🦴 Rheumatologie ICD-10: M33.1

Dermatomyositis: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Die Dermatomyositis (DM) ist eine seltene autoimmune entzündliche Systemerkrankung aus der Gruppe der idiopathischen inflammatorischen Myopathien,.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Die Dermatomyositis (DM) ist eine seltene autoimmune entzündliche Systemerkrankung aus der Gruppe der idiopathischen inflammatorischen Myopathien, die durch eine Kombination aus charakteristischen Hautmanifestationen und meist symmetrischer proximaler Muskelschwäche gekennzeichnet ist. Neben Haut und Muskulatur können auch Lunge, Herz, Gelenke und der Gastrointestinaltrakt betroffen sein. Klinisch relevant ist die Assoziation mit interstitieller Lungenerkrankung sowie – insbesondere bei Erwachsenen – mit Malignomen.

    Pathologisch stehen eine komplementvermittelte Mikroangiopathie mit Schädigung endomysialer Kapillaren und eine immunvermittelte Entzündung im Vordergrund. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, zeigt aber Häufungen im Kindesalter und im mittleren bis höheren Erwachsenenalter.

    Merke: Die Kombination aus heliotropem Exanthem, Gottron-Papeln und proximaler Muskelschwäche ist hochverdächtig auf eine Dermatomyositis – bei Erwachsenen muss immer auch an eine paraneoplastische Genese gedacht werden.

    Epidemiologie

    Die Dermatomyositis zählt zu den seltenen Erkrankungen. Die jährliche Inzidenz der idiopathischen inflammatorischen Myopathien liegt insgesamt je nach Population bei etwa 1–10 pro 1.000.000 Einwohner, für die Dermatomyositis allein meist im Bereich von 1–3 pro 100.000 Prävalenz und einer Inzidenz von ungefähr 1 pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, typischerweise mit einem Geschlechterverhältnis von etwa 2:1. Es bestehen zwei Altersgipfel: die juvenile Dermatomyositis im Kindesalter, häufig zwischen 5 und 14 Jahren, und die adulte Form, meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

    Die juvenile Dermatomyositis unterscheidet sich klinisch teilweise von der Erwachsenenform, insbesondere durch eine häufigere Vaskulopathie, Kalzinose und gastrointestinale Komplikationen, während die Tumorassoziation im Kindesalter selten ist. Bei Erwachsenen ist die klinische Relevanz der Malignomassoziation hoch: In Studien wird bei 15–30 % der erwachsenen Patientinnen und Patienten mit Dermatomyositis innerhalb eines Zeitfensters um die Diagnosestellung ein Tumor nachgewiesen. Das Risiko ist in den ersten 3 Jahren nach Diagnosestellung am höchsten.

    Auch eine interstitielle Lungenerkrankung (ILD) ist häufig und betrifft je nach Kohorte etwa 20–40 % der Betroffenen. Bestimmte myositisassoziierte Autoantikörper, etwa Anti-MDA5, sind mit einem erhöhten Risiko für eine rasch progrediente ILD verbunden.

    Merke: Bei erwachsener Dermatomyositis sind Malignomsuche und Lungendiagnostik keine Zusatzoptionen, sondern ein zentraler Bestandteil der Erstabklärung.

    Ätiologie

    Die Ursache der Dermatomyositis ist multifaktoriell und nicht vollständig geklärt. Zugrunde liegt wahrscheinlich eine genetische Prädisposition, auf deren Basis immunologische Trigger eine fehlgeleitete Autoimmunreaktion auslösen. Assoziationen zu bestimmten HLA-Konstellationen wurden beschrieben, wobei die genetischen Zusammenhänge je nach Ethnie und Autoantikörperprofil variieren.

    Als auslösende oder mitbeteiligte Faktoren werden Virusinfektionen, Umweltfaktoren, UV-Exposition und in Einzelfällen Medikamente diskutiert. Medikamentös induzierte oder getriggerte Myositiden sind zwar deutlich seltener als toxische Myopathien, müssen aber differenzialdiagnostisch bedacht werden. Klinisch besonders relevant ist die paraneoplastische Dermatomyositis: Bei einem Teil der erwachsenen Patientinnen und Patienten ist die Autoimmunerkrankung mit einem okkulten oder manifesten Malignom assoziiert. Häufig genannte Tumoren sind Ovarial-, Lungen-, Pankreas-, Magen-, kolorektale Tumoren sowie Non-Hodgkin-Lymphome.

    Serologisch lassen sich myositisspezifische Autoantikörper nachweisen, die diagnostisch und prognostisch bedeutsam sind. Hierzu zählen unter anderem Anti-Mi-2, Anti-TIF1-γ, Anti-MDA5, Anti-NXP2 und Anti-SAE. Diese Antikörper sind nicht nur Marker, sondern spiegeln unterschiedliche klinische Subtypen wider: Anti-TIF1-γ und Anti-NXP2 sind bei Erwachsenen mit einer erhöhten Tumorassoziation beschrieben, während Anti-MDA5 besonders mit amyopathischen Verläufen und schwerer ILD assoziiert ist.

    Merke: Die Dermatomyositis ist keine reine Muskelerkrankung, sondern eine systemische Autoimmunerkrankung mit immunologischen Subtypen, die Prognose und Organgefährdung wesentlich bestimmen.

    Pathogenese

    Pathophysiologisch gilt die Dermatomyositis als humoral geprägte Mikroangiopathie. Zentral ist eine Komplementaktivierung mit Ablagerung des membrane attack complex (C5b-9) an endomysialen Kapillaren. Dies führt zu Kapillarschädigung, Ischämie und perifaszikulärer Muskelfaseratrophie, einem histopathologisch klassischen Befund. Im Unterschied zur Polymyositis steht nicht primär eine CD8-vermittelte direkte Zytotoxizität gegen Muskelfasern im Vordergrund, sondern eine vaskuläre und interfazikuläre Immunpathologie.

    Auf molekularer Ebene spielt eine ausgeprägte Typ-I-Interferon-Signatur eine wichtige Rolle. Diese findet sich sowohl in Haut- als auch Muskelgewebe und erklärt teilweise die systemische Entzündungsantwort. In der Haut kommt es zu charakteristischen interface-nahen Veränderungen mit vaskulärer Schädigung, Mukinablagerungen und inflammatorischer Reaktion. Klinisch resultieren daraus das heliotrope Exanthem, Gottron-Papeln, das Shawl-Zeichen und photosensitive Hautmanifestationen.

    Die Muskelschädigung betrifft vor allem die proximalen Muskelgruppen von Schulter- und Beckengürtel. Funktionell entstehen Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Aufstehen aus dem Sitzen, Anheben der Arme oder Kämmen der Haare. Bei Organbeteiligung sind unterschiedliche Mechanismen relevant: In der Lunge eine entzündlich-fibrosierende Alveolitis bzw. ILD, im Herz eine Myokarditis oder Reizleitungsstörung, im Gastrointestinaltrakt – vor allem bei juveniler Form – eine Vaskulopathie mit Ulzerationen oder Perforationsrisiko.

    Merke: Der histologische Leitschaden der Dermatomyositis ist die perifaszikuläre Atrophie infolge einer komplementvermittelten Kapillarschädigung.

    Symptome

    Leitsymptom der Dermatomyositis ist eine symmetrische proximale Muskelschwäche, die sich meist subakut über Wochen bis Monate entwickelt. Betroffene berichten typischerweise über Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Aufstehen aus der Hocke oder vom Stuhl, Heben von Lasten oder Arbeiten über Kopf. Nicht selten treten Myalgien und eine ausgeprägte Belastungsintoleranz auf, wobei die Muskelschwäche klinisch oft im Vordergrund steht. Bei schwereren Verläufen können auch Nackenflexoren, Pharynxmuskulatur und Atemmuskulatur betroffen sein. Daraus resultieren Dysphagie, Dysphonie, Aspirationsgefahr und im Extremfall respiratorische Insuffizienz.

    Besonders charakteristisch sind die Hautmanifestationen. Dazu gehören das heliotrope Exanthem mit livid-violetter Verfärbung der Lider, häufig mit periorbitalem Ödem, sowie Gottron-Papeln und Gottron-Zeichen über den Streckseiten der Fingergrund- und Interphalangealgelenke, Ellenbogen oder Knie. Häufig sind außerdem photosensitive Erytheme im Schultergürtelbereich (Shawl sign) oder im Dekolleté (V-sign), periunguale Teleangiektasien, „mechanic’s hands“, Alopezie und Juckreiz. Die Hautveränderungen können den Muskelsymptomen vorausgehen und in amyopathischen Formen sogar dominieren.

    Begleitsymptome sind Arthralgien, subfebrile Temperaturen, Gewichtsverlust und Fatigue. Klinisch bedeutsam ist die interstitielle Lungenerkrankung mit Belastungsdyspnoe, trockenem Husten und eingeschränkter Diffusionskapazität. Bei juveniler Dermatomyositis sind Kalzinosen und gastrointestinale Komplikationen häufiger. Eine paraneoplastische Genese sollte insbesondere bei höherem Alter, ausgeprägter Hautbeteiligung, Gewichtsverlust und therapierefraktärem Verlauf bedacht werden.

    Merke: Hautbefunde können der Muskelschwäche vorausgehen – eine scheinbar „dermatologische“ Präsentation schließt eine relevante systemische Myositis nicht aus.

    Diagnostik

    Die Diagnostik der Dermatomyositis basiert auf der Kombination aus Klinik, Labor, Autoantikörperprofil, apparativer Diagnostik und gegebenenfalls Histologie. Initial stehen Anamnese und körperliche Untersuchung mit gezielter Erfassung der proximalen Muskelkraft sowie der typischen Hautzeichen im Vordergrund. Laborchemisch sind meist CK, Aldolase, LDH, AST und ALT erhöht; die CK kann deutlich ansteigen, bleibt aber in amyopathischen oder hypomyopathischen Verläufen auch normal. Entzündungsparameter wie CRP oder BSG sind unspezifisch und teils nur mäßig erhöht.

    Wesentlich ist die Autoantikörperdiagnostik: ANA können positiv sein, diagnostisch wichtiger sind myositisspezifische Antikörper wie Anti-Mi-2, Anti-MDA5, Anti-TIF1-γ, Anti-NXP2, Anti-SAE sowie antisynthetaseassoziierte Antikörper wie Anti-Jo-1. Die Bildgebung der Muskulatur mittels MRT zeigt ödematöse entzündliche Veränderungen und hilft bei der Wahl einer geeigneten Biopsiestelle. Das EMG kann myopathische Veränderungen mit Spontanaktivität nachweisen, ist aber heute gegenüber MRT und Antikörperprofil in der Routinediagnostik etwas weniger zentral.

    Die Muskelbiopsie ist besonders bei unklarer Konstellation wichtig und zeigt klassisch perifaszikuläre Atrophie, perivaskuläre/perimysiale Entzündung und Komplementablagerungen. Bei typischer Hautmanifestation kann auch eine Hautbiopsie unterstützend sein. Wegen der hohen klinischen Relevanz müssen systematisch Organmanifestationen erfasst werden: Lungenfunktion mit DLCO, HR-CT des Thorax bei Verdacht auf ILD, EKG und ggf. Echokardiographie. Zudem gehört bei erwachsenen Betroffenen eine alters- und risikoadaptierte Tumorsuche zur Initialdiagnostik; bei hohem Risiko oft erweitert durch CT, gynäkologische/urologische Abklärung, Endoskopie oder PET-CT je nach Kontext.

    Ein einzelner „Goldstandard“ existiert praktisch nicht; diagnostisch richtungsweisend ist die typische klinische Konstellation mit myositisspezifischen Antikörpern, MRT-Befunden und ggf. Histologie nach den EULAR/ACR-Klassifikationskriterien für idiopathische inflammatorische Myopathien.

    Merke: Bei jeder neu diagnostizierten Dermatomyositis sind Lungenscreening und Tumorsuche obligat, auch wenn anfangs nur Haut- und Muskelsymptome imponieren.

    Differentialdiagnosen

    Differenzialdiagnostisch müssen vor allem andere Ursachen einer proximalen Muskelschwäche und anderer entzündlicher oder photosensitiver Hautveränderungen abgegrenzt werden. Innerhalb der idiopathischen inflammatorischen Myopathien sind insbesondere die Polymyositis (heute deutlich seltener als früher angenommen), die Immun-vermittelte nekrotisierende Myopathie und das Antisynthetase-Syndrom relevant. Letzteres geht häufig mit Myositis, ILD, Arthritis, Raynaud-Symptomatik und „mechanic’s hands“ einher und kann klinisch überlappen.

    Wichtige nicht-entzündliche Differenzialdiagnosen sind medikamentös-toxische Myopathien, allen voran die Statin-assoziierte Myopathie, sowie endokrine Myopathien bei Hyper- oder Hypothyreose, Cushing-Syndrom und Vitamin-D-Mangel. Ebenfalls zu bedenken sind Muskeldystrophien, mitochondriale Myopathien, metabolische Myopathien, Myasthenia gravis und motorische Neuronenerkrankungen, insbesondere wenn die CK nur gering erhöht ist oder die Symptomatik nicht klassisch verläuft.

    Bei den Hautmanifestationen kommen systemischer Lupus erythematodes, kutane Lupusformen, Psoriasis, Lichen planus, atopische Dermatitis, Arzneimittelexantheme und phototoxische Reaktionen in Betracht. Bei ausgeprägter ILD muss an Kollagenosen, systemische Sklerose, Mischkollagenose und andere Ursachen interstitieller Pneumopathien gedacht werden. Eine besondere Form ist die amyopathische Dermatomyositis, bei der typische Hautbefunde ohne klinisch manifeste Myositis bestehen; diese darf nicht als banale Dermatitis fehlgedeutet werden.

    Merke: Normale oder nur leicht erhöhte CK-Werte schließen eine Dermatomyositis nicht aus – besonders amyopathische und MDA5-positive Verläufe können muskulär diskret, aber pulmonal hochgefährlich sein.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Krankheitsaktivität, Organbeteiligung, Autoantikörperprofil und Schweregrad. Grundlage ist eine frühe immunsuppressive Behandlung, ergänzt durch Physio- und Ergotherapie, konsequenten Sonnenschutz und ein strukturiertes Monitoring. Nach gängigen Empfehlungen und internationalen Leitlinien wird bei aktiver muskulärer Dermatomyositis initial meist ein systemisches Glukokortikoid eingesetzt, z. B. Prednisolon 0,5–1 mg/kgKG/Tag. Bei schwerer Dysphagie, ausgeprägter Muskelschwäche, rascher Progression oder Organbedrohung sind Methylprednisolon-Pulse von 250–1000 mg i.v. täglich für 3 Tage üblich.

    Da eine längere Steroidmonotherapie vermieden werden soll, wird früh ein steroidsparendes Immunsuppressivum kombiniert. Häufig verwendet werden Methotrexat (15–25 mg 1×/Woche plus Folsäure), Azathioprin (2–3 mg/kgKG/Tag) oder Mycophenolat-Mofetil (2–3 g/Tag). Bei ILD, schwerem Verlauf oder refraktärer Erkrankung kommen Tacrolimus oder Ciclosporin in Betracht; bei rasch progredienter ILD auch Cyclophosphamid i.v. nach Schweregrad. Intravenöse Immunglobuline (IVIG) sind wirksam, insbesondere bei therapierefraktärer DM, Dysphagie oder ausgeprägter Haut- und Muskelaktivität; häufiges Schema: 2 g/kgKG pro Zyklus über 2–5 Tage, meist alle 4 Wochen. Auch Rituximab wird bei refraktären Fällen eingesetzt, obwohl die Evidenz differenziert zu bewerten ist.

    Die Hautmanifestationen profitieren zusätzlich von UV-Schutz, topischen Glukokortikoiden oder Calcineurininhibitoren. Bei chronisch kutaner Aktivität werden auch Hydroxychloroquin 200–400 mg/Tag oder Kombinationstherapien verwendet, wobei Hautreaktionen und Augenmonitoring zu beachten sind. Die Behandlung der juvenilen Dermatomyositis erfolgt ebenfalls früh und konsequent, oft mit Kombination aus Steroiden und Methotrexat. Klinisch wichtig sind außerdem Aspirationsprophylaxe, Osteoporoseprophylaxe, Impfstatuskontrolle und Tumorbehandlung bei paraneoplastischer Form.

    Leitlinienrelevant sind die Empfehlungen der DGRh, internationale EULAR/ACR-Prinzipien für idiopathische inflammatorische Myopathien sowie organbezogene Empfehlungen, etwa der ERS/ATS für ILD. Bei Tumorverdacht oder nachgewiesenem Malignom ist eine interdisziplinäre Steuerung mit Onkologie essenziell.

    Merke: Eine aktive Dermatomyositis wird in der Regel früh kombiniert behandelt – Glukokortikoid plus steroidsparendes Immunsuppressivum, nicht monotherapeutisch über Monate.

    Prognose

    Die Prognose der Dermatomyositis hat sich durch frühere Diagnosestellung, Autoantikörperprofilierung und konsequente Immunsuppression deutlich verbessert, bleibt aber heterogen. Viele Patientinnen und Patienten erreichen unter Therapie eine partielle oder vollständige Remission, benötigen jedoch oft über längere Zeit eine Erhaltungstherapie. Die Langzeitprognose hängt wesentlich von Organmanifestationen, insbesondere der interstitiellen Lungenerkrankung, vom Vorliegen eines assoziierten Malignoms, von Dysphagie, kardialer Beteiligung und vom serologischen Subtyp ab.

    Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt in neueren Kohorten häufig bei etwa 75–90 %, variiert aber je nach Schweregrad und Population. Ungünstige Prognosefaktoren sind höheres Alter, männliches Geschlecht, verzögerte Diagnose, ausgeprägte Muskelschwäche, respiratorische Beteiligung und eine rasch progrediente ILD, wie sie insbesondere bei Anti-MDA5-positiver Dermatomyositis vorkommen kann. Bei Erwachsenen beeinflusst zudem eine Tumorassoziation die Mortalität erheblich, weshalb die onkologische Mitbehandlung prognostisch entscheidend ist.

    Funktionell können persistierende Defizite zurückbleiben, etwa eingeschränkte Muskelkraft, Fatigue, Schluckstörungen oder chronische Hautaktivität. Bei juveniler Dermatomyositis sind langfristig Kalzinosen, Gelenkkontrakturen und Wachstumseffekte relevant, gleichzeitig ist die Tumorassoziation dort selten. Ein strukturiertes Follow-up mit klinischer Untersuchung, CK-Verlauf, Organmonitoring und Therapieanpassung verbessert die Prognose und reduziert Schäden durch Erkrankung und Therapie.

    Merke: Die Prognose wird weniger durch die Hautläsionen als durch Lungenbeteiligung, Malignomassoziation und Therapieverzögerung bestimmt.

    Prävention

    Eine spezifische Primärprävention der Dermatomyositis ist nicht bekannt, da die Erkrankung auf einer komplexen autoimmunen Fehlregulation mit bislang nicht vollständig geklärten Auslösern beruht. Klinisch relevant ist daher vor allem die Sekundärprävention von Komplikationen. Dazu gehören ein frühes Erkennen erster Symptome, die rasche rheumatologische oder immunologische Abklärung sowie der konsequente Ausschluss von Lungen- und Tumorbeteiligung.

    Betroffene sollten einen konsequenten Photoprotektionsplan einhalten, da UV-Exposition Hautmanifestationen triggern oder verschlechtern kann. Empfohlen werden breitbandige Sonnenschutzmittel, schützende Kleidung und Meidung intensiver Sonnenexposition. Unter immunsuppressiver Therapie sind die Impfprävention, Osteoporoseprophylaxe, Infektionsmonitoring und kardiovaskuläre Basisprävention wichtig. Regelmäßige Physiotherapie und angepasstes Kraft- bzw. Ausdauertraining helfen, Muskelabbau, Dekonditionierung und Kontrakturen vorzubeugen.

    Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten gehört die alters- und risikoadaptierte Tumorvorsorge zum präventiven Langzeitkonzept, insbesondere in den ersten Jahren nach Diagnosestellung. Eine medikamentenspezifische Prävention existiert nicht, jedoch sollten potenziell myotoxische Substanzen bei unklarer Schwäche kritisch überprüft werden.

    Merke: Die wichtigste „Prävention“ bei Dermatomyositis ist die frühe Diagnosestellung mit konsequentem Organ- und Tumorscreening.

    Komplikationen

    Die Komplikationen der Dermatomyositis betreffen sowohl die Erkrankung selbst als auch ihre Therapie. Besonders gefürchtet ist die interstitielle Lungenerkrankung (ILD), die zu chronischer respiratorischer Einschränkung oder bei rasch progredientem Verlauf zu akuter respiratorischer Insuffizienz führen kann. Klinisch bedeutsam ist außerdem die Dysphagie mit Gefahr von Aspiration, Mangelernährung und rezidivierenden Pneumonien. Eine Beteiligung der Atemmuskulatur kann die respiratorische Situation zusätzlich verschlechtern.

    Kardiale Komplikationen umfassen Myokarditis, Arrhythmien, Reizleitungsstörungen und selten Herzinsuffizienz. In der Skelettmuskulatur können bei unzureichend kontrollierter Entzündung Atrophie, Fibrosierung und dauerhafte Funktionsverluste zurückbleiben. Bei juveniler Dermatomyositis sind Kalzinosen, Hautulzerationen und vaskulopathische gastrointestinale Komplikationen bis hin zu Blutungen oder Perforationen klinisch relevant. Hautseitig können schmerzhafte Ulzera, therapieresistente Exantheme und ausgeprägter Juckreiz die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

    Von hoher praktischer Bedeutung ist die Malignomassoziation der erwachsenen Dermatomyositis. Das Tumorrisiko ist besonders im Zeitraum von etwa 3 Jahren vor bis 3 Jahre nach Diagnosestellung erhöht. Therapiebedingt müssen Infektionen, Steroidnebenwirkungen wie Diabetes, Osteoporose, Gewichtszunahme und Hypertonie, sowie organspezifische Toxizitäten von Immunsuppressiva beachtet werden. Unter Azathioprin sind z. B. Zytopenien und Hepatotoxizität, unter Methotrexat Hepatotoxizität und Pneumonitis, unter Calcineurininhibitoren Nephrotoxizität relevant.

    Merke: Die gefährlichsten Komplikationen sind nicht die Hautveränderungen, sondern ILD, Aspiration, kardiale Beteiligung und assoziierte Malignome.

    Häufige Fragen

    Ist Dermatomyositis heilbar?

    Eine vollständige und dauerhafte Heilung ist nicht immer möglich, aber die Erkrankung ist heute oft gut behandelbar. Mit einer frühen immunsuppressiven Therapie können Entzündung, Muskelschwäche und Hautbefunde häufig deutlich gebessert oder in Remission gebracht werden.

    Ist Dermatomyositis Krebs?

    Nein, Dermatomyositis ist eine Autoimmunerkrankung und kein Krebs. Bei Erwachsenen besteht jedoch ein erhöhtes Risiko, dass gleichzeitig oder zeitnah ein Tumor vorliegt, weshalb gezielte Krebsuntersuchungen zur Diagnostik dazugehören.

    Darf man mit Dermatomyositis Sport machen?

    Ja, aber angepasst und idealerweise unter ärztlicher und physiotherapeutischer Anleitung. Nach Kontrolle der Entzündung sind regelmäßige Kraft- und Ausdauerübungen sinnvoll, weil sie Muskelabbau, Fatigue und Funktionsverlust entgegenwirken können.

    Quellen

    1. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Empfehlungen/Positionspapiere zu idiopathischen inflammatorischen Myopathien und rheumatologischer Therapie.
    2. Lundberg IE, de Visser M, Werth VP. Classification of myositis. Nat Rev Dis Primers / Nat Rev Rheumatol, aktuelle Übersichtsarbeiten zu idiopathischen inflammatorischen Myopathien.
    3. Dalakas MC. Inflammatory Muscle Diseases. N Engl J Med. 2015;372:1734-1747.
    4. Bohan A, Peter JB. Polymyositis and dermatomyositis. N Engl J Med. 1975;292:344-347 und 403-407.
    5. Hochberg MC et al. Rheumatology, 7. Auflage. Elsevier. Kapitel zu idiopathischen inflammatorischen Myopathien.
    6. Herold G. Innere Medizin. Aktuelle Auflage. Kapitel Kollagenosen/Myositiden.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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