👶 Pädiatrie ICD-10: R56.0

Fieberkrampf: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Der Fieberkrampf ist ein akut auftretender, meist generalisierter Krampfanfall im Zusammenhang mit Fieber ab 38,0 °C, typischerweise bei Kindern im.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Der Fieberkrampf ist ein akut auftretender, meist generalisierter Krampfanfall im Zusammenhang mit Fieber ab 38,0 °C, typischerweise bei Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, ohne Hinweis auf eine intrakranielle Infektion, metabolische Entgleisung oder vorbestehende afebrile Epilepsie. Klinisch wird zwischen dem einfachen Fieberkrampf und dem komplexen Fieberkrampf unterschieden. Ein einfacher Fieberkrampf ist generalisiert, dauert unter 15 Minuten und tritt innerhalb von 24 Stunden nur einmal auf. Ein komplexer Fieberkrampf ist fokal, dauert länger als 15 Minuten oder rezidiviert innerhalb von 24 Stunden.

    Fieberkrämpfe gehören zu den häufigsten anfallsartigen Ereignissen im Kleinkindalter und sind für Eltern dramatisch, haben aber in der Mehrzahl der Fälle eine günstige Prognose. Entscheidend ist die Abgrenzung gegenüber potenziell lebensbedrohlichen Ursachen wie Meningitis, Enzephalitis, Intoxikation, Hypoglykämie oder einem beginnenden epileptischen Syndrom.

    Merke: Ein einfacher Fieberkrampf ist definitionsgemäß generalisiert, < 15 Minuten und nicht rezidivierend innerhalb von 24 Stunden.

    Epidemiologie

    Der Fieberkrampf ist die häufigste Gelegenheitskrampfform im Kindesalter. Etwa 2–5 % aller Kinder in Europa und Nordamerika erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf; in einzelnen asiatischen Populationen werden Raten von 6–9 % beschrieben. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen 12 und 18 Monaten. Vor dem Alter von 6 Monaten und nach dem 6. Lebensjahr sind Fieberkrämpfe deutlich seltener, sodass in diesen Altersgruppen differentialdiagnostisch besonders sorgfältig vorgegangen werden muss.

    Etwa 70–75 % der Fälle sind einfache Fieberkrämpfe, während 25–30 % als komplexe Fieberkrämpfe klassifiziert werden. Ein Rezidiv nach dem ersten Fieberkrampf tritt bei ungefähr 30–35 % der Kinder auf; nach mehreren Episoden steigt das Wiederholungsrisiko teils auf über 50 %. Das Risiko ist erhöht bei jungem Erstmanifestationsalter, positiver Familienanamnese, relativ niedriger Fieberhöhe zum Anfallszeitpunkt und kurzer Fieberdauer vor Anfallsbeginn.

    Das spätere Risiko für eine Epilepsie ist insgesamt nur moderat erhöht. Nach einem einfachen Fieberkrampf liegt es bei etwa 1–2 % und damit nur gering über dem Basisrisiko der Allgemeinbevölkerung. Nach komplexen Fieberkrämpfen oder bei zusätzlicher neurologischer Vorerkrankung kann es auf 4–10 % ansteigen.

    Merke: Fieberkrämpfe sind häufig, aber eine spätere Epilepsie entwickelt nur eine Minderheit der betroffenen Kinder.

    Ätiologie

    Die Ätiologie des Fieberkrampfes ist multifaktoriell. Im Zentrum steht eine altersabhängig erhöhte neuronale Erregbarkeit des unreifen Gehirns in Kombination mit Fieber und genetischer Prädisposition. Auslöser ist meist ein banaler viraler Infekt der oberen Atemwege, eine Otitis media, eine Gastroenteritis oder seltener ein bakterieller Infekt. Besonders häufig werden Infektionen mit Influenza, Adenoviren, RSV, HHV-6/7 im Rahmen des Exanthema subitum sowie andere fieberhafte Virusinfektionen genannt. Entscheidend ist weniger die absolute Ursache als die Fieberreaktion des Organismus.

    Eine familiäre Belastung findet sich bei etwa 25–40 % der betroffenen Kinder. Genetische Faktoren betreffen unter anderem Ionenkanäle und Mechanismen der neuronalen Erregbarkeit; in Einzelfällen bestehen Überschneidungen mit genetisch determinierten Epilepsiesyndromen, etwa dem Spektrum der genetic epilepsy with febrile seizures plus (GEFS+). Klinisch relevant ist dies vor allem bei prolongierten, wiederholten oder atypischen Verläufen sowie positiver Familienanamnese für Epilepsie.

    Fieberkrämpfe können auch kurz nach Impfungen beobachtet werden, insbesondere in dem Zeitfenster, in dem Impfreaktionen Fieber auslösen. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um eine direkte neurotoxische Impfkomplikation, sondern um einen anfallsbegünstigenden Effekt des Fiebers bei entsprechend prädisponierten Kindern. Wichtige prädisponierende Faktoren sind ein junges Alter, rascher Temperaturanstieg, frühere Fieberkrämpfe und entwicklungsneurologische Auffälligkeiten.

    Merke: Nicht die Infektion selbst, sondern vor allem die fieberbedingte Erhöhung der neuronalen Erregbarkeit ist der unmittelbare Trigger des Fieberkrampfes.

    Pathogenese

    Die Pathogenese beruht auf dem Zusammenspiel von Temperaturerhöhung, unreifer zerebraler Netzwerke und individueller Krampfbereitschaft. Im frühen Kindesalter sind inhibitorische und exzitatorische neuronale Systeme noch nicht vollständig ausgereift. Fieber führt über Veränderungen von Zytokinen, Membranleitfähigkeit, Synapsenfunktion und möglicherweise Hyperventilation mit respiratorischer Alkalose zu einer Senkung der Krampfschwelle. Besonders ein rascher Fieberanstieg scheint klinisch bedeutsam zu sein, auch wenn Fieberkrämpfe grundsätzlich bei verschiedenen Temperaturverläufen auftreten können.

    Im unreifen Gehirn kann die Temperaturerhöhung die Synchronisation neuronaler Netzwerke erleichtern. Gleichzeitig beeinflussen proinflammatorische Mediatoren wie Interleukin-1β die neuronale Exzitabilität. Genetische Varianten, etwa in SCN1A und anderen Ionenkanal-assoziierten Genen, können diese Anfallsbereitschaft zusätzlich verstärken. Dies erklärt, warum nicht jedes fiebernde Kind einen Krampfanfall entwickelt und warum familiäre Häufungen vorkommen.

    Der einfache Fieberkrampf ist meist ein selbstlimitierendes Ereignis ohne strukturelle Hirnschädigung. Bei prolongierten Fieberkrämpfen oder einem febrilen Status epilepticus werden dagegen Zusammenhänge mit späteren hippocampalen Veränderungen und einem erhöhten Epilepsierisiko diskutiert, wobei Kausalität und Prädisposition im Einzelfall schwer zu trennen sind. Für die Akutsituation ist vor allem relevant, dass ein Fieberkrampf primär ein Symptom im Rahmen eines fieberhaften Infekts ist und nicht automatisch eine Epilepsie bedeutet.

    Merke: Der Fieberkrampf entsteht durch eine vorübergehend erniedrigte Krampfschwelle des unreifen Gehirns bei Fieber, nicht durch eine chronische epileptische Erkrankung an sich.

    Symptome

    Das Leitsymptom ist ein akuter Krampfanfall bei fieberhaftem Infekt. Typischerweise kommt es zu einem generalisiert tonisch-klonischen Anfall mit Bewusstseinsverlust, Blickdeviation, muskulärer Versteifung und anschließend rhythmischen Zuckungen aller Extremitäten. Häufig dauert ein einfacher Fieberkrampf nur 1–3 Minuten, definitionsgemäß aber unter 15 Minuten. Im Anschluss sind Kinder oft müde, schläfrig oder kurz desorientiert. Nicht selten bemerken Eltern zuerst den Anfall und erst danach das Fieber.

    Ein komplexer Fieberkrampf zeigt mindestens eines der folgenden Merkmale: fokaler Beginn oder fokale Symptomatik, Dauer über 15 Minuten oder mehrere Anfälle innerhalb von 24 Stunden. Fokale Symptome können einseitige Zuckungen, persistierende Blickwendung oder eine postiktale Todd-Parese sein. Ein febriler Status epilepticus liegt bei einem anhaltenden Anfall von 30 Minuten vor; praktisch wird jedoch bereits ab 5 Minuten eine medikamentöse Akuttherapie eingeleitet.

    Begleitsymptome ergeben sich meist aus der zugrunde liegenden Infektion: Rhinitis, Husten, Otalgie, Erbrechen, Diarrhö, Exanthem oder Trinkschwäche. Klinisch besonders wichtig sind Warnzeichen, die gegen einen unkomplizierten Fieberkrampf sprechen: Meningismus, persistierende Vigilanzminderung, fontanellenbezogene Auffälligkeiten, Petechien, schwer reduzierter Allgemeinzustand, fokal-neurologische Defizite, Nackensteife oder Zeichen der Dehydratation.

    Merke: Ein kurzer, generalisierter Anfall mit rascher Erholung bei fieberndem Kleinkind spricht für einen einfachen Fieberkrampf; fokale Zeichen oder prolongierter Verlauf machen eine erweiterte Abklärung erforderlich.

    Diagnostik

    Die Diagnostik zielt primär darauf ab, einen einfachen Fieberkrampf von infektiösen, metabolischen, toxischen oder strukturellen ZNS-Ursachen zu unterscheiden. Entscheidend sind eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung. Erfragt werden Anfallsdauer, Generalisierung versus Fokalität, Anzahl der Anfälle innerhalb von 24 Stunden, Fieberhöhe, Fieberbeginn, vorbestehende Entwicklung, Impfstatus, Medikamentenexposition, Trauma und Familienanamnese für Fieberkrämpfe oder Epilepsie. Die körperliche Untersuchung umfasst Vitalparameter, neurologischen Status, Hautbefund, Meningismuszeichen, HNO-Status und Suche nach einem Infektfokus.

    Bei einem typischen einfachen Fieberkrampf bei neurologisch unauffälligem Kind ist in der Regel keine extensive Zusatzdiagnostik erforderlich. Laboruntersuchungen wie Blutbild, CRP, Elektrolyte, Glukose oder Blutgasanalyse erfolgen nur nach klinischer Indikation, etwa bei Dehydratation, protrahierter Vigilanzstörung, Erbrechen, Durchfall oder Verdacht auf metabolische Störung. Eine Lumbalpunktion ist indiziert bei Verdacht auf Meningitis oder Enzephalitis, also bei Nackensteife, persistierender Somnolenz, Petechien, schlechtem Allgemeinzustand, Säuglingen mit unspezifischen Zeichen oder unzureichender Immunisierung.

    Ein EEG ist nach einfachem Fieberkrampf nicht routinemäßig angezeigt, da es weder die Rezidivwahrscheinlichkeit noch das spätere Epilepsierisiko zuverlässig vorhersagt. Eine zerebrale Bildgebung mittels MRT ist bei atypischem Verlauf, fokalen Defiziten, Trauma, persistierender Vigilanzminderung oder Verdacht auf strukturelle Ursache sinnvoll. Goldstandard im engeren Sinn ist nicht ein einzelner Test, sondern die klinische Diagnose anhand der Definitionskriterien und des Ausschlusses gefährlicher Differenzialdiagnosen.

    Merke: Nach einfachem Fieberkrampf sind EEG, CT/MRT und Labor nicht routinemäßig notwendig; die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die klinische Beurteilung.

    Differentialdiagnosen

    Wichtige Differentialdiagnosen sind zunächst alle Ursachen eines akuten symptomatischen Krampfanfalls im Kindesalter. Am dringlichsten auszuschließen sind Meningitis und Enzephalitis, insbesondere bei Nackensteife, reduzierter Vigilanz, Petechien, prolongierter postiktaler Phase oder fokal-neurologischen Zeichen. Ebenfalls relevant sind metabolische Störungen wie Hypoglykämie, Hypokalzämie, Hyponatriämie und selten angeborene Stoffwechselerkrankungen. Bei Erbrechen, Durchfall oder Trinkverweigerung müssen Elektrolytverschiebungen aktiv bedacht werden.

    Zu den weiteren Differentialdiagnosen zählen erste Manifestation einer Epilepsie, insbesondere wenn der Anfall afebril oder nur zufällig bei Fieber auftritt, wenn fokale Semiotik vorliegt oder die Altersgrenzen untypisch sind. Ein febriler Status epilepticus kann klinisch in ein epileptisches Syndrom übergehen oder Ausdruck einer genetischen Prädisposition sein. Ebenfalls zu bedenken sind zerebrale Raumforderungen, Schädel-Hirn-Trauma, intrakranielle Blutung und Intoxikationen.

    Nicht jedes Ereignis mit Zuckungen ist epileptisch: Schüttelfrost, Synkope mit anoxischen Zuckungen, breath-holding spells, parasomnische Phänomene, dystone Reaktionen oder psychogene nicht-epileptische Ereignisse können ähnlich imponieren. Beim Säugling ist zudem an Reflexanoxie und an seltene Bewegungsstörungen zu denken. Klinisch helfen Alter, Fieberbezug, Anfallssemiologie, postiktaler Zustand und Begleitsymptome bei der Abgrenzung.

    Merke: Die wichtigste Differentialdiagnose des Fieberkrampfes ist die ZNS-Infektion; ein fieberndes Kind mit Krampfanfall ist erst dann ein unkomplizierter Fieberkrampf, wenn red flags ausgeschlossen sind.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach der Akutsituation und der Ursache des Fiebers. Während des Anfalls stehen Atemwegssicherung, Seitenlage, Verletzungsprophylaxe und Zeitmessung im Vordergrund. Der Anfall endet bei den meisten Kindern spontan innerhalb weniger Minuten. Hält er länger als 5 Minuten an, soll leitliniengerecht eine Benzodiazepin-Therapie erfolgen. Im präklinischen und häuslichen Setting wird häufig Midazolam bukkal oder intranasal 0,2–0,3 mg/kgKG eingesetzt; alternativ Diazepam rektal 0,5 mg/kgKG. In der Klinik kommen je nach Situation Lorazepam i.v. 0,1 mg/kgKG oder Diazepam i.v. 0,2–0,3 mg/kgKG in Betracht. Bei fortbestehendem Anfall erfolgt die Eskalation nach pädiatrischem Statusprotokoll, z. B. mit Levetiracetam 20–60 mg/kgKG i.v. oder Phenobarbital 15–20 mg/kgKG i.v. je nach Algorithmus.

    Fiebersenkende Maßnahmen wie Paracetamol 10–15 mg/kgKG alle 6 Stunden oder Ibuprofen 5–10 mg/kgKG alle 6–8 Stunden verbessern das Wohlbefinden, verhindern aber Fieberkrampfrezidive nicht zuverlässig. Eine Dauerprophylaxe mit Antiepileptika wird wegen ungünstigem Nutzen-Risiko-Verhältnis heute nicht empfohlen. Auch eine intermittierende Benzodiazepinprophylaxe bei Fieber wird nur in besonderen Einzelfällen erwogen.

    Entscheidend ist die Elternaufklärung: Ruhe bewahren, Kind in Seitenlage bringen, nichts in den Mund einführen, Anfallsdauer dokumentieren und bei erstem Anfall, atypischem Verlauf oder Anfallsdauer über 5 Minuten den Rettungsdienst alarmieren. Maßgeblich sind Empfehlungen aus pädiatrischen Leitlinien und Standardwerken; im deutschsprachigen Raum orientiert man sich an AWMF-/DGKJ-nahen Standards sowie international an AAP-Empfehlungen.

    Merke: Ein einfacher Fieberkrampf braucht meist keine antiepileptische Dauertherapie; behandelt wird akut nur der prolongierte Anfall und die zugrunde liegende Fieberursache.

    Prognose

    Die Prognose ist insgesamt sehr gut. Der einfache Fieberkrampf führt in der Regel nicht zu bleibenden neurologischen Schäden, nicht zu einer Einschränkung der Intelligenzentwicklung und nur zu einer geringen Erhöhung des späteren Epilepsierisikos. Die Mehrzahl der Kinder entwickelt sich normal. Für Eltern ist die Episode häufig traumatisch, medizinisch bleibt sie jedoch meist ein benignes, selbstlimitierendes Ereignis.

    Das Risiko eines erneuten Fieberkrampfes liegt nach der ersten Episode bei etwa 30–35 %. Es ist erhöht bei Erstereignis vor dem 18. Lebensmonat, positiver Familienanamnese, kurzer Fieberdauer vor dem Anfall und relativ niedriger Temperatur zum Anfallszeitpunkt. Nach mehreren Fieberkrämpfen steigt das Rezidivrisiko weiter an. Das spätere Risiko für eine Epilepsie beträgt nach einfachem Fieberkrampf ungefähr 1–2 %, bei komplexen Fieberkrämpfen, neurologischen Auffälligkeiten oder familiärer Belastung jedoch 4–10 %.

    Ungünstigere Verlaufsfaktoren sind komplexe Semiotik, prolongierter Anfall, entwicklungsneurologische Vorbelastung und Zeichen einer zugrunde liegenden strukturellen oder genetischen Erkrankung. Dennoch gilt auch für komplexe Fieberkrämpfe, dass viele Kinder langfristig anfallsfrei bleiben. Wesentlich für die Prognose ist die korrekte Identifikation derjenigen Kinder, bei denen sich hinter dem Ereignis eine Meningitis, Enzephalitis oder Epilepsie verbirgt.

    Merke: Der Fieberkrampf ist meist gutartig, aber das Rezidivrisiko ist deutlich höher als das Risiko für eine spätere Epilepsie.

    Prävention

    Eine sichere Prävention des Fieberkrampfes gibt es nicht. Antipyretika wie Paracetamol oder Ibuprofen können das Allgemeinbefinden verbessern, senken aber nach aktuellem Wissensstand das Risiko eines erneuten Fieberkrampfes nicht verlässlich. Deshalb werden sie nicht zur spezifischen Anfallsprophylaxe empfohlen, sondern symptomorientiert bei Fieber und Unwohlsein eingesetzt.

    Wichtiger als medikamentöse Prävention ist die Schulung der Eltern. Sie sollten wissen, dass Fieberkrämpfe häufig kurz sind und spontan sistieren, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sinnvoll sind und wann ärztliche Hilfe notwendig ist. Bei Kindern mit vorangegangenem prolongiertem Fieberkrampf kann individuell ein Notfallmedikament wie bukkales oder intranasales Midazolam verordnet und erklärt werden.

    Impfungen sollen gemäß STIKO regulär durchgeführt werden. Zwar können fieberhafte Impfreaktionen gelegentlich einen Fieberkrampf triggern, insgesamt überwiegt der Nutzen der Impfung deutlich, da auch natürliche Infektionen Fieberkrämpfe auslösen können.

    Merke: Antipyretika verbessern das Befinden, verhindern Fieberkrämpfe aber nicht sicher.

    Komplikationen

    Bei den meisten Kindern verläuft der Fieberkrampf ohne Komplikationen. Akut relevant sind jedoch Aspirationsereignisse, Verletzungen im Rahmen des Anfalls und eine vorübergehende postiktale Somnolenz. Klinisch besonders bedeutsam ist der prolongierte Anfall beziehungsweise der febrile Status epilepticus, der notfallmedizinisch behandelt werden muss. Ein Status kann zu respiratorischen Problemen, Kreislaufinstabilität und intensivmedizinischer Behandlungsbedürftigkeit führen.

    Bei komplexen und insbesondere prolongierten Fieberkrämpfen wird ein Zusammenhang mit einem erhöhten späteren Risiko für Epilepsie diskutiert. Zudem können fokale postiktale Ausfälle wie eine Todd-Parese auftreten, die differenzialdiagnostisch eine strukturelle ZNS-Ursache ausschließen helfen müssen. Eine häufige „Komplikation“ im weiteren Sinn ist die ausgeprägte elterliche Angst, die zu wiederholten Notfallvorstellungen und erheblicher familiärer Belastung führen kann.

    Die gefährlichste Fehlentwicklung ist nicht der Fieberkrampf selbst, sondern das Übersehen einer ernsten Ursache wie Meningitis, Enzephalitis, Hypoglykämie oder Intoxikation. Deshalb ist bei atypischem Verlauf, sehr jungem Alter, protrahierter Vigilanzstörung, fokalen Symptomen oder schlechtem Allgemeinzustand eine rasche weiterführende Diagnostik essenziell.

    Merke: Die wichtigste praktische Komplikation ist das Verpassen einer behandlungsbedürftigen Differentialdiagnose – vor allem einer ZNS-Infektion.

    Häufige Fragen

    Ist ein Fieberkrampf gefährlich?

    In den meisten Fällen ist ein Fieberkrampf zwar sehr beängstigend, aber medizinisch gutartig und ohne bleibende Schäden. Wichtig ist trotzdem die ärztliche Abklärung, besonders beim ersten Anfall oder wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert.

    Kann mein Kind später Epilepsie bekommen?

    Das Risiko ist nach einem einfachen Fieberkrampf nur leicht erhöht und bleibt insgesamt niedrig. Höher ist es bei komplexen Fieberkrämpfen, neurologischen Auffälligkeiten oder wenn in der Familie Epilepsie vorkommt.

    Was soll ich tun, wenn mein Kind erneut einen Fieberkrampf bekommt?

    Legen Sie Ihr Kind in die Seitenlage, schützen Sie es vor Verletzungen und stecken Sie nichts in den Mund. Stoppen Sie die Zeit und rufen Sie bei einer Dauer über 5 Minuten, bei Atemproblemen oder beim ersten Anfall sofort den Rettungsdienst.

    Quellen

    1. S2k-Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Kindes- und Jugendalter, AWMF-Registernummer 022-007
    2. American Academy of Pediatrics. Febrile Seizures: Clinical Practice Guideline for the Long-term Management of the Child With Simple Febrile Seizures. Pediatrics. 2008
    3. American Academy of Pediatrics. Neurodiagnostic Evaluation of the Child With a Simple Febrile Seizure. Pediatrics. 2011
    4. Nelson Textbook of Pediatrics. 21./22. Auflage, Elsevier
    5. Swaiman's Pediatric Neurology: Principles and Practice. 6. Auflage, Elsevier
    6. Braunwald's Heart Disease and irrelevant? no, remove
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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