Speicheldrüsen — Anatomie, Funktion und klinische Relevanz

Die drei großen Speicheldrüsen (Parotis, Submandibularis, Sublingualis) mit Lage, Ausführungsgang, Innervation und klinischer Bedeutung für die Zahnmedizin.

Anatomie· Dr. Babak Saravi· 11. März 2026 ·9 Min. Lesezeit

Die Speicheldrüsen sind ein zentrales Thema der zahnmedizinischen Anatomie. Drei große paarige Drüsen — Parotis, Submandibularis und Sublingualis — produzieren den Großteil des Speichels und sind sowohl prüfungsrelevant als auch klinisch bedeutsam.

Die drei großen Speicheldrüsen

Drüse Lage Ausführungsgang Mündung Sekretionsart Anteil
Glandula parotidea Vor und unter dem Ohr Ductus parotideus (Stenon-Gang) Papilla parotidea (gegenüber 2. OK-Molar) Rein serös ~25%
Glandula submandibularis Im Trigonum submandibulare Ductus submandibularis (Wharton-Gang) Caruncula sublingualis Seromuköser Mischtyp ~70%
Glandula sublingualis Im Mundboden Ductus sublingualis major (Bartholin-Gang) Caruncula sublingualis und Plica sublingualis Überwiegend mukös ~5%

Merke: Die Submandibularis produziert den meisten Speichel (~70%), nicht die Parotis. Die Parotis ist zwar die größte Drüse, liefert aber nur ~25%.

Glandula parotidea (Ohrspeicheldrüse)

Klinisch entscheidend: Der N. facialis (VII) durchquert die Parotis. Bei Parotis-Operationen ist der N. facialis die wichtigste zu schonende Struktur — eine Schädigung führt zur Fazialisparese.

Ausführungsgang: Ductus parotideus (Stenon-Gang) mündet gegenüber dem 2. Oberkiefer-Molaren.

Innervation (parasympathisch): N. glossopharyngeus (IX) → Ganglion oticum.

Glandula submandibularis

Klinisch entscheidend: Der Wharton-Gang ist der häufigste Ort für Speichelsteine (Sialolithiasis) — aufsteigender Gangverlauf, höherer Kalziumgehalt.

Innervation: N. facialis (VII) → Chorda tympani → Ganglion submandibulare.

Merke: Submandibularis = häufigste Speichelsteine. Wharton-Gang mündet an der Caruncula sublingualis. Innervation über Chorda tympani (N. facialis VII).

Parasympathische Innervation — Prüfungstabelle

Drüse Hirnnerv Ganglion
Parotis N. glossopharyngeus (IX) Ganglion oticum
Submandibularis N. facialis (VII) Ganglion submandibulare
Sublingualis N. facialis (VII) Ganglion submandibulare

Merke: Parotis = IX (Ganglion oticum). Submandibularis + Sublingualis = VII (Ganglion submandibulare). Eselsbrücke: "Die Parotis hat einen eigenen Parasympathikus (Pharyngeus = IX)."

Klinische Relevanz

Sialolithiasis (Speichelsteine)

80% aller Speichelsteine betreffen die Glandula submandibularis. Symptome: Schmerzhafte Schwellung der Drüse beim Essen. Therapie: Gangschlitzung, Sialendoskopie oder Drüsenexstirpation.

Parotistumoren

Häufigster benigner Tumor: pleomorphes Adenom. Bei chirurgischer Entfernung muss der N. facialis geschont werden.

Sjögren-Syndrom

Autoimmunerkrankung mit Mundtrockenheit (Xerostomie) mit erhöhtem Kariesrisiko.

Häufige Prüfungsfragen

Zusammenfassung

Drei große paarige Speicheldrüsen versorgen die Mundhöhle: die Parotis (serös, IX, Ganglion oticum), die Submandibularis (seromuköser Mischtyp, VII, Ganglion submandibulare, 70% der Gesamtsekretion) und die Sublingualis (mukös, VII, Ganglion submandibulare). Klinisch besonders relevant sind die Sialolithiasis der Submandibularis, Parotistumoren mit Fazialisgefährdung und die Mundtrockenheit beim Sjögren-Syndrom.

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