👶 Pädiatrie ICD-10: J05.0

Krupp-Syndrom: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Krupp-Syndrom: typische Symptome, Diagnostik und Therapie der akuten subglottischen Laryngotracheitis bei Kindern.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
24. März 2026 · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 24. März 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Das Krupp-Syndrom ist eine meist viral ausgelöste, akute subglottische Laryngotracheitis des Kindesalters mit entzündlichem Schleimhautödem im Bereich unterhalb der Glottis. Klinisch typisch sind bellender Husten, Heiserkeit und ein inspiratorischer Stridor, häufig mit nächtlicher Zunahme der Beschwerden. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder, da der enge kindliche Atemweg bereits bei geringem Schleimhautödem relevant obstruiert. Vom lebensbedrohlichen Epiglottitis-Syndrom und von bakterieller Tracheitis muss das Krankheitsbild rasch abgegrenzt werden.

    Merke: Das Krupp-Syndrom ist in der Regel viral, beginnt oft nach einem banalen Infekt der oberen Atemwege und spricht typischerweise gut auf Glukokortikoide an; schwerer inspiratorischer Stridor in Ruhe ist ein Warnzeichen.

    Epidemiologie

    Das Krupp-Syndrom gehört zu den häufigsten Ursachen eines akuten inspiratorischen Stridors im Kindesalter. Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 3. Lebensjahr, mit einem Gipfel um das 2. Lebensjahr; insgesamt treten die meisten Fälle im Bereich von 6 Monaten bis 6 Jahren auf. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen, in epidemiologischen Reihen meist mit einem Verhältnis von ungefähr 1,3–1,5 : 1. Die Erkrankung zeigt eine ausgeprägte saisonale Häufung im Herbst und Winter, was mit der Zirkulation respiratorischer Viren korreliert.

    In westlichen Ländern entwickeln etwa 2–6 % aller Kinder mindestens einmal eine klinisch relevante Krupp-Episode. Ein Teil der Kinder erleidet rezidivierende Episoden, insbesondere bei atopischer Disposition, bronchialer Hyperreagibilität oder anatomischer Enge im subglottischen Bereich. Die Mehrzahl der Verläufe ist mild bis moderat und ambulant behandelbar. Nur ein kleinerer Anteil benötigt eine stationäre Überwachung; Hospitalisationsraten liegen je nach Kollektiv meist unter 10 %, intensivpflichtige Verläufe sind selten. Die Mortalität ist in modernen Gesundheitssystemen sehr niedrig.

    Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen der oberen Atemwegsobstruktion. Während das klassische virale Krupp-Syndrom häufig ist, sind Epiglottitis, bakterielle Tracheitis, Fremdkörperaspiration oder retropharyngeale Abszesse deutlich seltener, klinisch aber potenziell gefährlicher.

    Merke: Häufiges Alter, Herbst-Winter-Saison und vorangehender Infekt sprechen epidemiologisch stark für ein Krupp-Syndrom.

    Ätiologie

    Ursächlich ist in der Mehrzahl der Fälle eine virale Infektion der oberen Atemwege. Als wichtigste Erreger gelten Parainfluenzaviren (insbesondere Typ 1 und 3), daneben Respiratory Syncytial Virus (RSV), Rhinoviren, Influenza A/B, Adenoviren, Metapneumovirus und saisonal auch Coronaviren. Die Erreger führen zu einer Entzündung von Larynx, Subglottis und Trachea. Entscheidend für die Symptomatik ist weniger die tiefere Bronchitis als das Schleimhautödem im subglottischen Bereich, dem anatomisch engsten Abschnitt der kindlichen oberen Atemwege.

    Prädisponierende Faktoren sind das junge Alter, ein kleiner Atemwegsdurchmesser und vermutlich individuelle Unterschiede in der lokalen Immunantwort. Bei rezidivierendem Pseudokrupp werden zusätzlich atopische Erkrankungen, gastroösophagealer Reflux, inhalative Reizstoffe sowie selten anatomische Besonderheiten wie subglottische Stenosen, Laryngomalazie oder vaskuläre Kompressionen diskutiert. Passivrauchen kann respiratorische Symptome verstärken und die Schleimhaut vulnerabler machen.

    Eine bakterielle Ursache ist für das klassische Krupp-Syndrom untypisch. Wenn hohes Fieber, schwer toxischer Eindruck, eitrige Sekretion oder ein progredienter Verlauf vorliegen, muss vielmehr an bakterielle Tracheitis, Epiglottitis oder einen tiefen Halsinfekt gedacht werden. Ebenfalls wichtig ist die Abgrenzung zur spasmodischen Krupp-Symptomatik, die meist nachts abrupt auftritt, oft afebril verläuft und möglicherweise durch eine Kombination aus viraler Triggerung und hyperreagibler Schleimhaut begünstigt wird.

    Merke: Das typische Krupp-Syndrom ist viral bedingt; Antibiotika sind daher in der Regel nicht indiziert.

    Pathogenese

    Pathophysiologisch steht ein entzündliches Schleimhautödem im Bereich von Larynx, Subglottis und proximaler Trachea im Vordergrund. Gerade die Subglottis ist beim Kleinkind besonders eng. Nach dem Gesetz von Poiseuille führt bereits eine geringe Abnahme des Radius zu einem überproportionalen Anstieg des Atemwegswiderstands. Ein zirkuläres Schleimhautödem von nur wenigen Millimetern kann daher klinisch relevante Obstruktion verursachen. Dies erklärt, warum vor allem Säuglinge und Kleinkinder symptomatisch werden.

    Die virale Infektion induziert eine lokale Entzündungsreaktion mit Hyperämie, Kapillarleck, Schleimhautödem und vermehrter Sekretion. Beim Einatmen entsteht durch die negative intrathorakale Druckentwicklung eine zusätzliche Tendenz zum Kollaps des extrathorakalen Atemwegs, was den inspiratorischen Stridor erklärt. Die Reizung des Larynx und der Stimmlippenregion verursacht Heiserkeit, während die Beteiligung der Trachea den charakteristischen bellenden Husten bedingt.

    Nachts verschlechtert sich die Symptomatik häufig. Diskutiert werden zirkadiane Veränderungen des endogenen Kortisolspiegels, eine veränderte Atemregulation im Schlaf, trockene kühle Luft sowie verstärkte Wahrnehmung der Atemgeräusche in Ruhe. Stress, Weinen und Agitation erhöhen den Atemfluss und verstärken dadurch Turbulenzen im bereits verengten Atemweg; die Obstruktion kann sich so rasch aggravieren.

    Der therapeutische Effekt von Glukokortikoiden beruht auf antientzündlicher Wirkung und Abschwellung der Schleimhaut. Vernebeltes Adrenalin führt zusätzlich über alpha-adrenerge Vasokonstriktion zu einer raschen, aber zeitlich begrenzten Entstauung der Subglottis.

    Merke: Beim Krupp-Syndrom verursacht vor allem das subglottische Ödem die Atemwegsobstruktion, nicht ein Bronchospasmus wie beim Asthma.

    Symptome

    Leitsymptome des Krupp-Syndroms sind der bellende, trockene Husten, Heiserkeit und ein inspiratorischer Stridor. Typischerweise besteht zuvor über 1–3 Tage ein unspezifischer Infekt der oberen Atemwege mit Schnupfen, leichtem Husten und subfebrilen Temperaturen. Häufig beginnen oder verschlechtern sich die Beschwerden plötzlich nachts. Die Kinder wirken unruhig, husten anfallsartig und haben ein pfeifend-raues Atemgeräusch bei der Einatmung. Fieber ist meist nur leicht ausgeprägt; hohes Fieber spricht eher gegen ein unkompliziertes virales Krupp-Syndrom.

    Je nach Schweregrad reichen die Symptome von mildem bellendem Husten ohne Ruhedyspnoe bis zu deutlicher Atemnot mit Stridor in Ruhe, Tachypnoe und Einziehungen an Jugulum, Interkostalräumen oder Epigastrium. Weitere Hinweise auf eine relevante obere Atemwegsobstruktion sind Nasenflügeln, Unruhe, Trinkschwäche und Erschöpfung. Eine Zyanose oder Vigilanzminderung sind Spätzeichen einer drohenden respiratorischen Dekompensation und erfordern sofortige Notfallmaßnahmen.

    Klinisch hilfreich ist die Unterscheidung nach Schweregrad: mild bei bellendem Husten ohne Stridor in Ruhe, moderat bei Stridor in Ruhe und Einziehungen, schwer bei deutlicher Atemarbeit, Agitation oder Lethargie. Manche Kinder haben rezidivierende Episoden, insbesondere im Rahmen viraler Infekte.

    Wichtig für die Differenzierung: starker Speichelfluss, kloßige Sprache, sitzende Schonhaltung, hohes Fieber oder toxischer Gesamteindruck sind untypisch und sollten an Epiglottitis oder bakterielle Tracheitis denken lassen. Ein plötzliches Einsetzen ohne Infektanamnese spricht eher für eine Fremdkörperaspiration.

    Merke: Bellender Husten plus Heiserkeit plus inspiratorischer Stridor ist die klassische klinische Trias des Krupp-Syndroms.

    Diagnostik

    Die Diagnostik ist in erster Linie klinisch. Bereits die Kombination aus typischem Alter, vorausgehendem Virusinfekt, bellendem Husten, Heiserkeit und inspiratorischem Stridor erlaubt meist die Diagnose. Entscheidend ist die rasche Einschätzung des Schweregrades und die Erkennung von Warnzeichen einer drohenden Atemwegsinsuffizienz. Dazu gehören Stridor in Ruhe, ausgeprägte Einziehungen, Tachypnoe, Hypoxämie, Zyanose, Erschöpfung oder Bewusstseinsveränderungen. Das Kind sollte möglichst nicht unnötig aufgeregt werden, da Agitation die Obstruktion verstärken kann.

    Die körperliche Untersuchung umfasst Allgemeinzustand, Atemfrequenz, Puls, Sauerstoffsättigung und Zeichen erhöhter Atemarbeit. Eine forcierte Inspektion des Rachens mit Spatel ist bei Verdacht auf Epiglottitis zu vermeiden, wenn keine gesicherte Atemwegssituation besteht. Laboruntersuchungen sind bei unkompliziertem Verlauf meist nicht erforderlich. Entzündungsparameter können bei atypischem Verlauf oder Verdacht auf bakterielle Komplikationen sinnvoll sein, sind jedoch für die Primärdiagnose wenig hilfreich.

    Bildgebung ist in der Regel nicht notwendig. Eine Röntgenaufnahme des Halses oder Thorax ist nur bei unklarer Symptomatik, Verdacht auf Fremdkörper, bakterielle Tracheitis oder alternative Diagnosen sinnvoll. Das klassische radiologische Steeple sign ist weder sensitiv noch erforderlich. Ein virologischer Erregernachweis ändert im Regelfall die Akuttherapie nicht.

    Der diagnostische Goldstandard ist damit nicht eine apparative Untersuchung, sondern die klinische Beurteilung des typischen Erscheinungsbildes inklusive Schweregradeinschätzung. Leitlinien betonen, dass zügige Therapie wichtiger ist als extensive Diagnostik.

    Merke: Beim Krupp-Syndrom ist die klinische Diagnose der Standard; unnötige Manipulationen am Kind sollen vermieden werden.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste und potenziell lebensbedrohliche Differenzialdiagnose ist die Epiglottitis. Sie präsentiert sich typischerweise mit hohem Fieber, stark reduziertem Allgemeinzustand, Speichelfluss, schmerzhaftem Schlucken, kloßiger Sprache und sitzender Schonhaltung. Im Gegensatz dazu stehen beim Krupp-Syndrom meist bellender Husten und Heiserkeit im Vordergrund. Ebenfalls relevant ist die bakterielle Tracheitis, die häufig mit hohem Fieber, toxischem Eindruck, progredienter Obstruktion und schlechtem Ansprechen auf Adrenalin einhergeht.

    Eine Fremdkörperaspiration muss bei abruptem Symptombeginn ohne Infektanamnese, Hustenanfall beim Spielen oder Essen und asymmetrischen Auskultationsbefunden bedacht werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommen außerdem retropharyngealer Abszess und peritonsillärer Abszess in Betracht, insbesondere bei Fieber, Nackensteife, Schluckschmerzen oder kloßiger Sprache. Diphtherie ist in geimpften Populationen selten, bleibt aber bei unzureichendem Impfschutz eine wichtige Differenzialdiagnose von Heiserkeit und Atemwegsobstruktion.

    Weitere DD sind allergisches Larynxödem bzw. Anaphylaxie, Laryngomalazie, subglottische Stenose, Stimmbandparesen, Laryngospasmus, Spasmodic Croup, Angioödem und bei unterem Atemwegsbezug Asthma oder Bronchiolitis. Asthma verursacht typischerweise expiratorisches Giemen, nicht primär inspiratorischen Stridor.

    Bei rezidivierendem oder atypischem Verlauf sollten strukturelle Ursachen abgeklärt werden, etwa subglottische Hämangiome, kongenitale Fehlbildungen, Tracheomalazie oder Reflux-bedingte Schleimhautreizung. Das differenzialdiagnostische Denken richtet sich vor allem nach Fieberhöhe, Allgemeinzustand, Schluckbeschwerden, Speichelfluss, Beginn der Symptomatik und dem Ansprechen auf Standardtherapie.

    Merke: Speichelfluss, hohes Fieber und toxischer Eindruck passen eher zu Epiglottitis oder bakterieller Tracheitis als zu einem unkomplizierten Krupp-Syndrom.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und orientiert sich an pädiatrischen Notfall- und Atemwegsleitlinien, unter anderem Empfehlungen der AWMF, international der AAP und evidenzbasierten Reviews. Grundprinzipien sind: Kind beruhigen, unnötige Manipulationen vermeiden, aufrechte Position ermöglichen und bei Hypoxämie Sauerstoff geben. Routinemäßige Maßnahmen wie kalte Nachtluft oder Wasserdampf sind traditionell verbreitet, für einen verlässlichen Nutzen aber nicht ausreichend belegt und ersetzen keine evidenzbasierte Therapie.

    Glukokortikoide sind bei nahezu allen klinisch relevanten Fällen indiziert, auch bei mildem Verlauf. Standard ist Dexamethason 0,15–0,6 mg/kgKG oral, i.m. oder i.v., meist als Einmaldosis; häufig verwendet werden 0,6 mg/kgKG, maximal meist 10–12 mg. Alternativ kann Prednisolon 1–2 mg/kgKG p.o. gegeben werden, wenngleich Dexamethason in Studien oft günstiger hinsichtlich Rückfallrate erscheint. Bei moderatem bis schwerem Verlauf mit Stridor in Ruhe wird zusätzlich vernebeltes Adrenalin empfohlen, z. B. L-Adrenalin 1 mg/ml, 3–5 ml per Vernebler oder alternativ racemisches Adrenalin, je nach Verfügbarkeit. Die Wirkung tritt rasch ein, hält aber oft nur 1–2 Stunden an; deshalb ist eine Beobachtung nach Inhalation erforderlich.

    Eine stationäre Aufnahme ist angezeigt bei persistierendem Stridor in Ruhe, wiederholtem Adrenalinbedarf, Hypoxämie, Erschöpfung, Dehydratation, unsicherer häuslicher Versorgung oder Verdacht auf alternative Diagnosen. Antibiotika sind beim unkomplizierten viralen Krupp-Syndrom nicht indiziert. Bei drohender respiratorischer Insuffizienz muss frühzeitig ein erfahrenes Team für Atemwegsmanagement hinzugezogen werden; Intubationen sind selten, erfordern aber Expertise.

    Merke: Dexamethason für fast alle, Adrenalin inhalativ bei Stridor in Ruhe – das ist das therapeutische Kernschema des Krupp-Syndroms.

    Prognose

    Die Prognose des Krupp-Syndroms ist insgesamt sehr gut. Die meisten Kinder zeigen unter adäquater Therapie innerhalb weniger Stunden eine deutliche Besserung der Atemnot; bellender Husten und Heiserkeit können noch 1–3 Tage, gelegentlich auch etwas länger, persistieren. Bei milden Verläufen reicht häufig eine ambulante Behandlung mit Glukokortikoidgabe und Aufklärung der Eltern über Warnzeichen. Rückfälle in derselben Nacht oder innerhalb von 24 Stunden sind möglich, insbesondere nach zunächst gutem, aber zeitlich begrenztem Ansprechen auf vernebeltes Adrenalin.

    Schwere Komplikationen oder eine Intubationspflicht sind in der heutigen pädiatrischen Versorgung selten. Die Mortalität des unkomplizierten viralen Krupp-Syndroms ist extrem niedrig. Prognostisch ungünstige Faktoren sind ein sehr junges Alter, vorbestehende Atemwegsanomalien, fehlendes Ansprechen auf Standardtherapie, bakteriell überlagerte Verläufe sowie verzögerte Vorstellung bei drohender Erschöpfung.

    Bei rezidivierendem Pseudokrupp ist die Langzeitprognose meist ebenfalls gut, allerdings sollte dann an prädisponierende Faktoren gedacht werden. Wiederholte Episoden können auf eine atopische Disposition, Reflux oder strukturelle Auffälligkeiten der oberen Atemwege hinweisen. In diesen Fällen kann eine weiterführende HNO-ärztliche oder pädiatrisch-pneumologische Abklärung sinnvoll sein.

    Für die Elternberatung wichtig: Nach initialer Besserung sollten sie auf zunehmenden Stridor in Ruhe, Trinkverweigerung, Einziehungen, Zyanose oder ungewöhnliche Müdigkeit achten. Bei solchen Zeichen ist eine sofortige erneute ärztliche Vorstellung erforderlich.

    Merke: Das Krupp-Syndrom verläuft meist selbstlimitierend und hat unter leitliniengerechter Behandlung eine exzellente Prognose.

    Prävention

    Eine spezifische Prävention des Krupp-Syndroms existiert nicht, da es sich überwiegend um eine viral bedingte Erkrankung handelt. Sinnvoll sind allgemeine Maßnahmen zur Reduktion respiratorischer Infektionen: konsequente Händehygiene, Vermeidung enger Kontakte zu akut erkrankten Personen und ein rauchfreies Umfeld. Passivrauchen sollte strikt vermieden werden, da es die Atemwege reizt und respiratorische Erkrankungen im Kindesalter begünstigt.

    Indirekt relevant ist ein vollständiger Impfschutz nach STIKO-Empfehlungen, insbesondere gegen Influenza und in bestimmten Konstellationen gegen andere impfpräventable Atemwegserreger. Die Impfung verhindert zwar nicht alle Krupp-Episoden, kann aber influenzabedingte schwere Verläufe vermindern. Bei auffällig häufigen oder schweren Episoden sollten mögliche Trigger wie Reflux, Allergene oder anatomische Besonderheiten abgeklärt werden.

    Eltern profitieren von einer guten Schulung: frühes Erkennen von bellendem Husten und Stridor, Ruhe bewahren, Kind nicht aufregen, ärztliche Hilfe bei Stridor in Ruhe oder Atemnot. Für Kinder mit bekannten schweren Vorereignissen kann eine individuelle Notfallstrategie sinnvoll sein.

    Merke: Die beste Prävention besteht in Infektprophylaxe, Rauchvermeidung und vollständigem Impfschutz.

    Komplikationen

    Komplikationen sind beim klassischen viralen Krupp-Syndrom insgesamt selten, müssen aber wegen des potenziell dynamischen Verlaufs beachtet werden. Die wichtigste akute Komplikation ist die progrediente obere Atemwegsobstruktion mit zunehmender Atemarbeit, Hypoxämie und im Extremfall respiratorischer Insuffizienz. Klinische Alarmzeichen sind Stridor in Ruhe, starke Einziehungen, Zyanose, Erschöpfung und Vigilanzminderung. Eine Agitation kann die Situation zusätzlich verschlechtern und einen Circulus vitiosus aus Angst, erhöhtem Atemfluss und weiterer Obstruktion auslösen.

    Nach Inhalation von Adrenalin kann es nach initialer Besserung zu einer Wiederzunahme der Symptome kommen, da die Wirkung meist nur vorübergehend ist. Deshalb ist die Beobachtung nach Applikation klinisch wichtig. Weitere mögliche Probleme sind Dehydratation durch Trinkverweigerung, Schlafmangel und Erschöpfung des Kindes. Selten entwickelt sich eine bakterielle Superinfektion, wobei dann eher an bakterielle Tracheitis gedacht werden muss.

    Iatrogene Komplikationen sind selten, betreffen aber vor allem unnötige Manipulationen im Pharynx bei unklarer Diagnose, die bei gefährdeter Atemwegssituation eine Verschlechterung auslösen können. Die eigentliche invasive Atemwegssicherung ist beim unkomplizierten Krupp-Syndrom nur selten erforderlich; wenn sie notwendig wird, ist sie wegen des ödematösen subglottischen Bereichs potenziell schwierig.

    Bei rezidivierenden oder atypisch schweren Verläufen besteht die Gefahr, eine strukturelle oder andere Grunderkrankung zu übersehen. Wiederholte Episoden sollten deshalb Anlass sein, differenzialdiagnostisch an subglottische Stenose, Fremdkörper, Reflux oder anatomische Besonderheiten zu denken.

    Merke: Die gefürchtetste Komplikation ist die rasch progrediente Atemwegsobstruktion; Warnzeichen erfordern sofortige notfallmedizinische Bewertung.

    Häufige Fragen

    Ist das Krupp-Syndrom gefährlich?

    Meist verläuft das Krupp-Syndrom mild bis moderat und bessert sich unter Behandlung rasch. Gefährlich wird es bei Stridor in Ruhe, deutlicher Atemnot, blauen Lippen oder starker Erschöpfung; dann muss sofort ärztliche Hilfe erfolgen.

    Hilft kalte Luft bei Pseudokrupp?

    Kühle Luft wird von manchen Kindern subjektiv als angenehm empfunden, sie ist aber keine verlässliche Standardtherapie. Entscheidend sind Ruhe, ärztliche Einschätzung des Schweregrades und bei Bedarf Medikamente wie Dexamethason oder inhalatives Adrenalin.

    Braucht mein Kind bei Krupp immer Antibiotika?

    Nein. Das typische Krupp-Syndrom ist meistens viral bedingt, daher helfen Antibiotika in der Regel nicht. Sie sind nur sinnvoll, wenn der Arzt eine bakterielle Ursache oder Komplikation vermutet.

    Quellen

    1. AWMF S2k-Leitlinie „Akute entzündliche Erkrankungen der oberen Atemwege“ bzw. pädiatrische Notfallleitlinien zu Stridor/Krupp, aktuelle Fassung
    2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Empfehlungen zur Versorgung des Kindes mit Pseudokrupp/akutem Stridor
    3. Nelson Textbook of Pediatrics. 21./22. Auflage. Elsevier. Kapitel zu Croup, Epiglottitis and Bacterial Tracheitis
    4. Cherry JD, ed. Feigin and Cherry’s Textbook of Pediatric Infectious Diseases. Elsevier. Kapitel zu viralen Atemwegsinfektionen und Croup
    5. Bjornson CL, Johnson DW. Croup in children. CMAJ. 2013;185(15):1317-1323
    6. Johnson DW. Croup. Clin Evid/Reviewartikel zu Diagnostik und Therapie des Krupp-Syndroms
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 24. März 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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