Kiefergelenk — Anatomie, Biomechanik und CMD
Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) mit Aufbau, Discus articularis, Bändern, Bewegungen und kraniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Prüfungswissen für Zahnmedizin.
Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis, ATM) ist das einzige Gelenk des Körpers, bei dem die Bewegungen beider Seiten zwangsläufig gekoppelt sind — man kann nicht eine Seite bewegen, ohne dass die andere mitgeht. Diese Besonderheit, kombiniert mit dem Discus articularis und der komplexen Biomechanik, macht das Kiefergelenk zu einem Lieblingsthema der Prüfer.
Aufbau des Kiefergelenks
Knöcherne Strukturen
Caput mandibulae (Processus condylaris): Der walzenförmige Gelenkkopf am Ramus mandibulae. Die Gelenkfläche ist mit Faserknorpel überzogen (nicht mit hyalinem Knorpel wie bei den meisten anderen Gelenken).
Fossa mandibularis (Fossa articularis): Die Gelenkgrube am Os temporale.
Tuberculum articulare: Der konvexe Höcker anterior der Fossa mandibularis. Bei der Mundöffnung gleitet der Kondylus über das Tuberculum nach vorne.
Merke: Die Gelenkflächen sind mit Faserknorpel (nicht hyalinem Knorpel) überzogen — das ist eine Besonderheit des Kiefergelenks und wird gerne geprüft.
Discus articularis
Der Discus articularis ist eine bikonkave Faserknorpelscheibe, die das Gelenk in zwei getrennte Kammern teilt: den oberen (diskotemporalen) und den unteren (diskomandibulären) Gelenkspalt.
Der Discus ist anterior mit dem M. pterygoideus lateralis (Caput superius) und der Gelenkkapsel verbunden.
Bewegungen des Kiefergelenks
Rotation (Scharnierbewegung)
Findet im unteren Gelenkspalt (diskomandibulär) statt. Diese Rotation macht die initiale Mundöffnung aus (ca. erste 20 mm).
Translation (Gleitbewegung)
Findet im oberen Gelenkspalt (diskotemporal) statt. Der Discus-Kondylus-Komplex gleitet nach anterior-kaudal über das Tuberculum articulare.
Mundöffnung: Kombination aus Rotation (Anfangsphase) und Translation (Endphase). Maximale Öffnung: ca. 40–60 mm.
Merke: Rotation = unterer Gelenkspalt. Translation = oberer Gelenkspalt. Mundöffnung = erst Rotation, dann Translation.
Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Anteriore Diskusverlagerung mit Reposition: Der Discus ist in Ruheposition nach anterior verlagert. Bei Mundöffnung springt der Kondylus zurück unter den Discus → Knacken bei der Mundöffnung.
Anteriore Diskusverlagerung ohne Reposition: Der Discus bleibt permanent anterior verlagert → eingeschränkte Mundöffnung (akute Kiefersperre). Kein Knacken mehr.
Häufige Prüfungsfragen
- "In welchem Gelenkspalt findet die Rotation statt?" → Unterer (diskomandibularer) Gelenkspalt
- "Welcher Muskel setzt am Discus articularis an?" → M. pterygoideus lateralis (Caput superius)
- "Womit sind die Gelenkflächen des Kiefergelenks überzogen?" → Faserknorpel
- "Wie erklärt sich ein Knacken bei Mundöffnung?" → Anteriore Diskusverlagerung mit Reposition
Zusammenfassung
Das Kiefergelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk mit Discus articularis, der es in zwei Kammern teilt. Rotation (unterer Spalt) und Translation (oberer Spalt) ermöglichen die komplexen Kieferbewegungen. Die Gelenkflächen sind mit Faserknorpel überzogen. Der M. pterygoideus lateralis ist über das Caput superius mit dem Discus verbunden — seine Fehlfunktion kann zur Diskusverlagerung führen.
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