🧠 Neurologie ICD-10: I60

Subarachnoidalblutung: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Subarachnoidalblutung: Leitsymptome, CT, Liquordiagnostik, Aneurysma-Clipping/Coiling und Intensivtherapie nach Leitlinien.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
24. März 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 24. März 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Die Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine akute Blutung in den Subarachnoidalraum zwischen Arachnoidea und Pia mater. In etwa 80–85 % der nichttraumatischen Fälle liegt eine Ruptur eines sakkulären intrakraniellen Aneurysmas zugrunde; seltener sind perimesenzephale Blutungen, arteriovenöse Malformationen, Dissektionen oder Gerinnungsstörungen verantwortlich. Klinisch typisch ist der plötzlich einsetzende Vernichtungskopfschmerz (thunderclap headache), oft begleitet von Übelkeit, Meningismus, Vigilanzstörung oder fokal-neurologischen Defiziten. Die SAB ist ein neurologischer und intensivmedizinischer Notfall mit hoher Frühletalität und erheblichem Risiko für Reblutung, Hydrozephalus und verzögerte zerebrale Ischämien.

    Merke: Ein schlagartig einsetzender, maximaler Kopfschmerz innerhalb von Sekunden ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Subarachnoidalblutung.

    Epidemiologie

    Die spontane, nichttraumatische Subarachnoidalblutung ist im Vergleich zu ischämischen Schlaganfällen seltener, hat aber eine überproportional hohe Morbidität und Mortalität. Die jährliche Inzidenz liegt in Europa und Nordamerika meist bei etwa 6–9 pro 100.000 Personen, weltweit werden je nach Region Werte von etwa 2 bis über 20 pro 100.000 beschrieben. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, insbesondere jenseits des 50. Lebensjahres. Das mittlere Erkrankungsalter liegt häufig zwischen 50 und 60 Jahren, damit jünger als bei vielen anderen Schlaganfallformen.

    Etwa 10–15 % der Betroffenen versterben bereits vor Erreichen des Krankenhauses. Die Gesamtletalität innerhalb der ersten Wochen beträgt trotz moderner Versorgung noch ungefähr 25–40 %. Unter den Überlebenden behalten je nach Kollektiv 30–50 % relevante neurologische, kognitive oder psychosoziale Einschränkungen zurück. Intrakranielle Aneurysmen finden sich in der Allgemeinbevölkerung bei ungefähr 2–3 %, wobei das individuelle Rupturrisiko stark von Größe, Lokalisation, Morphologie und Risikofaktoren abhängt.

    Zu den wichtigsten epidemiologischen Risikofaktoren gehören arterielle Hypertonie, Nikotinabusus und positive Familienanamnese. Bei Verwandten ersten Grades von Patientinnen und Patienten mit aneurysmatischer SAB ist das Risiko erhöht; bei familiärer Häufung oder bei bestimmten genetischen Erkrankungen ist die Prävalenz intrakranieller Aneurysmen deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt.

    Merke: Die SAB ist selten, aber wegen ihrer hohen Frühletalität und der oft jungen Betroffenen von großer klinischer Relevanz.

    Ätiologie

    Ursächlich wird zwischen traumatischer und nichttraumatischer SAB unterschieden; im neurologischen Kontext steht meist die spontane, nichttraumatische SAB im Vordergrund. In etwa 80–85 % dieser Fälle beruht die Blutung auf der Ruptur eines sakkulären intrakraniellen Aneurysmas, typischerweise an Gefäßaufzweigungen des Circulus arteriosus Willisii. Häufige Lokalisationen sind die A. communicans anterior, die A. communicans posterior, die Bifurkation der A. cerebri media sowie die Basilarisspitze.

    Risikofaktoren für Aneurysmenbildung und -ruptur sind vor allem arterielle Hypertonie, Rauchen, höheres Alter, weibliches Geschlecht und Alkoholmissbrauch. Auch Kokain- oder Amphetaminkonsum kann durch Blutdruckspitzen und vaskuläre Schädigung eine Ruptur begünstigen. Familiäre Belastung ist klinisch bedeutsam; bei zwei oder mehr erstgradig Verwandten mit intrakraniellen Aneurysmen steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich. Assoziationen bestehen zudem mit autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (ADPKD), Ehlers-Danlos-Syndrom Typ IV, Fibromuskulärer Dysplasie und anderen Bindegewebs- bzw. Gefäßerkrankungen.

    Nichtaneurysmatische Ursachen umfassen perimesenzephale SAB mit meist gutartigerem Verlauf, arteriovenöse Malformationen, dural arteriovenöse Fisteln, zerebrale Dissektionen, Moyamoya-Erkrankung, Vaskulitiden, Gerinnungsstörungen sowie iatrogene Ursachen unter Antikoagulation. Bei einem Teil der Patienten bleibt trotz angiographischer Abklärung keine Blutungsquelle nachweisbar.

    Merke: Die wichtigste Ursache der spontanen SAB ist die Ruptur eines intrakraniellen Aneurysmas; Rauchen und Hypertonie sind die zentralen modifizierbaren Risikofaktoren.

    Pathogenese

    Pathophysiologisch führt die Ruptur eines intrakraniellen Aneurysmas zu einem abrupten Bluteinstrom in den Subarachnoidalraum. Der intrakranielle Druck steigt akut an und kann sich dem mittleren arteriellen Druck annähern, wodurch die zerebrale Perfusion vorübergehend kritisch abfällt. Dies erklärt den plötzlichen Vernichtungskopfschmerz, mögliche Synkope und frühe ischämische Hirnschädigungen. Zusätzlich wirkt das Blut im Liquorraum meningeal reizend und verursacht Meningismus, Photophobie und Erbrechen.

    Nach der initialen Blutung folgen mehrere sekundäre Schädigungsmechanismen. Besonders gefürchtet ist die Reblutung, vor allem in den ersten 24–72 Stunden, mit einer sehr hohen Letalität. Ab dem 3. bis 14. Tag, mit einem Maximum etwa zwischen Tag 4 und 10, können zerebrale Vasospasmen auftreten. Diese führen zusammen mit Mikrothrombosen, kortikalen Spreading-Depolarisationen und gestörter zerebraler Autoregulation zur verzögerten zerebralen Ischämie (DCI). Klinisch resultieren neue fokale Defizite, Vigilanzminderung oder Infarkte.

    Blutabbauprodukte behindern zudem die Liquorzirkulation und -resorption, sodass ein akuter Hydrozephalus entstehen kann. Entzündliche Reaktionen, Endothelschädigung, Störung der Blut-Hirn-Schranke und neurokardiale Wechselwirkungen tragen zur Systemerkrankung bei. Häufig sind EKG-Veränderungen, Troponinerhöhungen, neurogenes Lungenödem und Elektrolytstörungen, insbesondere Hyponatriämie.

    Merke: Nicht nur die Primärblutung, sondern vor allem Reblutung, Hydrozephalus und verzögerte zerebrale Ischämie bestimmen die Prognose der SAB.

    Symptome

    Leitsymptom der Subarachnoidalblutung ist der plötzlich einsetzende, stärkste Kopfschmerz des Lebens. Dieser erreicht typischerweise innerhalb von Sekunden bis maximal 1 Minute seine maximale Intensität und wird als thunderclap headache beschrieben. Häufig bestehen gleichzeitig Übelkeit, Erbrechen, Photophobie und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Durch die meningeale Reizung entwickeln viele Betroffene einen Meningismus mit Nackensteife, häufig aber erst mit leichter Verzögerung nach einigen Stunden.

    Je nach Blutungsstärke und Lokalisation kommen Bewusstseinsstörungen bis zum Koma hinzu. Eine kurze Synkope zum Blutungszeitpunkt ist nicht selten. Fokal-neurologische Defizite wie Hemiparesen, Aphasie, Blickdeviation oder Hirnnervenausfälle sind möglich, treten aber weniger konstant auf als bei parenchymatösen Blutungen oder ischämischen Schlaganfällen. Eine Okulomotoriusparese kann insbesondere auf ein Aneurysma der A. communicans posterior hinweisen. Epileptische Anfälle kommen bei einem Teil der Patienten vor.

    Klinisch wichtig sind sogenannte Warnblutungen oder sentinel headache: Tage bis Wochen vor der manifesten SAB berichten einige Patienten über neuartige, abrupt einsetzende starke Kopfschmerzen. Diese Konstellation sollte ernst genommen werden. Die klinische Schwere wird häufig mit der Hunt-und-Hess-Klassifikation oder der WFNS-Skala eingeschätzt, die Prognose und Management mitbestimmen.

    Merke: Ein normaler neurologischer Kurzbefund schließt eine SAB nicht aus; auch wache, orientierte Patienten mit isoliertem Vernichtungskopfschmerz können betroffen sein.

    Diagnostik

    Die Diagnostik der Subarachnoidalblutung muss sofort erfolgen. Bildgebung der ersten Wahl ist die kranielle Computertomographie ohne Kontrastmittel (cCT). Innerhalb der ersten 6 Stunden nach Symptombeginn ist die Sensitivität bei moderner CT-Technik und adäquater Befundung sehr hoch, häufig bei über 95 %, in spezialisierten Settings teils nahezu 99 %. Mit zunehmendem Zeitintervall sinkt die Nachweisrate. Bei gesicherter SAB folgt eine CT-Angiographie (CTA) oder digitale Subtraktionsangiographie (DSA) zum Nachweis eines rupturierten Aneurysmas; die DSA gilt weiterhin als vaskulärer Referenzstandard, insbesondere bei unklaren oder negativen CTA-Befunden.

    Ist das cCT trotz klinisch hochgradigem Verdacht unauffällig, wird je nach Zeitfenster und lokalem Protokoll eine Lumbalpunktion durchgeführt. Liquordiagnostisch sprechen Xanthochromie und anhaltend erhöhte Erythrozytenzahl in mehreren Röhrchen für eine SAB; wichtig ist die Unterscheidung von einer traumatischen Punktion. Alternativ oder ergänzend kann eine MRT mit FLAIR-/SWI-Sequenzen hilfreich sein, spielt akut aber meist eine untergeordnete Rolle.

    Zur Schweregrad- und Komplikationsbeurteilung dienen Fisher- bzw. modifizierte Fisher-Klassifikation, klinische Scores (WFNS/Hunt-Hess), neurologische Verlaufskontrollen und Monitoring. Laborchemisch werden Blutbild, Gerinnung, Elektrolyte, Nierenwerte, Troponin, Entzündungsparameter und Blutgase erhoben. Auf der Intensivstation erfolgen häufig transkranielle Dopplersonographie zum Vasospasmus-Screening sowie bei Bedarf Perfusionsbildgebung. Bei nicht nachgewiesener Blutungsquelle kann eine wiederholte angiographische Diagnostik nach Tagen sinnvoll sein.

    Merke: cCT sofort, danach bei gesicherter Blutung Gefäßdarstellung; bei negativem cCT und hohem Verdacht ist die Liquordiagnostik entscheidend.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste Differentialdiagnose der SAB ist jeder andere akute Kopfschmerznotfall. An erster Stelle steht die Meningitis oder Meningoenzephalitis, insbesondere bei Fieber, Photophobie und Meningismus; die Symptomüberlappung kann erheblich sein. Ebenfalls bedeutsam ist die intrazerebrale Blutung, die häufiger fokale Defizite verursacht und im cCT meist klar abgrenzbar ist. Ein ischämischer Schlaganfall kann mit akuten neurologischen Ausfällen einhergehen, verursacht aber typischerweise keinen Vernichtungskopfschmerz.

    Weitere wichtige DD sind die zerebrale Venenthrombose, die zervikale oder intrakranielle Arteriendissektion, die reversible zerebrale Vasokonstriktionssyndrom (RCVS) und der Migränekopfschmerz, insbesondere bei erstmaliger Aura oder atypischer Verlaufsform. Das RCVS ist klinisch besonders relevant, da es ebenfalls mit wiederholten Thunderclap-Kopfschmerzen imponieren kann. Auch Hypophysenapoplex, akuter Winkelblockglaukom, Sinusitis sphenoidalis, hypertensive Krise, spontane intrakranielle Hypotonie sowie Posterior Reversible Encephalopathy Syndrome (PRES) gehören in die differenzialdiagnostische Erwägung.

    Nach unauffälligem cCT darf die SAB nicht vorschnell verworfen werden, wenn die Klinik typisch ist. Umgekehrt kann eine traumatische Lumbalpunktion fälschlich den Eindruck einer SAB erwecken. Klinisch entscheidend ist daher die Einbettung in Anamnese, Zeitverlauf, neurologischen Status, Bildgebung und Liquorbefund.

    Merke: Bei Thunderclap-Kopfschmerz müssen neben SAB insbesondere RCVS, Dissektion, Venenthrombose, Meningitis und intrazerebrale Blutung aktiv ausgeschlossen werden.

    Therapie

    Die Subarachnoidalblutung ist ein Fall für die sofortige Aufnahme auf Stroke Unit oder neurointensivmedizinische Station sowie die frühe Einbindung von Neuroradiologie und Neurochirurgie. Oberstes Ziel ist die schnelle Sicherung der Blutungsquelle, um eine Reblutung zu verhindern. Je nach Aneurysmamorphologie und Lokalisation erfolgt dies endovaskulär mittels Coiling oder neurochirurgisch mittels Clipping. Nach aktuellen Empfehlungen, unter anderem der ESO-Leitlinie und internationalen AHA/ASA-Empfehlungen, sollte die Aneurysmaokklusion möglichst früh, in der Regel innerhalb von 24 Stunden, angestrebt werden.

    Standard der medikamentösen Begleittherapie ist Nimodipin zur Reduktion verzögerter zerebraler Ischämien: üblich sind 60 mg oral oder über Sonde alle 4 Stunden für 21 Tage; bei Hypotonie kann dosisreduziert werden. Eine prophylaktische Hypervolämie wird heute nicht empfohlen. Stattdessen zielt die Intensivtherapie auf Euvolämie, normoxische Oxygenierung, Fieberkontrolle, Analgesie, Antiemese und engmaschige neurologische Überwachung. Der Blutdruck wird individuell gesteuert: vor Aneurysmaverschluss eher Vermeidung ausgeprägter Hypertonie, danach orientiert an Perfusion und Vasospasmuslage. Bei akutem Hydrozephalus ist eine externe Ventrikeldrainage indiziert.

    Bei symptomatischer verzögerter zerebraler Ischämie werden hämodynamische Optimierung und ggf. endovaskuläre Verfahren wie intraarterielle Vasodilatatoren oder Ballonangioplastie erwogen. Antikonvulsiva sind nicht generell erforderlich, aber bei Anfällen indiziert, z. B. Levetiracetam 500–1.500 mg 2-mal täglich. Venöse Thromboembolieprophylaxe, Glukosekontrolle und Behandlung von Hyponatriämie sind obligat.

    Für den deutschen Versorgungskontext sind die AWMF-S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der SAB sowie Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und neurochirurgischer Fachgesellschaften maßgeblich.

    Merke: Die drei therapeutischen Säulen sind früher Aneurysmaverschluss, Nimodipin und neurointensivmedizinisches Komplikationsmanagement.

    Prognose

    Die Prognose der Subarachnoidalblutung hängt wesentlich von Initialschwere, Alter, Begleiterkrankungen, Blutungsmenge, Reblutung, Hydrozephalus und verzögerter zerebraler Ischämie ab. Klinische Scores wie WFNS oder Hunt und Hess korrelieren eng mit dem Outcome. Trotz moderner Diagnostik und neurointensiver Therapie bleibt die Erkrankung prognostisch ernst: Die Gesamtletalität liegt in vielen Kohorten weiterhin bei etwa 25–40 %, und ein relevanter Anteil verstirbt bereits präklinisch.

    Unter den Überlebenden erreichen viele ein funktionell gutes Outcome, insbesondere bei niedrigen Schweregraden und rascher Aneurysmaversorgung. Dennoch zeigen 30–50 % längerfristige kognitive oder psychosoziale Defizite, auch wenn die grobe Motorik erhalten ist. Häufig sind Aufmerksamkeitsstörungen, Fatigue, Depression, Angststörungen, Schlafprobleme und reduzierte berufliche Belastbarkeit. Gerade jüngere Patienten erleben deshalb trotz formal gutem neurologischem Status eine relevante Einschränkung der Lebensqualität.

    Prognostisch ungünstig sind eine Reblutung, ausgedehnte Blutmengen in der Basalzisternenregion oder den Ventrikeln, verzögerte Hirnischämien, schwere Vasospasmen, prolongierte Beatmung, neurokardiopulmonale Komplikationen und Infektionen. Dagegen ist die perimesenzephale nichtaneurysmatische SAB in der Regel deutlich günstiger und oft mit sehr guter Langzeitprognose verbunden.

    Nach überstandener SAB sind strukturierte Nachsorge, Blutdruckeinstellung, Rauchstopp und je nach Ursache angiographische Kontrollen wichtig. Bei familiärer Belastung und multiplen Aneurysmen ist die Langzeitbetreuung besonders relevant.

    Merke: Auch bei funktionell günstiger Erholung bleiben nach SAB häufig kognitive und psychosoziale Residuen, die aktiv erfasst und behandelt werden sollten.

    Prävention

    Eine spezifische Primärprävention der SAB existiert nicht, wohl aber eine wirksame Risikoreduktion. Die wichtigste präventive Maßnahme ist die konsequente Behandlung der arteriellen Hypertonie. Ebenso zentral ist der Rauchstopp, da Nikotinkonsum sowohl die Entstehung als auch die Ruptur intrakranieller Aneurysmen begünstigt. Sinnvoll sind außerdem moderater Alkoholkonsum, Vermeidung von Kokain und Amphetaminen sowie die Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren.

    Ein generelles Screening der Allgemeinbevölkerung auf intrakranielle Aneurysmen wird nicht empfohlen. Bei Personen mit familiärer Häufung – insbesondere bei zwei oder mehr erstgradig Verwandten mit intrakraniellen Aneurysmen oder SAB – kann jedoch ein risikoadaptiertes Screening mittels MR-Angiographie erwogen werden. Gleiches gilt in ausgewählten Fällen bei ADPKD oder anderen genetischen Syndromen mit erhöhtem Aneurysmarisiko.

    Sekundärpräventiv nach überstandener SAB sind die Sicherung bzw. Nachbehandlung aller relevanten Aneurysmen, Blutdruckoptimierung, Nikotinkarenz und strukturierte Nachkontrollen entscheidend. Die Aufklärung über Warnsymptome wie neu auftretende Thunderclap-Kopfschmerzen ist Teil der Prävention weiterer Ereignisse.

    Merke: Die effektivsten präventiven Hebel sind Blutdruckkontrolle und Rauchstopp; ein Screening ist nur bei ausgewählten Risikogruppen sinnvoll.

    Komplikationen

    Die wichtigsten Komplikationen der Subarachnoidalblutung treten früh und oft lebensbedrohlich auf. An erster Stelle steht die Reblutung, deren Risiko vor allem in den ersten 24–72 Stunden am höchsten ist und die mit einer sehr hohen Mortalität verbunden ist. Ebenfalls häufig ist ein akuter Hydrozephalus durch Behinderung der Liquorzirkulation; klinisch zeigt er sich mit Vigilanzminderung, Kopfschmerz, Erbrechen und Pupillenauffälligkeiten und erfordert oft eine externe Ventrikeldrainage.

    Besonders prognoserelevant ist die verzögerte zerebrale Ischämie (DCI), typischerweise zwischen dem 3. und 14. Tag nach Blutung. Ihr liegen Vasospasmen, Mikrozirkulationsstörungen und neuroinflammatorische Prozesse zugrunde. Klinisch resultieren neu aufgetretene Defizite oder Bewusstseinsverschlechterung, radiologisch ggf. Hirninfarkte. Hinzu kommen epileptische Anfälle, intrakranielle Drucksteigerung, Hirnödem und in schweren Fällen Herniation.

    Systemische Komplikationen sind häufig und dürfen nicht unterschätzt werden. Dazu zählen Hyponatriämie, kardiale Rhythmusstörungen, EKG-Veränderungen, Takotsubo-ähnliche Kardiomyopathie, Troponinerhöhung und neurogenes Lungenödem. Auf der Intensivstation kommen Pneumonien, Sepsis, tiefe Venenthrombosen und Delir hinzu. Langfristig entwickeln einige Patienten einen chronischen Hydrozephalus, kognitive Defizite, Depression oder Fatigue.

    Merke: Die akut entscheidenden Komplikationen der SAB sind Reblutung, Hydrozephalus und DCI; systemische Organstörungen sind häufig und prognostisch relevant.

    Häufige Fragen

    Ist eine Subarachnoidalblutung dasselbe wie ein Schlaganfall?

    Sie gehört zu den hämorrhagischen Schlaganfällen, ist aber eine eigene Notfall-Erkrankung mit Blutung in den Liquorraum um das Gehirn. Typisch ist der plötzlich stärkste Kopfschmerz, nicht nur eine Lähmung oder Sprachstörung.

    Kann man eine Subarachnoidalblutung im CT immer sofort sehen?

    Ein frühes CT des Kopfes erkennt die meisten Blutungen sehr zuverlässig, besonders in den ersten Stunden. Wenn der Verdacht trotz unauffälligem CT hoch bleibt, sind weitere Untersuchungen wie Liquorpunktion oder Gefäßdarstellung nötig.

    Wie wird die Ursache behandelt, wenn ein Aneurysma geplatzt ist?

    Das Aneurysma wird möglichst rasch verschlossen, entweder per Katheter von innen (Coiling) oder durch eine Operation (Clipping). Zusätzlich erfolgt eine intensivmedizinische Behandlung, um Komplikationen wie Gefäßverengungen oder Hydrozephalus zu verhindern.

    Quellen

    1. AWMF S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Subarachnoidalblutung (aktuelle Fassung), Deutsche Gesellschaft für Neurologie/Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie
    2. Connolly ES Jr, et al. Guidelines for the Management of Aneurysmal Subarachnoid Hemorrhage. Stroke. 2012;43:1711-1737
    3. van Gijn J, Kerr RS, Rinkel GJE. Subarachnoid haemorrhage. Lancet. 2007;369:306-318
    4. Lawton MT, Vates GE. Subarachnoid Hemorrhage. N Engl J Med. 2017;377:257-266
    5. Rinkel GJE, Algra A. Long-term outcomes of patients with aneurysmal subarachnoid haemorrhage. Lancet Neurol. 2011;10:349-356
    6. Herold G. Innere Medizin. Aktuelle Ausgabe. Kapitel Neurologie/Schlaganfall
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 24. März 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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