🧬 Gastroenterologie ICD-10: C16

Magenkarzinom: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Das Magenkarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des Magens, in über 90 % der Fälle ein Adenokarzinom. Klinisch und biologisch werden häufig der.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Das Magenkarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des Magens, in über 90 % der Fälle ein Adenokarzinom. Klinisch und biologisch werden häufig der intestinale und der diffuse Typ nach Lauren unterschieden; prognostisch und therapeutisch relevant ist zudem die Abgrenzung zum Tumor des ösophagogastralen Übergangs. Die Erkrankung wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, da Frühsymptome unspezifisch sind.

    Für die Diagnose ist die Ösophagogastroduodenoskopie mit multiplen Biopsien essenziell, während die Therapie stadienabhängig von der endoskopischen Resektion früher Läsionen bis zur perioperativen Systemtherapie und radikalen Gastrektomie reicht. Molekulare Marker wie HER2, MSI/dMMR, PD-L1 und CLDN18.2 gewinnen für die systemische Therapie zunehmend an Bedeutung.

    Merke: Beim neu aufgetretenen Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, epigastrischen Beschwerden oder Eisenmangelanämie bei älteren Patientinnen und Patienten muss immer an ein Magenkarzinom gedacht und eine zeitnahe Gastroskopie veranlasst werden.

    Epidemiologie

    Das Magenkarzinom gehört weltweit weiterhin zu den häufigsten malignen Erkrankungen und ist eine der führenden krebsbedingten Todesursachen. In Deutschland erkranken pro Jahr ungefähr 14.000 bis 15.000 Menschen neu an Magenkrebs; davon etwa 8.500 Männer und 5.500 bis 6.000 Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt meist zwischen 70 und 75 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Die altersstandardisierte Inzidenz ist in den letzten Jahrzehnten rückläufig, was unter anderem mit verbesserter Lebensmittelkonservierung, sinkender Helicobacter-pylori-Prävalenz und veränderten Ernährungsgewohnheiten erklärt wird.

    Histologisch machen Adenokarzinome über 90 % aller malignen Magentumoren aus. Deutlich seltener sind MALT-Lymphome, GIST, neuroendokrine Neoplasien oder sekundäre Metastasen im Magen. Tumoren des proximalen Magens und des ösophagogastralen Übergangs haben in westlichen Ländern relativ an Bedeutung gewonnen, während distale Antrumkarzinome tendenziell abgenommen haben.

    Die Prognose hängt stark vom Stadium bei Diagnosestellung ab. Während frühe, auf die Mukosa begrenzte Karzinome bei adäquater Therapie eine sehr gute Langzeitprognose aufweisen können, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate insgesamt in westlichen Populationen nur bei etwa 30 bis 35 %. In Ländern mit Screeningprogrammen wie Japan oder Südkorea werden deutlich mehr Frühkarzinome erkannt, sodass die Überlebensraten dort wesentlich günstiger sind.

    Merke: Die Epidemiologie des Magenkarzinoms ist regional sehr unterschiedlich; hohe Inzidenzen finden sich insbesondere in Ostasien, Teilen Osteuropas und Südamerikas.

    Ätiologie

    Die Entstehung des Magenkarzinoms ist multifaktoriell. Der wichtigste modifizierbare Risikofaktor ist die chronische Infektion mit Helicobacter pylori, insbesondere beim intestinalen Typ nach Lauren. H. pylori erhöht das Karzinomrisiko je nach Kollektiv etwa um das 2- bis 6-Fache. Der Erreger fördert die Entwicklung einer chronisch-aktiven Gastritis, die über atrophische Gastritis, intestinale Metaplasie und Dysplasie zum Karzinom fortschreiten kann. Auch eine Autoimmungastritis mit korpusbetonter Atrophie und perniziöser Anämie ist ein relevanter Präkanzerosezustand.

    Zu den ernährungs- und lebensstilassoziierten Risikofaktoren gehören Rauchen, hoher Konsum von stark gesalzenen, geräucherten oder nitrosaminhaltigen Lebensmitteln sowie Adipositas, insbesondere bei proximalen Tumoren. Ein niedriger Verzehr von frischem Obst und Gemüse wird ebenfalls als ungünstig angesehen. Nach partieller Magenresektion kann im Langzeitverlauf ein Stumpfkarzinom auftreten, typischerweise viele Jahre nach der Operation.

    Genetische Faktoren spielen insbesondere beim diffusen Typ eine Rolle. Das hereditäre diffuse Magenkarzinom ist oft mit pathogenen Varianten in CDH1 assoziiert. Weitere Risikokonstellationen bestehen bei Lynch-Syndrom, FAP, Peutz-Jeghers-Syndrom und seltener anderen Tumorprädispositionssyndromen. Auch eine positive Familienanamnese erhöht das Erkrankungsrisiko.

    Infektiöse Kofaktoren wie EBV sind bei einem kleineren Subtyp von Magenkarzinomen relevant. Präkanzerosen sind insbesondere intraepitheliale Neoplasien, ausgeprägte intestinale Metaplasie und dysplastische Adenome.

    Merke: Die wichtigste vermeidbare Ursache des nicht-kardianahen Magenkarzinoms ist Helicobacter pylori; seine Eradikation senkt das spätere Karzinomrisiko.

    Pathogenese

    Pathogenetisch werden mehrere Entstehungswege unterschieden. Für den intestinalen Typ ist die sogenannte Correa-Kaskade zentral: Auf eine chronische H.-pylori-assoziierte Gastritis folgen atrophische Gastritis, intestinale Metaplasie, Dysplasie und schließlich das invasive Adenokarzinom. In diesem Verlauf akkumulieren genetische und epigenetische Veränderungen, unter anderem in Onkogenen, Tumorsuppressorgenen und Signalwegen der Zelladhäsion, Entzündungsregulation und Proliferation. Diese Tumoren bilden häufiger drüsenartige Strukturen und treten öfter bei älteren Patienten auf.

    Der diffuse Typ nach Lauren zeigt dagegen meist kein klares Vorläuferstadium über die intestinale Metaplasie. Charakteristisch ist eine gestörte Zelladhäsion, insbesondere bei Veränderungen von E-Cadherin durch CDH1-Mutationen oder -Dysregulation. Histologisch finden sich oft Siegelringzellen mit diffuser Infiltration der Magenwand. Klinisch kann dies zur starren, verdickten Magenwand mit dem Bild einer Linitis plastica führen. Dieser Typ tritt häufiger bei jüngeren Patienten auf und ist oft prognostisch ungünstiger.

    Molekular lassen sich nach TCGA mehrere Subgruppen beschreiben, darunter EBV-positive Tumoren, MSI-high-Tumoren, chromosomal instabile Tumoren und genomisch stabile Tumoren. Diese Einteilung gewinnt therapeutisch an Bedeutung, weil sie Zielstrukturen wie HER2, PD-L1, FGFR2b oder CLDN18.2 adressierbar machen kann. Die Metastasierung erfolgt früh lymphogen in perigastrische und zöliakale Lymphknoten, hämatogen bevorzugt in die Leber, transkoelomisch ins Peritoneum und seltener ovarial als Krukenberg-Tumor.

    Merke: Das Magenkarzinom ist keine einheitliche Erkrankung, sondern umfasst biologisch verschiedene Tumorentitäten mit unterschiedlicher Entstehung, Metastasierung und Therapiesensitivität.

    Symptome

    Die Symptomatik des Magenkarzinoms ist im Frühstadium oft unspezifisch, weshalb die Diagnose nicht selten verzögert gestellt wird. Häufig berichten Betroffene über epigastrische Beschwerden, Druck- oder Völlegefühl, eine neu aufgetretene Nahrungsunverträglichkeit, Appetitlosigkeit oder einen unklaren Leistungsabfall. Besonders verdächtig sind ungewollter Gewichtsverlust, rasche Sättigung und eine neu auftretende Eisenmangelanämie. Dyspeptische Beschwerden allein sind zwar häufig funktionell bedingt, bei Risikokonstellationen oder höherem Alter muss jedoch eine endoskopische Abklärung erfolgen.

    Im weiteren Verlauf treten Übelkeit, Erbrechen, postprandiale Schmerzen, okkulte oder manifeste Blutungen sowie Symptome einer Magenausgangsstenose auf. Bei proximaler Tumorlokalisation oder Beteiligung des ösophagogastralen Übergangs kann Dysphagie im Vordergrund stehen. Bei diffuser Infiltration der Magenwand entwickelt sich manchmal früh ein Sättigungsgefühl trotz kleiner Mahlzeiten. Klinisch auffällig können außerdem Meläna, Blässe, Fatigue und ein reduzierter Ernährungszustand sein.

    Fortgeschrittene Stadien machen sich durch Aszites, tastbare Tumormasse, Ikterus bei Lebermetastasierung oder Lymphknotenmanifestationen bemerkbar. Klassische, heute seltenere Tumorzeichen sind der Virchow-Lymphknoten links supraklavikulär, der Sister-Mary-Joseph-Knoten periumbilikal oder der Blumer-Shelf bei peritonealer Aussaat. Bei Frauen kann ein Krukenberg-Tumor Ausdruck einer Ovarmetastasierung sein.

    Leitsymptome sind daher nicht pathognomonisch, aber in Kombination richtungsweisend: Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, epigastrische Beschwerden, Anämie und frühe Sättigung. Alarmzeichen sind vor allem Dysphagie, persistierendes Erbrechen, GI-Blutung und B-Symptomatik.

    Merke: Ein Magenkarzinom verursacht oft lange keine typischen Beschwerden; gerade die Kombination aus Dyspepsie plus Alarmzeichen ist endoskopiepflichtig.

    Diagnostik

    Die Diagnostik beginnt mit Anamnese und klinischer Untersuchung, entscheidend ist jedoch die Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) mit multiplen Biopsien aus suspekten Läsionen. Sie ist der diagnostische Standard zur Sicherung der Histologie. Bei makroskopisch suspekten Befunden sollten mehrere Proben aus dem Tumor und ggf. aus angrenzender Schleimhaut entnommen werden. Histologisch werden Typ, Differenzierungsgrad und bei Bedarf immunhistochemische Marker bestimmt.

    Nach gesicherter Diagnose folgt das Staging. Die Endosonographie (EUS) ist besonders wertvoll zur lokalen T- und N-Kategorisierung bei potenziell resektablen Tumoren und zur Beurteilung, ob eine endoskopische Resektion bei Frühkarzinomen infrage kommt. Standard für das Fernmetastasen-Staging ist die CT von Thorax und Abdomen/Becken mit Kontrastmittel. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren, insbesondere cT3/cT4 oder suspekter Peritonealkarzinose, wird häufig eine diagnostische Laparoskopie empfohlen, da kleine peritoneale Metastasen in der CT leicht übersehen werden. In ausgewählten Fällen kann eine PET/CT hilfreich sein, ist aber kein genereller Goldstandard.

    Im Labor finden sich oft unspezifische Veränderungen wie Eisenmangelanämie, Entzündungszeichen, Hypalbuminämie oder Leberwerterhöhungen bei Metastasen. Tumormarker wie CEA oder CA 19-9 sind für die Primärdiagnose nicht ausreichend sensitiv oder spezifisch, können aber im Verlauf ergänzend genutzt werden. Vor systemischer Therapie ist die molekularpathologische Testung relevant: HER2, MSI/dMMR, PD-L1 sowie je nach Verfügbarkeit CLDN18.2 und weitere Marker.

    Für die Stadieneinteilung wird die TNM-Klassifikation verwendet. Die endgültige Therapieplanung erfolgt interdisziplinär im Tumorboard.

    Merke: Die Histologiesicherung per Gastroskopie ist unverzichtbar; für die Therapiestrategie sind anschließend EUS, CT-Staging und oft Laparoskopie entscheidend.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste differentialdiagnostische Überlegung bei unspezifischen Oberbauchbeschwerden ist, dass nicht jede Dyspepsie ein Magenkarzinom bedeutet, aber ein Magenkarzinom hinter banalen Symptomen verborgen sein kann. Häufige Differenzialdiagnosen sind die funktionelle Dyspepsie, die chronische Gastritis einschließlich H.-pylori-assoziierter Gastritis sowie das Ulcus ventriculi. Gerade ein malignitätsverdächtiges Magenulkus muss immer histologisch abgeklärt werden, da endoskopisch eine sichere Unterscheidung nicht zuverlässig möglich ist.

    Bei postprandialen Schmerzen, Übelkeit und Gewichtsverlust kommen auch Pankreaskarzinom, chronische Pankreatitis, Gallenwegserkrankungen und Ösophaguskarzinom in Betracht. Eine Achalasie oder peptische Striktur kann Dysphagie verursachen und bei proximalen Magenkarzinomen differentialdiagnostisch relevant werden. Bei gastrointestinaler Blutung und Anämie müssen außerdem Kolonkarzinom, Angiodysplasien und andere Blutungsquellen bedacht werden.

    Histologisch und bildmorphologisch sind maligne Magentumoren voneinander abzugrenzen. Dazu gehören das primäre gastrale Lymphom – insbesondere das MALT-Lymphom –, der gastrointestinale Stromatumor (GIST), neuroendokrine Tumoren und selten Metastasen anderer Primärtumoren, zum Beispiel des Mammakarzinoms oder Melanoms. Eine diffuse Magenwandverdickung mit Linitis-plastica-Bild kann auch durch ein Lymphom oder metastatische Infiltration verursacht sein.

    Klinisch bedeutsam ist ferner die Abgrenzung zwischen Tumoren des Magens und Adenokarzinomen des ösophagogastralen Übergangs, da Staging und Therapiekonzepte teilweise unterschiedlich sind. Bei Aszites und Peritonealknoten sind auch Ovarialkarzinom, Kolonkarzinom und peritoneale Metastasierung anderer Primärtumoren zu erwägen.

    Merke: Das Magenulkus ist eine zentrale Differenzialdiagnose – und zugleich eine potenzielle Erscheinungsform eines Magenkarzinoms; daher gilt: Biopsieren statt spekulieren.

    Therapie

    Die Therapie des Magenkarzinoms ist strikt stadienabhängig und sollte gemäß aktuellen S3-Leitlinien interdisziplinär erfolgen. Bei frühen, auf Mukosa/Submukosa begrenzten Läsionen mit günstigem Risikoprofil kann eine endoskopische En-bloc-Resektion mittels ESD oder in ausgewählten Fällen EMR kurativ sein. Für die Mehrzahl resektabler Tumoren ist jedoch die chirurgische Therapie zentral. Je nach Lokalisation erfolgen subtotale distale Resektion oder totale Gastrektomie mit systematischer D2-Lymphadenektomie. Ziel ist die R0-Resektion. Bei cT2 oder höher bzw. nodal positiven, resektablen Tumoren wird in Europa meist eine perioperative Chemotherapie empfohlen.

    Leitliniengerecht wird häufig das FLOT-Schema eingesetzt: Docetaxel 50 mg/m², Oxaliplatin 85 mg/m², Leucovorin 200 mg/m² und 5-FU 2.600 mg/m² als 24-h-Infusion, jeweils Tag 1, Wiederholung alle 2 Wochen. Typisch sind 4 Zyklen präoperativ und 4 postoperativ, sofern verträglich. Bei nicht FLOT-geeigneten Patientinnen und Patienten kommen platin- und fluoropyrimidinbasierte Alternativen infrage. Bei sehr frühen pT1a-Tumoren nach kompletter endoskopischer Resektion ist keine systemische Therapie nötig.

    In der metastasierten oder nicht resektablen Situation richtet sich die Erstlinientherapie nach Performance-Status und Biomarkern. Kombinationen aus Fluoropyrimidin plus Platin sind Standard, z. B. FOLFOX oder CAPOX. Bei HER2-positiven Tumoren wird Trastuzumab zusätzlich gegeben. Bei geeigneter Biomarker-Konstellation kommen heute Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Nivolumab oder Pembrolizumab in Kombination mit Chemotherapie zum Einsatz, insbesondere bei höherer PD-L1-CPS oder MSI-high/dMMR. Für CLDN18.2-positive Tumoren kann Zolbetuximab in Kombination mit Chemotherapie relevant sein. In späteren Linien sind je nach Situation Paclitaxel plus Ramucirumab, Irinotecan, Trifluridin/Tipiracil oder biomarkergeleitete Therapien möglich.

    Supportiv sind Ernährungsmedizin, Antiemese, Schmerztherapie, Behandlung der Tumoranämie und ggf. palliative endoskopische Maßnahmen wie Stent oder Gastrojejunostomie bei Stenose essenziell.

    Merke: Resektable, lokal fortgeschrittene Magenkarzinome werden heute meist mit perioperativer Chemotherapie plus onkologischer Resektion behandelt; in der metastasierten Situation bestimmen Biomarker zunehmend die Therapie.

    Prognose

    Die Prognose des Magenkarzinoms hängt maßgeblich vom Tumorstadium, vom Resektionsstatus, von der Lymphknotenbeteiligung, vom histologischen Subtyp und vom Allgemeinzustand der Betroffenen ab. Entscheidend günstig ist eine frühe Diagnosestellung: Beim auf die Mukosa begrenzten Frühkarzinom können nach kurativer Therapie 5-Jahres-Überlebensraten von deutlich über 80 bis 90 % erreicht werden. Demgegenüber ist die Prognose bei fortgeschrittenen, insbesondere metastasierten Stadien deutlich eingeschränkt. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate in westlichen Ländern bei etwa 30 bis 35 %, variiert jedoch je nach Register und Patientenpopulation.

    Ein wesentlicher prognostischer Faktor ist die Möglichkeit einer R0-Resektion. Persistierende mikroskopische oder makroskopische Tumorreste verschlechtern die Langzeitprognose deutlich. Auch die Anzahl befallener Lymphknoten korreliert eng mit dem Rückfallrisiko. Diffuse Karzinome, insbesondere mit Linitis plastica, zeigen häufig eine ungünstigere Biologie. Günstigere Teilgruppen können sich bei MSI-high-Tumoren oder bestimmten zielgerichtet behandelbaren Konstellationen ergeben.

    Nach multimodaler Therapie sind Rezidive weiterhin häufig, besonders in den ersten 2 bis 3 Jahren. Sie treten lokal, lymphogen, hepatisch oder peritoneal auf. Deshalb sind strukturierte Nachsorge, klinische Verlaufskontrolle und konsequente Behandlung therapiebedingter Langzeitfolgen wichtig. Nach totaler Gastrektomie beeinflussen Ernährung, Gewichtsverlauf, Vitamin-B12-Substitution, Eisenstatus und Lebensqualität die Langzeitprognose ebenfalls relevant.

    Mit modernen Systemtherapien hat sich das Überleben in der metastasierten Situation verbessert, bleibt aber begrenzt. Das mediane Gesamtüberleben liegt je nach Biomarkerprofil und Therapieansprechen häufig im Bereich von ungefähr 10 bis 16 Monaten, in selektierten Gruppen auch darüber.

    Merke: Die beste Prognoseverbesserung beim Magenkarzinom wird durch frühe Erkennung und eine konsequent kurative, stadiengerechte Therapie erreicht.

    Prävention

    Eine spezifische bevölkerungsweite Primärprävention wie ein allgemeines Screening existiert in Deutschland nicht, dennoch gibt es wirksame präventive Maßnahmen. Am wichtigsten ist die Erkennung und Eradikation von Helicobacter pylori bei entsprechender Indikation, insbesondere bei atrophischer Gastritis, intestinaler Metaplasie, positiver Familienanamnese oder nach endoskopischer Resektion einer Neoplasie. Die Eradikation senkt das Risiko für die Entstehung eines nicht-kardianahen Magenkarzinoms nachweislich, auch wenn das Restrisiko bei fortgeschrittenen Präkanzerosen bestehen bleibt.

    Zusätzlich werden Rauchstopp, moderater Alkoholkonsum, eine ausgewogene Ernährung mit reichlich frischem Obst und Gemüse sowie die Reduktion stark gesalzener und geräucherter Speisen empfohlen. Für Personen mit Autoimmungastritis, ausgeprägter Atrophie oder intestinaler Metaplasie sind je nach Risikoprofil endoskopische Surveillance-Strategien sinnvoll. Bei Verdacht auf ein hereditäres diffuses Magenkarzinom sollte humangenetische Beratung erfolgen; bei nachgewiesener CDH1-Mutation kann in spezialisierten Zentren eine prophylaktische Gastrektomie Thema sein.

    Sekundärpräventiv ist die rasche Abklärung von Alarmzeichen wie Gewichtsverlust, Dysphagie, Erbrechen, Anämie oder gastrointestinaler Blutung entscheidend.

    Merke: Die wichtigste präventive Einzelmaßnahme beim nicht-kardianahen Magenkarzinom ist die konsequente Diagnostik und Eradikation von H. pylori.

    Komplikationen

    Das Magenkarzinom kann durch lokales Wachstum, Blutung, Malnutrition und Metastasierung eine Vielzahl schwerwiegender Komplikationen verursachen. Häufig ist eine chronische okkulte Blutung mit Eisenmangelanämie, seltener treten akute obere GI-Blutungen mit Hämatemesis oder Meläna auf. Bei stenosierendem Wachstum im Antrum entwickelt sich eine Magenausgangsstenose mit postprandialem Erbrechen, Exsikkose und Elektrolytstörungen. Proximale Tumoren können eine Dysphagie und Aspiration begünstigen. Durch Infiltration benachbarter Organe sind Fisteln, Pankreasbeteiligung oder Tumorschmerz möglich.

    Ein zentrales Problem ist die Mangelernährung. Schon vor Diagnosestellung sind viele Betroffene deutlich gewichtsreduziert; unter Therapie verschärfen Appetitverlust, Übelkeit und Resorptionsstörungen die Situation. Nach Gastrektomie drohen Dumping-Syndrom, Steatorrhö, Gewichtsverlust sowie Mangel an Vitamin B12, Eisen, Folat, Kalzium und fettlöslichen Vitaminen. Ohne strukturierte Nachsorge kann dies zu Anämie, Neuropathie und Osteopathie führen.

    Onkologisch relevant sind Lymphknotenmetastasen, Lebermetastasen, Peritonealkarzinose, Aszites und selten Ovarmetastasen im Sinne eines Krukenberg-Tumors. Eine peritoneale Aussaat ist prognostisch besonders ungünstig und kann Ileus, Schmerzen und therapieresistenten Aszites verursachen. Auch thromboembolische Ereignisse kommen bei Tumorpatienten gehäuft vor.

    Therapiebedingt können postoperative Anastomoseninsuffizienz, Infektionen, Delayed Gastric Emptying, Chemotherapie-induzierte Myelosuppression, Neuropathie durch Oxaliplatin oder mukosale Toxizität auftreten. Unter Immuntherapien sind immunvermittelte Nebenwirkungen wie Kolitis, Hepatitis oder Endokrinopathien zu beachten.

    Merke: Beim Magenkarzinom sind nicht nur Tumorprogression, sondern auch Ernährungsdefizite und therapieassoziierte Komplikationen prognostisch hochrelevant.

    Häufige Fragen

    Ist Magenkrebs heilbar?

    Ja, vor allem wenn der Tumor früh erkannt und vollständig entfernt werden kann. Die Heilungschancen sind in frühen Stadien deutlich besser als bei bereits metastasierter Erkrankung.

    Welche Untersuchung ist am wichtigsten bei Verdacht auf Magenkarzinom?

    Die wichtigste Untersuchung ist die Magenspiegelung mit Gewebeproben. Nur die Histologie aus Biopsien kann die Diagnose sicher bestätigen.

    Welche Rolle spielt Helicobacter pylori bei Magenkrebs?

    Eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori erhöht das Risiko für bestimmte Formen des Magenkarzinoms deutlich. Wird der Keim erkannt und behandelt, kann das spätere Krebsrisiko gesenkt werden.

    Quellen

    1. AWMF S3-Leitlinie Magenkarzinom, Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs, aktuelle Fassung.
    2. Smyth EC, Nilsson M, Grabsch HI, van Grieken NCT, Lordick F. Gastric cancer. Lancet. 2020.
    3. Ajani JA, D'Amico TA, Bentrem DJ et al. Gastric Cancer, NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology, aktuelle Version.
    4. Moehler M, et al. ESMO Clinical Practice Guideline for gastric cancer, Ann Oncol, aktuelle Fassung.
    5. Kumar, Abbas, Aster. Robbins & Cotran Pathologic Basis of Disease. Elsevier.
    6. Herold G. Innere Medizin. Aktuelle Ausgabe.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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