🧬 Gastroenterologie ICD-10: C25

Pankreaskarzinom: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Das Pankreaskarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des exokrinen Pankreas; in über 90 % der Fälle handelt es sich um ein duktales.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Das Pankreaskarzinom ist ein maligner epithelialer Tumor des exokrinen Pankreas; in über 90 % der Fälle handelt es sich um ein duktales Adenokarzinom. Es gehört zu den prognostisch ungünstigsten soliden Tumoren, da es häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird und früh lymphogen, perineural und hämatogen metastasiert. Klinisch relevant sind vor allem Tumoren des Pankreaskopfes, die durch einen schmerzlosen Verschlussikterus auffallen können, während Tumoren von Korpus und Cauda oft lange oligosymptomatisch bleiben.

    Die ICD-10-Klassifikation lautet C25 mit Untergruppen je nach Lokalisation im Pankreas. Für die Beurteilung von Operabilität und Therapiestrategie sind Resektabilität, TNM-Stadium, Performance-Status und molekulare Marker zunehmend bedeutsam.

    Merke: Beim neu aufgetretenen schmerzlosen Ikterus, ungeklärtem Gewichtsverlust oder einem neu manifesten Diabetes mellitus im höheren Lebensalter muss immer an ein Pankreaskarzinom gedacht werden.

    Epidemiologie

    Das Pankreaskarzinom zählt weltweit zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen. In Deutschland erkranken nach Daten des Robert Koch-Instituts jährlich ungefähr 19.000 bis 21.000 Menschen neu; Männer und Frauen sind annähernd gleich häufig betroffen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt meist zwischen 70 und 75 Jahren, wobei Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr selten sind und dann an hereditäre Syndrome denken lassen. Die altersstandardisierte Inzidenz liegt grob bei 15–20 pro 100.000 Einwohner pro Jahr, mit steigender Tendenz im höheren Lebensalter.

    Histologisch handelt es sich in mehr als 90 % um ein duktales Adenokarzinom. Etwa 60–70 % der Tumoren sitzen im Pankreaskopf, 20–25 % im Korpus und 5–10 % in der Cauda. Zum Diagnosezeitpunkt sind nur etwa 15–20 % der Patienten primär resektabel; bei rund 30–40 % liegt ein lokal fortgeschrittenes, nicht resektables Stadium vor und bei etwa 50 % bereits eine Fernmetastasierung, häufig in Leber, Peritoneum oder Lunge.

    Die 5-Jahres-Überlebensrate über alle Stadien bleibt trotz therapeutischer Fortschritte niedrig und liegt insgesamt nur bei ungefähr 10–12 %. Nach vollständiger Resektion und adjuvanter Chemotherapie sind jedoch deutlich bessere Ergebnisse möglich. Aufgrund der hohen Mortalität entspricht die Zahl der Todesfälle annähernd der Zahl der Neuerkrankungen.

    Merke: Das Pankreaskarzinom ist zwar seltener als Kolon- oder Mammakarzinom, verursacht aber wegen der späten Diagnosestellung eine überproportional hohe Krebssterblichkeit.

    Ätiologie

    Die Ätiologie des Pankreaskarzinoms ist multifaktoriell; gesicherte und wahrscheinliche Risikofaktoren interagieren über Jahre bis Jahrzehnte. Der wichtigste modifizierbare Risikofaktor ist das Zigarettenrauchen. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein etwa 1,5- bis 2-fach erhöhtes Risiko; Schätzungen zufolge sind 20–25 % der Fälle auf Tabakkonsum zurückzuführen. Ebenfalls relevant sind Adipositas und körperliche Inaktivität, insbesondere bei viszeraler Fettverteilung. Ein Diabetes mellitus Typ 2 ist sowohl Risikofaktor als auch mögliches Frühsymptom; besonders verdächtig ist ein neu aufgetretener Diabetes im höheren Alter ohne offensichtliche Ursache.

    Eine chronische Pankreatitis erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich, bei hereditärer Pankreatitis sogar um ein Vielfaches. Auch hoher Alkoholkonsum spielt vor allem indirekt über die Förderung chronischer Pankreatitiden eine Rolle. Weitere Risikofaktoren sind höheres Lebensalter, männliches Geschlecht in manchen Kollektiven, westlicher Lebensstil sowie möglicherweise eine hohe Exposition gegenüber verarbeiteten Fleischprodukten.

    Bei etwa 5–10 % liegt eine familiäre oder genetische Prädisposition vor. Zu den relevanten Syndromen und Genen zählen BRCA2, BRCA1, PALB2, CDKN2A, STK11 beim Peutz-Jeghers-Syndrom, PRSS1 bei hereditärer Pankreatitis sowie das Lynch-Syndrom. Klinisch wichtig ist dies, weil genetische Befunde therapeutische Konsequenzen haben können, etwa bezüglich Platin-Sensitivität oder PARP-Inhibition.

    Vorläuferläsionen des duktalen Adenokarzinoms sind insbesondere PanIN (pancreatic intraepithelial neoplasia), IPMN und MCN. Nicht jede zystische Läsion ist prämaligne, doch einige entwickeln sich über Jahre zum invasiven Karzinom.

    Merke: Rauchen, chronische Pankreatitis und genetische Prädisposition sind die wichtigsten Risikokonstellationen; bei familiärer Belastung sollte gezielt nach Hochrisikokonstellationen gefragt werden.

    Pathogenese

    Pathogenetisch entsteht das klassische Pankreaskarzinom meist über eine schrittweise maligne Transformation duktaler Epithelien aus Vorläuferläsionen wie PanIN, IPMN oder MCN. Früh finden sich aktivierende Mutationen in KRAS bei über 90 % der duktalen Adenokarzinome. Im weiteren Verlauf kommen Inaktivierungen von Tumorsuppressorgenen wie CDKN2A, TP53 und SMAD4 hinzu. Diese genetischen Veränderungen führen zu unkontrollierter Proliferation, verminderter Apoptose, genomischer Instabilität und zunehmender Invasivität.

    Charakteristisch ist ein ausgeprägtes desmoplastisches Stroma, das aus Fibroblasten, extrazellulärer Matrix, Immunzellen und Gefäßstrukturen besteht. Dieses Tumormikromilieu erschwert die Medikamentenpenetration, fördert Hypoxie und unterstützt die Immunevasion. Zusätzlich zeigen Pankreaskarzinome eine ausgeprägte perineurale Invasion, was die häufigen Rückenschmerzen erklärt, sowie eine frühe lymphogene und hämatogene Dissemination. Metastasen treten bevorzugt in regionären Lymphknoten, Leber, Peritoneum und Lunge auf.

    Tumoren im Pankreaskopf verursachen oft früh eine extrahepatische Cholestase durch Kompression oder Infiltration des Ductus choledochus. Korpus- und Caudatumoren bleiben dagegen länger klinisch stumm und werden deshalb oft erst bei lokaler Gefäßinfiltration oder Fernmetastasierung entdeckt. Paraneoplastische Phänomene wie Thrombophlebitiden im Sinne des Trousseau-Syndroms können Ausdruck der prothrombotischen Tumorbiologie sein.

    Molekular wird das Pankreaskarzinom zunehmend differenzierter betrachtet. Klinisch relevant sind insbesondere Defekte der homologen Rekombinationsreparatur, etwa bei BRCA1/2 oder PALB2, da sie therapeutisch adressierbar sein können. Dennoch bleibt das duktale Adenokarzinom insgesamt ein biologisch aggressiver Tumor mit hoher Frühmetastasierungstendenz.

    Merke: Das Pankreaskarzinom ist keine reine Raumforderung, sondern eine systemische Erkrankung mit früher Mikrometastasierung und ausgeprägtem tumorförderndem Stroma.

    Symptome

    Die Symptomatik des Pankreaskarzinoms ist anfangs oft unspezifisch, weshalb die Diagnose häufig verzögert gestellt wird. Zu den typischen Leitsymptomen gehören ungewollter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Oberbauch- oder Rückenschmerzen und eine deutliche Leistungsminderung. Schmerzen werden oft als bohrend, in den Rücken ausstrahlend beschrieben und können nachts oder im Liegen zunehmen. Gerade Tumoren von Korpus und Cauda manifestieren sich häufig erst über solche uncharakteristischen Beschwerden.

    Ein Tumor im Pankreaskopf kann durch Einengung des distalen Ductus choledochus zu einem schmerzlosen Ikterus führen. Begleitend treten dunkler Urin, heller Stuhl, Pruritus und laborchemische Cholestasezeichen auf. Manche Patienten berichten über Völlegefühl, Übelkeit oder Erbrechen bei begleitender Duodenalstenose. Eine neu auftretende Glukosestoffwechselstörung oder ein neu diagnostizierter Diabetes mellitus innerhalb der letzten 1–3 Jahre kann ein Warnsignal sein.

    Weitere mögliche Symptome sind Steatorrhö, Diarrhö und Mangelernährung bei exokriner Pankreasinsuffizienz, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien. Bei metastasierter Erkrankung kommen Zeichen der Lebermetastasierung wie Hepatomegalie, Aszites oder Kachexie hinzu. Klinisch bedeutsam sind außerdem thromboembolische Ereignisse; rezidivierende Thrombosen ohne klare Ursache können paraneoplastisch sein.

    In der körperlichen Untersuchung finden sich je nach Stadium Ikterus, reduzierte Ernährungszustände, epigastrischer Druckschmerz oder eine tastbar vergrößerte Gallenblase bei schmerzlosem Ikterus (Courvoisier-Zeichen). Fieber oder akute Schmerzen sprechen eher für Komplikationen wie Cholangitis oder Pankreatitis.

    Merke: Ein neu auftretender Diabetes, Rückenschmerz und Gewichtsverlust bei älteren Patienten ist eine klinisch wichtige Kombination, die an ein Pankreaskarzinom denken lässt.

    Diagnostik

    Die Diagnostik des Pankreaskarzinoms verfolgt drei Ziele: Tumornachweis, Stadieneinteilung/Resektabilität und histologische Sicherung vor Beginn einer nicht primär operativen Therapie. Bei Verdacht erfolgt zunächst die Anamnese mit Fokus auf Gewichtsverlust, Schmerzcharakter, Ikterus, Diabetes, Nikotinabusus und familiäre Belastung. Laborchemisch sind Bilirubin, AP, GGT, AST/ALT, Lipase, Blutbild, Gerinnung und Nierenfunktion relevant. Der Tumormarker CA 19-9 ist für das Screening ungeeignet, kann aber zur Verlaufskontrolle hilfreich sein; erhöhte Werte sind auch bei Cholestase möglich.

    Bildgebend ist die kontrastmittelverstärkte Pankreas-CT mit Mehrphasenprotokoll der zentrale Standard zur Primärdiagnostik und Resektabilitätsbeurteilung. Sie erlaubt die Einschätzung von Tumorgröße, Gefäßkontakt, Lymphknotenbefall und Fernmetastasen. Ergänzend ist die MRT/MRCP besonders bei unklaren Befunden, kleinen Läsionen oder Gallengangspathologien nützlich. Die Endosonographie (EUS) besitzt eine hohe Sensitivität, vor allem für kleine Tumoren <2 cm, und ermöglicht die Feinnadelaspiration/-biopsie zur histologischen Sicherung.

    Bei cholestatischem Ikterus kommt die ERCP primär therapeutisch zum Einsatz, etwa zur Stenteinlage; als rein diagnostische Methode ist sie gegenüber nichtinvasiver Bildgebung nachrangig. Für die Fernmetastasensuche können je nach Situation CT Thorax, diagnostische Laparoskopie und in ausgewählten Fällen PET-CT sinnvoll sein. Die Resektabilität wird anhand des Gefäßkontakts zu Truncus coeliacus, A. mesenterica superior, V. portae und V. mesenterica superior beurteilt.

    Der histologische Goldstandard ist die Gewebegewinnung mittels EUS-gestützter Punktion oder aus Metastasen. Bei eindeutig resektablem Tumor kann nach Leitlinie in geeigneten Fällen auch ohne präoperative Biopsie primär operiert werden, sofern Bildgebung und Klinik konsistent sind.

    Merke: Wichtigstes Staging-Verfahren ist die Mehrphasen-CT des Pankreas; die EUS mit Biopsie liefert meist die histologische Sicherung.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste Differentialdiagnose bei einer pankreatischen Raumforderung ist die chronische Pankreatitis, insbesondere die fokale oder autoimmune Pankreatitis. Beide können ein Pankreaskarzinom klinisch und radiologisch imitieren. Für die autoimmune Pankreatitis sprechen erhöhte IgG4-Werte, andere Organmanifestationen und ein typisches Bild in der Bildgebung; dennoch ist die Abgrenzung oft schwierig und erfordert interdisziplinäre Beurteilung.

    Bei schmerzlosem Ikterus müssen weitere Ursachen einer distalen Gallengangsobstruktion bedacht werden, insbesondere das distale Cholangiokarzinom, das Papillenkarzinom und benigne Strikturen. Zystische Läsionen des Pankreas wie seröse Zystadenome, muzinöse zystische Neoplasien (MCN), IPMN oder Pseudozysten nach Pankreatitis können je nach Morphologie diagnostische Probleme bereiten. Hier helfen MRT/MRCP und EUS mit Zystenbeurteilung.

    Abzugrenzen sind außerdem neuroendokrine Tumoren des Pankreas (pNET), die oft hypervaskularisiert sind und klinisch teils hormonelle Syndrome verursachen. Im Gegensatz zum duktalen Adenokarzinom haben sie häufig eine andere Biologie und Prognose. Selten kommen Metastasen anderer Primärtumoren im Pankreas vor, etwa von Nierenzellkarzinomen.

    Bei Oberbauchschmerzen und Gewichtsverlust sollten zudem Magenkarzinom, Kolonkarzinom, hepatozelluläres Karzinom, mesenteriale Ischämie, Ulkuskrankheit sowie funktionelle Beschwerden bedacht werden. Ein neu manifester Diabetes mellitus ohne Raumforderung ist häufig metabolisch bedingt, kann aber als Warnsignal für ein okkultes Pankreaskarzinom fungieren.

    Merke: Die klinisch wichtigste DD einer pankreatischen Raumforderung ist die chronische bzw. autoimmune Pankreatitis; eine Fehldeutung kann therapeutisch erhebliche Konsequenzen haben.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Resektabilität, TNM-Stadium, Allgemeinzustand (ECOG), Komorbiditäten und molekularem Profil. Grundlage sind aktuelle Empfehlungen der S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom sowie internationaler Leitlinien von ESMO und NCCN. Die einzige potenziell kurative Option ist die R0-Resektion. Bei Tumoren des Pankreaskopfes erfolgt meist die partielle Duodenopankreatektomie nach Kausch-Whipple oder pyloruserhaltend, bei Korpus-/Caudatumoren die distale Pankreatektomie, ggf. mit Splenektomie. Postoperativ ist in der Regel eine adjuvante Chemotherapie indiziert.

    Für resektable Patienten mit gutem Performance-Status ist adjuvant heute häufig modifiziertes FOLFIRINOX Standard. Typische Schemata umfassen Oxaliplatin, Irinotecan, Leucovorin und 5-FU in Zyklen alle 2 Wochen; die genaue Dosierung erfolgt nach onkologischem Protokoll. Wenn FOLFIRINOX nicht geeignet ist, kommen Gemcitabin-basierte Regime infrage, z. B. Gemcitabin 1000 mg/m² an den Tagen 1, 8 und 15 alle 28 Tage oder Gemcitabin + Capecitabin. Bei borderline resektablen oder lokal fortgeschrittenen Tumoren wird häufig eine neoadjuvante bzw. konversionsorientierte Chemotherapie erwogen, oft mit FOLFIRINOX oder Gemcitabin/Nab-Paclitaxel.

    Beim metastasierten Pankreaskarzinom sind FOLFIRINOX oder Gemcitabin + Nab-Paclitaxel etablierte Erstlinienoptionen bei fitten Patienten. Bei eingeschränktem Zustand kann eine Monotherapie mit Gemcitabin sinnvoll sein. Nach platinhaltiger Erstlinie und germline BRCA1/2-Mutation kommt eine Erhaltung mit Olaparib 300 mg 2-mal täglich infrage. Ein routinemäßiges kuratives Bestrahlungskonzept besteht nicht, Radiochemotherapie kann aber in ausgewählten lokal fortgeschrittenen Situationen diskutiert werden.

    Ebenso wichtig ist die supportive und palliative Therapie: biliäre Drainage per ERCP-Stent, Schmerztherapie nach WHO-Stufenschema, ggf. Coeliacusblockade, Pankreasenzymersatz bei exokriner Insuffizienz (z. B. Pankreatin 25.000–40.000 Lipase-Einheiten zu Hauptmahlzeiten), Ernährungsmedizin, Diabetestherapie und Thromboseprophylaxe nach individueller Risikobewertung.

    Merke: Kurativ ist nur die vollständige Resektion; in allen anderen Stadien stehen systemische Therapie und eine konsequente symptomorientierte Versorgung im Vordergrund.

    Prognose

    Die Prognose des Pankreaskarzinoms ist insgesamt ungünstig und hängt entscheidend von Stadium, Resektabilität, R-Status, Lymphknotenbefall, Tumorbiologie und Performance-Status ab. Ohne kurative Resektion ist die Erkrankung in der Regel nicht heilbar. Die mediane Überlebenszeit bei metastasierter Erkrankung liegt unter palliativer Chemotherapie häufig im Bereich von etwa 8–12 Monaten, abhängig vom gewählten Regime und vom Allgemeinzustand. Unter intensivierter Therapie mit FOLFIRINOX sind in geeigneten Kollektiven längere mediane Überlebenszeiten möglich als unter Gemcitabin-Monotherapie.

    Nach kurativer Resektion und adjuvanter Chemotherapie haben sich die Ergebnisse in den letzten Jahren verbessert. In Studien zum adjuvanten modifizierten FOLFIRINOX wurden mediane Gesamtüberlebenszeiten von deutlich über 4 Jahren berichtet; dennoch bleibt das Rezidivrisiko hoch. Die Gesamt-5-Jahres-Überlebensrate über alle Stadien liegt weiterhin nur bei ungefähr 10–12 %. Selbst nach R0-Resektion kommt es bei einem beträchtlichen Anteil der Patienten zu lokalen oder systemischen Rückfällen, häufig innerhalb der ersten 2 Jahre.

    Ungünstige Prognosefaktoren sind R1-Resektion, N2-Stadium, hohe präoperative CA 19-9-Werte, schlechte Differenzierung, vaskuläre Invasion, erheblicher Gewichtsverlust und ein schlechter ECOG-Status. Bessere Verläufe finden sich bei früher Diagnose, kompletter Resektion, gutem Ansprechen auf perioperative Chemotherapie und in einzelnen molekular definierten Subgruppen.

    Für die Praxis bedeutsam ist eine ehrliche, aber differenzierte Kommunikation: Trotz der ernsten Prognose profitieren viele Patienten von moderner onkologischer Therapie, strukturiertem Nebenwirkungsmanagement und früher Palliativintegration im Hinblick auf Symptomkontrolle und Lebensqualität.

    Merke: Die Prognose ist stark stadiumsabhängig; der wichtigste prognostische Schritt ist, ob eine R0-Resektion erreicht werden kann.

    Prävention

    Eine spezifische Primärprävention existiert nicht, aber mehrere Maßnahmen senken wahrscheinlich das Erkrankungsrisiko. Am wichtigsten ist der Nikotinverzicht. Da Rauchen für etwa ein Viertel der Fälle mitverantwortlich gemacht wird, besitzt Rauchstopp den größten präventiven Effekt. Zusätzlich sind Gewichtskontrolle, regelmäßige körperliche Aktivität und die Vermeidung von Adipositas sinnvoll. Ein zurückhaltender Alkoholkonsum ist vor allem deshalb relevant, weil sich so das Risiko einer chronischen Pankreatitis verringern lässt.

    Menschen mit familiärer Belastung oder bekannten genetischen Hochrisikosyndromen sollten humangenetisch beraten werden. In spezialisierten Zentren kommen bei Hochrisikopersonen strukturierte Überwachungsprogramme mit MRT/MRCP und/oder Endosonographie in Betracht, insbesondere bei BRCA2-, CDKN2A-, STK11- oder PRSS1-assoziierten Syndromen. Ein bevölkerungsweites Screening wird wegen der relativ niedrigen Inzidenz und fehlender ausreichend sensitiver Marker derzeit nicht empfohlen.

    Sekundärpräventiv ist klinische Wachsamkeit entscheidend: neu aufgetretener Diabetes, ungeklärter Gewichtsverlust, cholestatischer Ikterus oder eine idiopathische Pankreatitis im höheren Lebensalter sollten zeitnah abgeklärt werden.

    Merke: Die effektivste Prävention des Pankreaskarzinoms ist derzeit der Verzicht auf Rauchen; Screening ist nur für definierte Hochrisikogruppen sinnvoll.

    Komplikationen

    Das Pankreaskarzinom führt sowohl durch lokales Tumorwachstum als auch durch systemische Effekte zu zahlreichen Komplikationen. Häufig ist die biliäre Obstruktion bei Pankreaskopftumoren mit Entwicklung eines Ikterus, Juckreizes, Fettverdauungsstörungen und der Gefahr einer bakteriellen Cholangitis. Ebenfalls möglich ist eine Duodenalstenose mit Übelkeit, Erbrechen und Nahrungsunverträglichkeit. Durch Infiltration des Plexus coeliacus entstehen oft ausgeprägte tumorbedingte Schmerzen.

    Onkologisch bedeutsam sind frühe Lebermetastasen, peritoneale Aussaat, Aszites und lymphogene Metastasierung. Viele Patienten entwickeln eine Tumorkachexie mit Sarkopenie, Hypalbuminämie und deutlich reduzierter Belastbarkeit. Hinzu kommen exokrine Pankreasinsuffizienz mit Steatorrhö und Mangelernährung sowie ein pankreopriver oder tumorassoziierter Diabetes mellitus. Paraneoplastisch ist die erhöhte Thromboseneigung mit tiefen Venenthrombosen, Lungenembolien oder wandernder Thrombophlebitis (Trousseau-Syndrom) relevant.

    Nach operativer Therapie können spezifische postoperative Komplikationen auftreten, insbesondere die postoperative Pankreasfistel, verzögerte Magenentleerung, Nachblutung, intraabdominelle Infektionen und Malabsorption. Unter Chemotherapie sind Neutropenie, Fatigue, Diarrhö, Polyneuropathie und Infektionen häufige Probleme. Biliäre Stents können dislozieren oder verstopfen.

    Gerade in fortgeschrittenen Stadien sind psychosoziale Belastungen, Depression, Angst und ein hoher Bedarf an supportiver Versorgung klinisch entscheidend. Frühzeitige Palliativmedizin verbessert Symptomkontrolle und Entscheidungsfindung.

    Merke: Zu den klinisch wichtigsten Komplikationen gehören Cholestase/Cholangitis, Tumorschmerz, Kachexie, Thromboembolien und Lebermetastasen.

    Häufige Fragen

    Ist ein Pankreaskarzinom heilbar?

    Heilung ist grundsätzlich nur möglich, wenn der Tumor vollständig operativ entfernt werden kann. Da die Erkrankung oft spät erkannt wird, ist das leider nur bei einem kleineren Teil der Patienten der Fall; moderne Chemotherapien können aber auch in fortgeschrittenen Stadien das Überleben verlängern und Beschwerden lindern.

    Welche frühen Warnzeichen gibt es?

    Frühe Symptome sind oft unspezifisch, zum Beispiel Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Oberbauch- oder Rückenschmerzen und Leistungsknick. Besonders wichtig sind ein neu auftretender schmerzloser Ikterus oder ein neu diagnostizierter Diabetes im höheren Lebensalter.

    Was bedeutet der Tumormarker CA 19-9?

    CA 19-9 kann bei einem Pankreaskarzinom erhöht sein, ist aber allein nicht beweisend. Der Marker eignet sich eher zur Verlaufskontrolle unter Therapie als zur Früherkennung, weil er auch bei gutartigen Gallengangsverschlüssen ansteigen kann.

    Quellen

    1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom, aktuelle Fassung
    2. Niederhuber JE, Armitage JO, Doroshow JH et al. Abeloff's Clinical Oncology. Elsevier
    3. Jameson JL, Fauci AS, Kasper DL et al. Harrison's Principles of Internal Medicine. McGraw-Hill
    4. Neoptolemos JP, Kleeff J, Michl P et al. Therapeutic developments in pancreatic cancer: current and future perspectives. Nat Rev Gastroenterol Hepatol
    5. Conroy T, Hammel P, Hebbar M et al. FOLFIRINOX or Gemcitabine as Adjuvant Therapy for Pancreatic Cancer. N Engl J Med. 2018
    6. Vincent A, Herman J, Schulick R, Hruban RH, Goggins M. Pancreatic cancer. Lancet. 2011
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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