🩺 Dermatologie ICD-10: L40

Psoriasis vulgaris: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Psoriasis vulgaris: alles zu Ursachen, typischen Symptomen, Diagnostik und moderner Therapie der Schuppenflechte.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
24. März 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 24. März 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Die Psoriasis vulgaris ist die häufigste Form der Psoriasis und eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Systemerkrankung mit vorwiegender Manifestation an der Haut. Klinisch zeigt sie sich durch scharf begrenzte, erythematöse Plaques mit silbrig-weißer Schuppung, typischerweise an Ellenbogen, Knien, behaarter Kopfhaut und lumbosakral. Neben der Haut können Nägel und im Rahmen einer Psoriasis-Arthritis auch Gelenke betroffen sein; zudem bestehen Assoziationen mit metabolischem Syndrom, Adipositas, kardiovaskulären Erkrankungen und Depression. Die ICD-10-Zuordnung lautet L40, wobei die Psoriasis vulgaris meist der klassischen Plaque-Psoriasis entspricht.

    Die Erkrankung verläuft in der Regel rezidivierend mit individuellen Triggern wie Infektionen, mechanischer Reizung, Stress oder bestimmten Medikamenten. Die Diagnose ist überwiegend klinisch, bei atypischen Befunden kann eine Hautbiopsie sinnvoll sein. Therapeutisch kommen je nach Schweregrad topische Therapien, Phototherapie, klassische Systemtherapeutika sowie zielgerichtete Biologika zum Einsatz.

    Merke: Psoriasis vulgaris ist keine reine Hautkrankheit, sondern eine systemische Entzündungserkrankung mit relevanten Komorbiditäten und potenzieller Gelenkbeteiligung.

    Epidemiologie

    Die Psoriasis gehört zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen in Europa. Die Prävalenz liegt in Mitteleuropa insgesamt bei etwa 2–3 % der Bevölkerung, in Deutschland je nach Erhebung bei ungefähr 2,0–2,5 %. Damit sind mehrere Millionen Menschen in Europa betroffen. Die Psoriasis vulgaris macht mit rund 80–90 % den größten Anteil aller Psoriasisformen aus. Männer und Frauen erkranken insgesamt etwa gleich häufig. Typisch ist eine bimodale Altersverteilung mit einem frühen Erkrankungsgipfel zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr (häufig als Typ-I-Psoriasis bezeichnet) und einem zweiten Gipfel etwa zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

    Familiäre Häufungen sind ausgeprägt: Bei positiver Familienanamnese ist das Erkrankungsrisiko deutlich erhöht; bei einem betroffenen Elternteil liegt das Risiko für Kinder in vielen Kohorten bei ungefähr 10–20 %, bei zwei betroffenen Eltern deutlich höher. Eine Nagelbeteiligung findet sich bei etwa 40–50 % der Patienten im Verlauf, bei bestehender Psoriasis-Arthritis sogar häufiger. Eine Psoriasis-Arthritis entwickelt sich bei ungefähr 20–30 % der Psoriasispatienten. Zu den häufigen Begleiterkrankungen zählen Adipositas, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes mellitus Typ 2 und depressive Störungen.

    Gesundheitsökonomisch ist die Erkrankung bedeutsam, da mittelgradige bis schwere Verläufe mit deutlicher Einschränkung der Lebensqualität, Arbeitsunfähigkeit und erhöhtem Behandlungsaufwand einhergehen.

    Merke: Etwa jeder 40. bis 50. Erwachsene in Mitteleuropa ist von Psoriasis betroffen; die Plaque-Psoriasis ist mit Abstand die häufigste Form.

    Ätiologie

    Die Ätiologie der Psoriasis vulgaris ist multifaktoriell und beruht auf dem Zusammenspiel von genetischer Prädisposition, immunologischer Fehlregulation und exogenen Triggerfaktoren. Genetisch ist insbesondere die Assoziation mit dem HLA-C*06:02-Locus (früher HLA-Cw6) gut belegt, vor allem bei frühem Erkrankungsbeginn. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Risikogene beschrieben, die die Antigenpräsentation, epidermale Barrierefunktion und Zytokinregulation betreffen.

    Zu den klinisch relevanten Triggern zählen insbesondere Infektionen – klassisch Streptokokkeninfektionen bei guttater Psoriasis –, mechanische Reize im Sinne des Köbner-Phänomens, psychischer Stress, Rauchen und Alkoholkonsum. Auch Adipositas fördert Entzündung und Therapieresistenz. Mehrere Medikamente können Psoriasis neu auslösen oder verschlechtern, darunter Lithium, Betablocker, Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin, Interferone, teils auch Terbinafin sowie der Entzug systemischer Glukokortikoide. Bei einigen Patienten treten Schübe saisonal gehäuft auf, oft im Winter bei verminderter UV-Exposition.

    Die Psoriasis ist nicht infektiös und nicht ansteckend. Ernährung ist kein alleiniger Auslöser, kann aber über Gewichtsveränderungen und entzündungsmodulierende Effekte relevant sein. Insgesamt erklärt kein Einzelfaktor das Krankheitsbild; vielmehr entsteht die Erkrankung bei genetisch prädisponierten Personen durch eine überschießende Immunantwort auf innere oder äußere Reize.

    Merke: Wichtige auslösende oder verstärkende Faktoren sind Streptokokkeninfekte, Hauttrauma, Stress, Rauchen, Adipositas und bestimmte Medikamente.

    Pathogenese

    Pathophysiologisch handelt es sich bei der Psoriasis vulgaris um eine T-Zell-vermittelte, dendritische Zell- und Zytokin-getriebene Entzündung. Zentral ist die Aktivierung der IL-23/Th17-Achse. Durch genetische Prädisposition und Trigger kommt es in der Haut zur Aktivierung dendritischer Zellen, die unter anderem IL-23, TNF-α und IL-12 freisetzen. Diese Zytokine fördern die Expansion und Aktivierung von Th17- und Th1-Zellen. In der Folge werden IL-17A, IL-17F, IL-22 und weitere Mediatoren gebildet, die Keratinozyten aktivieren.

    Die Keratinozyten proliferieren stark beschleunigt: Während die epidermale Turnover-Zeit physiologisch etwa 28 Tage beträgt, ist sie bei Psoriasis auf ungefähr 3–5 Tage verkürzt. Dadurch entstehen die charakteristische Akanthose, Parakeratose und die klinisch sichtbare Schuppung. Gleichzeitig werden antimikrobielle Peptide, Chemokine und weitere Entzündungsmediatoren freigesetzt, wodurch ein selbstverstärkender inflammatorischer Kreislauf entsteht. Histologisch zeigen sich unter anderem verlängerte Reteleisten, verdünnte suprapapilläre Epidermis, dilatierte Kapillaren in den Dermalpapillen und Munro-Mikroabszesse.

    Die systemische Entzündungsaktivität erklärt die Assoziation mit Psoriasis-Arthritis, Insulinresistenz, atherosklerotischer Gefäßschädigung und anderen Komorbiditäten. Die hohe Wirksamkeit von TNF-, IL-17- und IL-23-Inhibitoren bestätigt die pathogenetische Schlüsselrolle dieser Signalwege.

    Merke: Die Psoriasis ist eine IL-23/Th17-dominierte Entzündung, die zu einer drastisch beschleunigten Keratinozytenproliferation und systemischer Inflammation führt.

    Symptome

    Leitsymptom der Psoriasis vulgaris sind chronisch-rezidivierende, scharf begrenzte erythematöse Plaques mit silbrig-weißer, fest haftender Schuppung. Bevorzugte Prädilektionsstellen sind die Streckseiten von Ellenbogen und Knien, die behaarte Kopfhaut, die Glutealregion und die lumbosakrale Region. Die Herde sind häufig symmetrisch verteilt. Viele Patienten berichten über Juckreiz, der in neueren Studien bei mehr als der Hälfte der Betroffenen vorkommt; klassisch gilt Psoriasis aber nicht primär als reine Juckreizdermatose. Schmerzen, Brennen und Spannungsgefühl können zusätzlich auftreten, insbesondere bei Fissuren oder intertriginöser Beteiligung.

    Klinisch typische Zeichen sind das Kerzenwachsphänomen, das Phänomen des letzten Häutchens und der Auspitz-Phänomen mit punktförmiger Blutung nach Schuppenablösung. Eine Nagelpsoriasis äußert sich durch Tüpfelnägel, Ölflecke, Onycholyse, subunguale Hyperkeratose und Krümelnägel. Die Kopfhautpsoriasis kann isoliert oder zusammen mit anderen Herden bestehen und wird wegen der Schuppung oft mit seborrhoischem Ekzem verwechselt.

    Wichtig sind systemische und extrakutane Symptome: Morgensteifigkeit, schmerzhafte geschwollene Gelenke, Daktylitis oder Fersenschmerz können auf eine Psoriasis-Arthritis hinweisen. Psychosoziale Belastung, Scham, Schlafstörungen und depressive Symptome sind häufig und klinisch relevant. Bei schweren Verläufen können großflächige Entzündung, Erythrodermie oder pustulöse Schübe auftreten.

    Merke: Typisch sind scharf begrenzte, silbrig schuppende Plaques an Streckseiten und Kopfhaut; Nagelveränderungen und Gelenkbeschwerden aktiv erfragen.

    Diagnostik

    Die Diagnose der Psoriasis vulgaris ist primär eine klinische Diagnose. Entscheidende Elemente sind Anamnese, Morphologie, Lokalisation und Verlauf. Erfragt werden sollten familiäre Belastung, Triggerfaktoren, vorangegangene Infekte, Medikamentenanamnese, Juckreiz, Gelenkbeschwerden sowie Komorbiditäten wie Adipositas, Hypertonie, Diabetes, Depression und Nikotinkonsum. Klinisch wegweisend sind die typischen erythematosquamösen Plaques an Prädilektionsstellen sowie Zeichen wie Köbner-Phänomen und psoriasistypische Nagelveränderungen.

    Der Goldstandard ist in der Praxis meist die klinische Beurteilung durch den Dermatologen; eine Hautbiopsie ist nur bei atypischem Befund, Therapieversagen oder unklarer Differenzialdiagnose erforderlich. Histologisch finden sich Akanthose, Parakeratose, neutrophile Mikroabszesse und Gefäßdilatation. Zur Schweregradbeurteilung werden der PASI (Psoriasis Area and Severity Index), die befallene Körperoberfläche (BSA) und der DLQI (Dermatology Life Quality Index) eingesetzt. Als mittelgradig bis schwer gelten häufig BSA > 10 %, PASI > 10 oder DLQI > 10, wobei auch funktionell oder psychosozial stark belastende Lokalisationen wie Hände, Genitale oder Kopfhaut relevant sind.

    Labordiagnostik ist nicht zur Primärdiagnose nötig, aber vor Systemtherapie essenziell: BB, CRP, Leber- und Nierenwerte, Serologien auf Hepatitis B/C und ggf. HIV, Tuberkulose-Screening vor Biologika, Schwangerschaftsausschluss bei teratogenen Substanzen. Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis sind rheumatologische Mitbeurteilung, Sonografie, MRT oder Röntgen sinnvoll.

    Merke: Die Psoriasis vulgaris wird meist klinisch diagnostiziert; PASI, BSA und DLQI steuern die Therapieentscheidung.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigsten Differenzialdiagnosen hängen von Lokalisation und Morphologie ab. Sehr häufig ist die Abgrenzung zum seborrhoischen Ekzem, insbesondere bei Kopfhaut- und Gesichtsbefall. Beim seborrhoischen Ekzem sind die Schuppen meist feiner und fettiger, die Ränder weniger scharf und typische Streckseitenplaques fehlen. Ebenfalls relevant ist das atopische Ekzem, das eher mit starkem Juckreiz, Beugebetonung und unschärfer begrenzten Ekzemen einhergeht. Bei einzelnen runden, schuppenden Herden sollte an Tinea corporis gedacht werden; hier helfen Pilzdiagnostik mittels Direktpräparat oder Kultur. Die Pityriasis rosea zeigt typischerweise ein „Primärmedaillon“ und entlang der Spaltlinien orientierte Läsionen.

    Bei stärker infiltrierten Plaques müssen Lichen ruber planus, nummuläres Ekzem, chronische kutane Lupusformen und sekundäre Syphilis berücksichtigt werden. Eine besondere onkologische Differenzialdiagnose ist die Mycosis fungoides im Patch-/Plaque-Stadium, vor allem bei atypischen, therapieresistenten oder asymmetrischen Befunden. Intertriginöse Läsionen können einer Candida-Intertrigo oder Erythrasma ähneln. Nagelveränderungen müssen gegen Onychomykose abgegrenzt werden; nicht selten besteht beides gleichzeitig, weshalb eine mykologische Diagnostik sinnvoll sein kann.

    Bei pustulösen oder erythrodermischen Verläufen sind schwere Arzneimittelexantheme, AGEP, bakterielle Superinfektionen und andere Ursachen der Erythrodermie differenzialdiagnostisch wichtig. Die sorgfältige Differenzialdiagnostik ist entscheidend, da Systemtherapien nur bei gesicherter Diagnose eingeleitet werden sollten.

    Merke: Häufigste klinische Verwechslungen sind seborrhoisches Ekzem, atopisches Ekzem und Dermatophytose; atypische oder therapieresistente Verläufe gehören biopsiert.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Schweregrad, Lokalisation, Komorbiditäten, Gelenkbeteiligung und Lebensqualitätsbeeinträchtigung. Maßgeblich sind die Empfehlungen der AWMF-S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris sowie europäische Empfehlungen der EuroGuiDerm. Grundlage jeder Behandlung ist eine konsequente Basistherapie mit rückfettenden Externa und Keratolyse, z. B. Urea 5–10 % oder Salicylsäure 2–5 % in geeigneten Rezepturen. Bei leichter Psoriasis sind topische Kortikosteroide Mittel der ersten Wahl, häufig in Kombination mit Vitamin-D3-Analoga. Bewährt ist z. B. Calcipotriol/Betamethason Gel oder Schaum 1-mal täglich. Alternativ kommen Calcitriol, Dithranol oder topische Calcineurininhibitoren in empfindlichen Arealen off-label bzw. lokal begründet in Betracht.

    Bei mittelgradiger bis schwerer Psoriasis werden Phototherapie und/oder Systemtherapie eingesetzt. Die NB-UVB-311-nm-Phototherapie ist wirksam, PUVA wird wegen Langzeitrisiken selektiver genutzt. Konventionelle Systemtherapeutika sind Methotrexat meist 7,5–15 mg 1-mal wöchentlich, steigerbar bis 25 mg/Woche plus Folsäure 5 mg an einem folgetagigen Schema; Fumarsäureester/Dimethylfumarat einschleichend bis individuell verträglicher Dosis; Ciclosporin etwa 2,5–5 mg/kgKG/Tag; Acitretin häufig 10–30 mg/Tag, besonders bei pustulösen Formen. Systemische Glukokortikoide sind bei chronischer Plaque-Psoriasis wegen Rebound- und Pustelrisiko in der Regel nicht empfohlen.

    Biologika sind bei unzureichendem Ansprechen oder Kontraindikationen hochwirksam. Dazu zählen TNF-Inhibitoren (z. B. Adalimumab), IL-17-Inhibitoren (z. B. Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab) und IL-23-Inhibitoren (z. B. Guselkumab, Risankizumab, Tildrakizumab). Auch Apremilast als PDE-4-Inhibitor ist eine Option. Vor Systemtherapie sind Infektionsscreening, Impfstatus und Laborbasisdiagnostik obligat. Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis ist die interdisziplinäre Kooperation mit Rheumatologie wesentlich.

    Merke: Leichte Psoriasis wird meist topisch, mittelgradige bis schwere Psoriasis häufig systemisch oder mit Biologika behandelt; systemische Steroide sind in der Regel zu vermeiden.

    Prognose

    Die Psoriasis vulgaris ist meist eine lebenslange, chronisch-rezidivierende Erkrankung mit individuell stark variierendem Verlauf. Eine definitive Heilung ist derzeit nicht möglich, jedoch lässt sich bei einem großen Teil der Patienten mit moderner Therapie eine nahezu erscheinungsfreie Haut erreichen. Der Verlauf reicht von wenigen, intermittierenden Plaques bis zu ausgedehnten, therapiebedürftigen Formen. Ein früher Erkrankungsbeginn, positive Familienanamnese, Nagelbeteiligung und Komorbiditäten können mit schwereren Verläufen assoziiert sein. Auch Adipositas, Rauchen und schlechte Therapieadhärenz verschlechtern die Langzeitkontrolle.

    Unter konsequenter Therapie sind die heutigen Erfolgsaussichten deutlich besser als noch vor zwei Jahrzehnten. In klinischen Studien erreichen moderne IL-17- und IL-23-Inhibitoren bei vielen Patienten PASI-90- oder sogar PASI-100-Ansprechraten. Prognostisch bedeutsam ist nicht nur die Haut, sondern auch die Erfassung systemischer Manifestationen. Unbehandelte oder unzureichend kontrollierte Psoriasis geht mit erhöhter Krankheitslast, sozialer Stigmatisierung, Arbeitsunfähigkeit sowie einer erhöhten Prävalenz kardiometabolischer Risikofaktoren einher.

    Die Lebensqualität kann trotz objektiv begrenzter Hautausdehnung stark eingeschränkt sein, insbesondere bei Befall von Kopfhaut, Gesicht, Genitalregion, Handflächen oder Fußsohlen. Eine regelmäßige Verlaufsbeurteilung mit PASI/BSA/DLQI und Komorbiditätsscreening verbessert die Prognose. Insgesamt ist die Prognose unter leitliniengerechter, individualisierter Therapie heute gut, sofern Begleiterkrankungen früh erkannt und mitbehandelt werden.

    Merke: Die Psoriasis ist meist nicht heilbar, aber sehr gut kontrollierbar; die Prognose verbessert sich wesentlich durch frühe, konsequente und komorbiditätsorientierte Therapie.

    Prävention

    Eine spezifische Primärprävention der Psoriasis vulgaris existiert wegen der starken genetischen Komponente nicht. Sinnvoll ist jedoch die Vermeidung bekannter Triggerfaktoren und die Optimierung modifizierbarer Risiken. Dazu zählen Rauchstopp, Reduktion von Alkoholkonsum, Gewichtsnormalisierung bei Adipositas und eine gute Hautpflege zur Stabilisierung der Barrierefunktion. Mechanische Reize, Druck und Kratzen sollten möglichst vermieden werden, da sie das Köbner-Phänomen auslösen können. Infektionen, insbesondere im HNO-Bereich, sollten adäquat behandelt werden.

    Vor allem bei bereits erkrankten Patienten ist die Sekundärprävention relevant: regelmäßige Hautpflege, frühzeitige Behandlung neuer Plaques, Impfstatuskontrolle vor immunsuppressiver Therapie, Adhärenzförderung und das Management von Stress. Auch die Prüfung potenziell auslösender Medikamente ist sinnvoll. Darüber hinaus sollten kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes systematisch erfasst und behandelt werden.

    Merke: Eine echte Vorbeugung ist nicht möglich, aber Rauchverzicht, Gewichtsreduktion, Triggerkontrolle und konsequente Hautpflege können Schübe und Krankheitslast reduzieren.

    Komplikationen

    Zu den wichtigsten Komplikationen zählt die Psoriasis-Arthritis, die bei etwa 20–30 % der Betroffenen auftritt und unbehandelt zu bleibenden Gelenkschäden, Funktionseinschränkung und Arbeitsunfähigkeit führen kann. Warnzeichen sind Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit, Daktylitis, Enthesitis und Rückenschmerzen. Eine weitere schwere Komplikation ist die erythrodermische Psoriasis, bei der große Teile der Körperoberfläche entzündet sind; sie kann mit Störung der Thermoregulation, Flüssigkeitsverlust, Proteinverlust und Infektionsrisiko einhergehen. Auch generalisierte pustulöse Verläufe sind potenziell lebensbedrohlich.

    Häufig sind sekundäre Infektionen, Fissuren und funktionelle Einschränkungen, insbesondere bei palmoplantarer Beteiligung. Nagelpsoriasis kann erhebliche Alltagsbeeinträchtigung und Schmerz verursachen. Klinisch sehr relevant sind die systemischen Komorbiditäten: Adipositas, metabolisches Syndrom, Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes sind bei Psoriasispatienten häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Mehrere Studien zeigen zudem eine erhöhte Rate kardiovaskulärer Ereignisse, insbesondere bei schwerer Psoriasis. Psychische Komplikationen wie Depression, Angststörungen, soziale Isolation und Suizidgedanken dürfen nicht unterschätzt werden.

    Auch therapieassoziierte Komplikationen sind zu beachten, etwa Hepatotoxizität unter Methotrexat, Nephrotoxizität und Hypertonie unter Ciclosporin, Teratogenität unter Acitretin und Infektionsrisiken unter Biologika. Daher sind sorgfältige Aufklärung, Monitoring und interdisziplinäre Betreuung essenziell.

    Merke: Die bedeutendsten Komplikationen sind Psoriasis-Arthritis, schwere generalisierte Verläufe, kardiometabolische Folgeerkrankungen und psychische Belastungen.

    Häufige Fragen

    Ist Psoriasis ansteckend?

    Nein. Psoriasis ist nicht infektiös und kann weder durch Berührung noch über gemeinsam benutzte Gegenstände übertragen werden. Es handelt sich um eine immunvermittelte, teils genetisch begünstigte Erkrankung.

    Kann Schuppenflechte vollständig geheilt werden?

    Eine dauerhafte Heilung ist derzeit meist nicht möglich. Mit moderner Therapie, insbesondere durch gezielte Systemtherapien und Biologika, können viele Patienten aber über lange Zeit nahezu oder vollständig erscheinungsfrei werden.

    Wann sollte bei Psoriasis an Gelenkbeteiligung gedacht werden?

    Bei Morgensteifigkeit, geschwollenen oder schmerzhaften Gelenken, Wurstfingern, Fersenschmerzen oder Rückenschmerzen sollte an eine Psoriasis-Arthritis gedacht werden. In diesem Fall ist eine frühzeitige rheumatologische Abklärung wichtig, um bleibende Schäden zu verhindern.

    Quellen

    1. AWMF S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris, aktuelle Fassung, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) / Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD)
    2. Nast A, Smith C, Spuls PI et al. EuroGuiDerm Guideline on the systemic treatment of psoriasis vulgaris. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020
    3. Griffiths CEM, Armstrong AW, Gudjonsson JE, Barker JNWN. Psoriasis. Lancet. 2021
    4. Boehncke WH, Schön MP. Psoriasis. Lancet. 2015
    5. Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, aktuelle Auflage
    6. S2k-/EULAR-/GRAPPA-Empfehlungen zur Psoriasis-Arthritis, aktuelle Fassungen
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 24. März 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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