. Trimenon, Bewohner von Pflegeeinrichtungen, medizinisches Personal sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Verwendet werden saisonal angepasste, meist quadrivalente Impfstoffe. Für ältere Erwachsene stehen je nach Saison auch Hochdosis-Impfstoffe zur Verfügung, die eine bessere Immunantwort erzielen können.

    Zusätzlich sind allgemeine Hygienemaßnahmen wirksam: Händehygiene, Hustenetikette, Abstand bei Symptomen, konsequentes Zuhausebleiben während der akuten Erkrankung und in Risikosettings das Tragen von Masken. In Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind frühzeitige Isolationsmaßnahmen und Ausbruchskontrolle essenziell.

    Postexpositionell kann in ausgewählten Situationen, etwa bei Ausbrüchen in Heimen oder bei exponierten Hochrisikopersonen, eine Chemoprophylaxe mit Oseltamivir erwogen werden; dies erfolgt nach individueller Risikoabwägung und lokalen Empfehlungen.

    Merke: Die Impfung senkt vor allem schwere Verläufe, nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer laborbestätigten Infektion.

    Komplikationen

    Zu den häufigsten und klinisch bedeutsamsten Komplikationen der Influenza gehören Pneumonien. Man unterscheidet die primär virale Influenzapneumonie, die oft früh mit schwerer Hypoxämie auftritt, von der sekundären bakteriellen Superinfektion, die sich klassischerweise nach initialer Besserung mit erneutem Fieberanstieg, produktivem Husten und steigenden Entzündungswerten manifestiert. Typische Erreger sind Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus aureus und Haemophilus influenzae.

    Darüber hinaus kann Influenza zahlreiche extrapulmonale Komplikationen verursachen. Kardial sind Myokarditis, Perikarditis, Rhythmusstörungen und akute koronare Ereignisse relevant. Pulmonal drohen ARDS, respiratorische Insuffizienz und prolongierte Exazerbationen von Asthma oder COPD. Neurologische Komplikationen umfassen Enzephalitis, Enzephalopathie, Krampfanfälle und selten das Guillain-Barré-Syndrom. Bei Kindern treten selten Myositis oder das Reye-Syndrom auf, Letzteres vor allem bei ASS-Gabe.

    Bei vulnerablen Patienten sind außerdem Exsikkose, Delir, Sepsis, Multiorganversagen und Dekompensation chronischer Erkrankungen häufige Ursachen für Hospitalisierung. Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe; auch Frühgeburtlichkeit kann begünstigt sein.

    Merke: Ein zweiter Fiebergipfel oder erneute klinische Verschlechterung nach anfänglicher Besserung spricht an eine bakterielle Superinfektion.

    Häufige Fragen

    Ist Influenza dasselbe wie eine Erkältung?

    Nein. Die Influenza ist meist deutlich schwerer als eine gewöhnliche Erkältung und beginnt oft plötzlich mit hohem Krankheitsgefühl, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen. Erkältungen verlaufen häufig schleichender und sind in der Regel milder.

    Wann sollte ich mit Verdacht auf Influenza zum Arzt?

    Ärztlich abklären lassen sollten Sie hohes Fieber, Atemnot, Brustschmerzen, Verwirrtheit, Kreislaufprobleme oder eine deutliche Verschlechterung nach zunächst leichter Besserung. Besonders wichtig ist dies für ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und immungeschwächte Personen.

    Hilft eine Grippeimpfung auch dann, wenn sie keine Infektion komplett verhindert?

    Ja. Die Impfung senkt vor allem das Risiko für schwere Verläufe, Krankenhausaufnahmen und Todesfälle. Selbst bei einer Durchbruchsinfektion verläuft die Erkrankung oft milder.

    Quellen

    1. Robert Koch-Institut (RKI). Ratgeber Influenza (Saisonale Influenza) und Epidemiologisches Bulletin/STIKO-Empfehlungen, aktuelle Fassungen.
    2. AWMF-Leitlinie: S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen unteren Atemwegsinfektionen und Pneumonie.
    3. Mandell, Douglas, and Bennett’s Principles and Practice of Infectious Diseases. 9. Auflage. Elsevier.
    4. Jameson JL, Fauci AS, Kasper DL et al. Harrison’s Principles of Internal Medicine. 21. Auflage. McGraw-Hill.
    5. Uyeki TM, Bernstein HH, Bradley JS et al. Clinical Practice Guidelines by the Infectious Diseases Society of America: 2018 Update on Diagnosis, Treatment, Chemoprophylaxis, and Institutional Outbreak Management of Seasonal Influenza. Clinical Infectious Diseases. 2019.
    6. Iuliano AD, Roguski KM, Chang HH et al. Estimates of global seasonal influenza-associated respiratory mortality: a modelling study. Lancet. 2018.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

    🔬 Prüfungsfragen zu Influenza in Vorbereitung

    Wir erstellen derzeit IMPP-nahe MC-Fragen zu diesem Thema. Registriere dich jetzt und erhalte als Erster Zugang.

    Kostenlos registrieren & benachrichtigt werden 14 Tage kostenloser Vollzugang · Keine Kreditkarte