Kiefergelenk — Anatomie, Biomechanik und CMD

Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) mit Aufbau, Discus articularis, Bändern, Bewegungen und kraniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Prüfungswissen für Zahnmedizin.

Anatomie· Dr. Babak Saravi· 6. März 2026 ·10 Min. Lesezeit

Das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis, ATM) ist das einzige Gelenk des Körpers, bei dem die Bewegungen beider Seiten zwangsläufig gekoppelt sind — man kann nicht eine Seite bewegen, ohne dass die andere mitgeht. Diese Besonderheit, kombiniert mit dem Discus articularis und der komplexen Biomechanik, macht das Kiefergelenk zu einem Lieblingsthema der Prüfer.

Aufbau des Kiefergelenks

Knöcherne Strukturen

Caput mandibulae (Processus condylaris): Der walzenförmige Gelenkkopf am Ramus mandibulae. Die Gelenkfläche ist mit Faserknorpel überzogen (nicht mit hyalinem Knorpel wie bei den meisten anderen Gelenken).

Fossa mandibularis (Fossa articularis): Die Gelenkgrube am Os temporale.

Tuberculum articulare: Der konvexe Höcker anterior der Fossa mandibularis. Bei der Mundöffnung gleitet der Kondylus über das Tuberculum nach vorne.

Merke: Die Gelenkflächen sind mit Faserknorpel (nicht hyalinem Knorpel) überzogen — das ist eine Besonderheit des Kiefergelenks und wird gerne geprüft.

Discus articularis

Der Discus articularis ist eine bikonkave Faserknorpelscheibe, die das Gelenk in zwei getrennte Kammern teilt: den oberen (diskotemporalen) und den unteren (diskomandibulären) Gelenkspalt.

Der Discus ist anterior mit dem M. pterygoideus lateralis (Caput superius) und der Gelenkkapsel verbunden.

Bewegungen des Kiefergelenks

Rotation (Scharnierbewegung)

Findet im unteren Gelenkspalt (diskomandibulär) statt. Diese Rotation macht die initiale Mundöffnung aus (ca. erste 20 mm).

Translation (Gleitbewegung)

Findet im oberen Gelenkspalt (diskotemporal) statt. Der Discus-Kondylus-Komplex gleitet nach anterior-kaudal über das Tuberculum articulare.

Mundöffnung: Kombination aus Rotation (Anfangsphase) und Translation (Endphase). Maximale Öffnung: ca. 40–60 mm.

Merke: Rotation = unterer Gelenkspalt. Translation = oberer Gelenkspalt. Mundöffnung = erst Rotation, dann Translation.

Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Anteriore Diskusverlagerung mit Reposition: Der Discus ist in Ruheposition nach anterior verlagert. Bei Mundöffnung springt der Kondylus zurück unter den Discus → Knacken bei der Mundöffnung.

Anteriore Diskusverlagerung ohne Reposition: Der Discus bleibt permanent anterior verlagert → eingeschränkte Mundöffnung (akute Kiefersperre). Kein Knacken mehr.

Häufige Prüfungsfragen

Zusammenfassung

Das Kiefergelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk mit Discus articularis, der es in zwei Kammern teilt. Rotation (unterer Spalt) und Translation (oberer Spalt) ermöglichen die komplexen Kieferbewegungen. Die Gelenkflächen sind mit Faserknorpel überzogen. Der M. pterygoideus lateralis ist über das Caput superius mit dem Discus verbunden — seine Fehlfunktion kann zur Diskusverlagerung führen.

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