Atopische Dermatitis: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie
Atopische Dermatitis: Symptome, Ursachen, Diagnostik und Therapie des atopischen Ekzems nach aktuellen Leitlinien.
Definition
Die atopische Dermatitis (AD) ist eine chronisch-rezidivierende, entzündliche Hauterkrankung mit starkem Pruritus, typischer altersabhängiger Ekzemlokalisation und häufig assoziierter Atopie. Sie gehört zum atopischen Formenkreis und ist durch eine Kombination aus gestörter Hautbarriere, immunologischer Dysregulation und genetischer Prädisposition gekennzeichnet. Klinisch wechseln sich akute exsudative, subakute erythematös-schuppende und chronisch lichenifizierte Stadien ab. Die Diagnose ist primär klinisch und stützt sich auf Morphologie, Verteilungsmuster, Juckreiz und Anamnese.
Merke: Leitsymptom der atopischen Dermatitis ist der Juckreiz; ein Ekzem ohne Juckreiz sollte immer an eine Differentialdiagnose denken lassen.
Epidemiologie
Die atopische Dermatitis zählt zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen weltweit. In industrialisierten Ländern liegt die Lebenszeitprävalenz bei Kindern etwa bei 15–20 %, bei Erwachsenen bei ungefähr 2–10 %. In Deutschland wird die Punktprävalenz im Kindesalter meist mit etwa 10–15 % angegeben; viele Patienten zeigen einen Beginn bereits im ersten Lebensjahr, häufig zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat. Rund 45 % der Fälle manifestieren sich innerhalb der ersten 6 Lebensmonate, etwa 60 % im ersten Lebensjahr und bis zu 85 % vor dem 5. Lebensjahr.
Die Erkrankung verläuft oft schubweise. Bei einem relevanten Anteil kommt es im Schulalter zu einer Besserung, dennoch persistiert die Erkrankung bei 30–50 % zumindest intermittierend bis ins Erwachsenenalter. Erwachsene mit persistierender oder spät beginnender AD leiden häufig unter stärkerer Hand-, Kopf-Hals- oder chronisch lichenifizierter Symptomatik. Eine familiäre Atopieanamnese erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich; bei einem atopischen Elternteil ist das Risiko des Kindes erhöht, bei zwei betroffenen Eltern nochmals ausgeprägter.
Die Krankheitslast ist erheblich: Schlafstörungen, psychosoziale Belastung, Arbeitsunfähigkeit und erhöhte Komorbiditätsraten sind klinisch relevant. Zudem besteht eine Assoziation mit Asthma bronchiale, allergischer Rhinokonjunktivitis, Nahrungsmittelallergien und anderen atopischen Erkrankungen im Sinne des sogenannten atopischen Marsches.
Merke: Die atopische Dermatitis beginnt meist früh im Kindesalter, kann aber auch bis ins Erwachsenenalter persistieren oder neu auftreten.
Ätiologie
Die Ätiologie der atopischen Dermatitis ist multifaktoriell. Zentral sind genetische Faktoren, insbesondere Störungen der epidermalen Barriere, immunologische Fehlregulation sowie Umweltfaktoren. Zu den am besten untersuchten genetischen Risikofaktoren gehören Loss-of-function-Mutationen im Filaggrin-Gen (FLG). Filaggrin ist wesentlich für die Ausbildung des Stratum corneum und den Natural Moisturizing Factor. FLG-Mutationen erhöhen das Risiko für trockene Haut, frühe Manifestation, schwerere Verläufe und eine erhöhte Sensibilisierungsneigung.
Immunologisch dominiert insbesondere in akuten Läsionen eine Typ-2-Entzündung mit erhöhter Aktivität von IL-4, IL-13 und IL-31. Daneben spielen im chronischen Verlauf auch weitere Achsen, etwa Th22- und Th1-vermittelte Mechanismen, eine Rolle. Exogene Trigger sind individuell verschieden und umfassen Irritantien wie Wolle, häufiges Waschen, Tenside und Schweiß, außerdem klimatische Faktoren, psychischen Stress, mikrobielle Kolonisation, aeroallergene oder nutritive Trigger sowie selten echte Nahrungsmittelallergien als Schubverstärker.
Wichtig ist die Abgrenzung zwischen Korrelation und Kausalität: Nicht jede positive Sensibilisierung ist klinisch relevant. Auch eine Dysbiose mit vermehrter Besiedlung durch Staphylococcus aureus trägt zur Entzündungsverstärkung bei. Bei vielen Betroffenen finden sich zusätzlich trockene Haut, Ichthyosis vulgaris, erhöhte IgE-Spiegel oder andere atopische Erkrankungen.
Merke: Die atopische Dermatitis ist keine reine Allergieerkrankung, sondern eine Barriere- und Immunerkrankung mit individuell variablen Triggern.
Pathogenese
Pathogenetisch beruht die atopische Dermatitis auf einem Teufelskreis aus Barrierefunktionsstörung, Entzündung, Mikrobiomveränderung und Juckreiz-Kratz-Reaktion. Eine defekte epidermale Barriere führt zu erhöhtem transepidermalem Wasserverlust, trockener Haut und erleichterter Penetration von Reizstoffen, Allergenen und Mikroorganismen. Strukturelle Defekte betreffen unter anderem Filaggrin, Lipidzusammensetzung und Tight Junctions.
Die gestörte Barriere fördert die Aktivierung angeborener und adaptiver Immunantworten. In der akuten Phase überwiegt eine Typ-2-Immunantwort mit Zytokinen wie IL-4, IL-13 und IL-31, die Entzündung, Juckreiz und weitere Barriereschädigung verstärken. IL-31 ist besonders mit dem Pruritus assoziiert. Chronische Läsionen zeigen zusätzlich eine Verdickung der Haut und Lichenifikation durch persistente Entzündung und mechanisches Kratzen.
Ein weiterer wichtiger pathogenetischer Faktor ist die Kolonisation mit Staphylococcus aureus, die bei vielen Patienten deutlich häufiger nachweisbar ist als bei Gesunden. Bakterielle Superantigene und proteolytische Enzyme können Entzündungen verstärken. Gleichzeitig verändert die Dysbiose die mikrobielle Diversität der Haut. Der Juckreiz führt zum Kratzen, das wiederum Barriere und Entzündung weiter verschlechtert – der klassische itch-scratch cycle.
Die moderne Therapie zielt deshalb auf mehrere Ebenen: Barriereaufbau, antientzündliche Behandlung, Juckreizkontrolle und bei schweren Verläufen zielgerichtete Immunmodulation.
Merke: Der klinische Verlauf wird wesentlich durch den Juckreiz-Kratz-Zyklus bestimmt; jede wirksame Therapie muss diesen durchbrechen.
Symptome
Das klinische Leitsymptom der atopischen Dermatitis ist ein oft quälender, chronischer oder schubweise auftretender Juckreiz, der typischerweise nachts zunimmt und zu Schlafstörungen führt. Die Hautveränderungen variieren je nach Alter, Krankheitsstadium und Schweregrad. Bei Säuglingen finden sich häufig erythematöse, nässende, krustige Ekzeme an Wangen, Stirn, behaartem Kopf, Streckseiten und Rumpf, während die Windelregion oft ausgespart bleibt. Im Kindesalter dominieren Ekzeme an den Beugeseiten von Ellenbogen und Kniekehlen, an Handgelenken, Hals und Knöcheln. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind häufig Beugeseiten, Hände, Hals, Gesicht, Augenlider und die Kopf-Hals-Region betroffen.
Morphologisch zeigen sich je nach Stadium Erythem, Papeln, Vesikel, Exsudation, Schuppung, Exkoriationen, Krusten und bei chronischem Verlauf Lichenifikation. Häufig besteht eine ausgeprägte Xerosis cutis. Typische Begleitbefunde sind Dennie-Morgan-Falten, periorbitale Hyperpigmentierung, weißer Dermographismus, Pityriasis alba, Keratosis pilaris und palmare Hyperlinearität.
Begleitsymptome und Folgen betreffen weit mehr als die Haut: Schlafmangel, Konzentrationsstörungen, psychosozialer Stress, Angst, depressive Symptome und Einschränkungen der Lebensqualität sind häufig. Klinisch wichtig sind zudem Zeichen einer Superinfektion wie Honiggelbe Krusten, Pusteln, Schmerz, Fieber oder plötzliche Verschlechterung.
Merke: Die altersabhängige Verteilung der Ekzeme und der obligate Pruritus sind klinisch besonders richtungsweisend.
Diagnostik
Die Diagnostik der atopischen Dermatitis ist in erster Linie klinisch. Einen einzelnen beweisenden Laborwert gibt es nicht. Grundlage sind Anamnese, Inspektion der Haut, Schubcharakter, Pruritus, persönliche und familiäre Atopieanamnese sowie die typische altersabhängige Lokalisation. In der Praxis orientiert man sich häufig an den Hanifin-und-Rajka-Kriterien oder den UK Working Party Criteria. Der "Goldstandard" ist daher nicht eine einzelne apparative Untersuchung, sondern die erfahrene klinische Diagnose anhand typischer Kriterien.
Zur Erfassung des Schweregrads werden standardisierte Scores eingesetzt, insbesondere SCORAD, EASI, POEM und die numerische Ratingskala für Juckreiz. Diese sind insbesondere für Verlaufskontrolle und systemische Therapien relevant. Laboruntersuchungen können ergänzend sinnvoll sein, sind aber unspezifisch: Gesamt-IgE ist oft erhöht, aber weder sensitiv noch spezifisch; Eosinophilie kann vorkommen. Bei Verdacht auf allergische Trigger können spezifisches IgE, Pricktest oder bei Spätreaktionen ein Atopie-Patch-Test erwogen werden. Entscheidend ist jedoch die klinische Relevanz; Sensibilisierung allein beweist keine Krankheitsursache.
Bei therapierefraktären, atypischen oder lokalisierten Befunden sollte an Kontaktallergien gedacht und eine Epikutantestung durchgeführt werden. Eine mikrobiologische Diagnostik ist bei Verdacht auf bakterielle oder virale Superinfektion indiziert. Eine Hautbiopsie ist nur selten nötig, etwa bei unklarer Diagnose oder Verdacht auf kutanes T-Zell-Lymphom.
Merke: IgE-Werte bestätigen die Diagnose nicht; entscheidend bleibt das klinische Bild.
Differentialdiagnosen
Die wichtigsten Differentialdiagnosen richten sich nach Alter, Lokalisation und Morphologie. Im Säuglingsalter müssen vor allem seborrhoisches Ekzem, Skabies, Psoriasis, Nummuläres Ekzem, Impetigo contagiosa, Kontaktdermatitis und seltene primäre Immundefekte bedacht werden. Das seborrhoische Ekzem beginnt ebenfalls früh, ist aber typischerweise weniger juckend, betrifft häufig Kopfhaut, Gesicht und Intertrigines und zeigt eher fettige Schuppen. Skabies verursacht meist ausgeprägten nächtlichen Pruritus mit Befall von Fingerzwischenräumen, Handgelenken, Genitale und bei Säuglingen oft auch Handflächen und Fußsohlen.
Bei Kindern und Erwachsenen sind insbesondere allergische oder irritative Kontaktdermatitis, Psoriasis vulgaris, dyshidrosiformes Ekzem, Tinea corporis, Tinea faciei, Rosazea, periorale Dermatitis, kutane Arzneimittelexantheme und das chronische Handekzem wichtige Differenzialdiagnosen. Im Gesicht und an den Augenlidern müssen zusätzlich Aeroallergen-assoziierte Reaktionen oder Kontaktallergien gegen Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Kosmetika ausgeschlossen werden.
Bei therapierefraktären oder atypisch lichenifizierten Befunden im Erwachsenenalter ist an ein kutanes T-Zell-Lymphom, insbesondere Mycosis fungoides, zu denken. Auch Dermatitis herpetiformis Duhring, Ichthyosen, Hyper-IgE-Syndrom oder andere genetische Barriereerkrankungen können klinisch ähnlich imponieren.
Merke: Eine vermeintliche atopische Dermatitis, die nicht juckt, nicht auf Standardtherapie anspricht oder ungewöhnlich lokalisiert ist, sollte diagnostisch hinterfragt werden.
Therapie
Die Therapie erfolgt stufenweise entsprechend Schweregrad und Lokalisation und orientiert sich an der AWMF-S2k-Leitlinie Atopische Dermatitis sowie internationalen Empfehlungen. Fundament jeder Behandlung ist die Basistherapie mit konsequenter Hautpflege: tägliche Anwendung von Emollienzien mit hohem Lipidanteil, bei ausgeprägter Xerosis mehrfach täglich. Bade- und Duschzeiten sollten kurz sein, reizende Tenside vermieden werden. In entzündlichen Schüben kommen topische Glukokortikosteroide zum Einsatz, z. B. Hydrocortison 0,5–1 % im Gesicht bzw. bei Säuglingen oder mittelstarke bis starke Steroide wie Mometasonfuroat 0,1 % 1× täglich für wenige Tage bis Wochen an Stamm und Extremitäten. Zur steroid-sparenden Therapie eignen sich topische Calcineurininhibitoren: Tacrolimus 0,03 % (Kinder) bzw. 0,1 % (Erwachsene) oder Pimecrolimus 1 % besonders im Gesicht, an Lidern und Intertrigines.
Bei moderater bis schwerer AD und unzureichendem Ansprechen auf topische Therapie sind Phototherapie und vor allem systemische Therapien indiziert. Leitlinienrelevant sind heute Biologika und JAK-Inhibitoren. Dupilumab wird bei Erwachsenen meist mit 600 mg Initialdosis, dann 300 mg alle 2 Wochen s.c. gegeben; bei Kindern und Jugendlichen erfolgt die Dosierung gewichtsadaptiert. Tralokinumab ist für Erwachsene mit moderater bis schwerer AD ebenfalls zugelassen. Orale JAK-Inhibitoren wie Upadacitinib oder Abrocitinib können bei geeigneten Patienten hochwirksam sein, erfordern aber sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Klassische systemische Therapieoptionen umfassen Ciclosporin mit etwa 3–5 mg/kgKG/Tag; sie ist wirksam, aber nephrotoxisch und blutdrucksteigernd. Systemische Glukokortikosteroide sollten nur kurzfristig als Bridging eingesetzt werden.
Antihistaminika wirken auf das Ekzem selbst nur begrenzt; sedierende Präparate können im Einzelfall kurzfristig bei Schlafstörung hilfreich sein. Bei klinischer Infektion sind antiseptische Maßnahmen oder gezielte Antibiotika indiziert, jedoch keine routinemäßige Dauerantibiose. Triggervermeidung, Patientenschulung und Adhärenzförderung sind essenziell.
Merke: Die Basistherapie mit Emollienzien ist bei jeder Schwereform obligat; bei schwerer AD sind heute Biologika und JAK-Inhibitoren leitliniengerecht wichtige Optionen.
Prognose
Die Prognose der atopischen Dermatitis ist insgesamt variabel, aber oft günstiger, als von Betroffenen befürchtet. Viele Kinder erfahren im Verlauf eine deutliche Besserung; bei einem erheblichen Anteil kommt es bis zur Adoleszenz zu langen symptomarmen Phasen. Dennoch persistiert die Erkrankung bei 30–50 % zumindest intermittierend bis ins Erwachsenenalter. Ungünstige Prognosefaktoren sind früher Beginn, schwerer initialer Verlauf, ausgeprägte Xerosis, Filaggrin-Mutationen, hohe entzündliche Aktivität, Begleitallergien, Asthma, Handekzeme und starker psychosozialer Stress.
Die Krankheitskontrolle hat sich in den letzten Jahren durch zielgerichtete Therapien deutlich verbessert. Mit einer strukturierten Behandlung aus Hautpflege, Triggerreduktion, topischer antientzündlicher Therapie und bei Bedarf moderner Systemtherapie lassen sich bei vielen Patienten deutliche Verbesserungen von EASI, Juckreiz und Lebensqualität erzielen. Unter Biologika und JAK-Inhibitoren erreichen in Studien relevante Anteile eine 75%ige Verbesserung des EASI (EASI-75) oder mehr.
Prognostisch bedeutsam ist nicht nur die Hautbefundschwere, sondern auch die Belastung durch Schlafstörung, soziale Einschränkung und psychische Komorbidität. Unbehandelte oder unzureichend behandelte Verläufe begünstigen Chronifizierung, Lichenifikation und Infektionen. Bei adäquater Langzeitstrategie ist jedoch häufig eine gute Symptomkontrolle möglich.
Merke: Die atopische Dermatitis ist oft chronisch, aber heute in vielen Fällen gut kontrollierbar; therapeutisches Ziel ist die langfristige Krankheitskontrolle, nicht nur die Schubbehandlung.
Prävention
Eine sichere Primärprävention der atopischen Dermatitis existiert nicht, jedoch gibt es Maßnahmen zur Reduktion von Triggern und zur Rezidivprophylaxe. Für Risikokinder werden allgemeine präventive Empfehlungen wie rauchfreie Umgebung, Vermeidung unnötiger Hautirritationen und eine altersgerechte Hautpflege gegeben. Die Datenlage zur primären Prävention durch frühe Emollienzien-Anwendung ist nicht einheitlich; eine generelle Empfehlung zur sicheren Verhinderung der Erkrankung lässt sich derzeit nicht ableiten.
Sekundärpräventiv ist die konsequente Basistherapie entscheidend. Regelmäßige Anwendung von rückfettenden Externa stabilisiert die Barriere und kann Schubfrequenz und Steroidbedarf senken. Zusätzlich ist eine individuelle Triggerkontrolle sinnvoll: milde Reinigungsprodukte, Vermeidung von Überhitzung, Schweißstau, kratzender Kleidung wie Wolle und unnötigem Kontakt zu irritativen Substanzen. Bei häufigen Rezidiven an denselben Arealen kann eine proaktive Therapie mit intermittierender Anwendung topischer antiinflammatorischer Präparate, etwa Tacrolimus 2×/Woche, leitliniengerecht erwogen werden.
Patientenschulungen, z. B. strukturierte Neurodermitisschulungen, verbessern Krankheitsverständnis und Adhärenz. Impfungen sollten gemäß STIKO erfolgen; unter systemischer Immunsuppression sind Besonderheiten zu beachten.
Merke: Die wichtigste Rezidivprophylaxe ist die konsequente Hautpflege plus frühe antientzündliche Behandlung beginnender Schübe.
Komplikationen
Zu den häufigsten Komplikationen der atopischen Dermatitis zählen bakterielle Superinfektionen, insbesondere mit Staphylococcus aureus, sowie virale Infektionen. Klinisch bedeutsam ist das Eczema herpeticatum durch Herpes-simplex-Viren, das sich mit monomorphen Erosionen, Fieber und rascher Verschlechterung präsentiert und einen dermatologischen Notfall darstellen kann. Ebenfalls möglich sind Mollusca contagiosa, Warzen und selten schwere disseminierte Virusinfektionen. Bakterielle Superinfektionen führen zu Nässen, Pusteln, Schmerzen und honiggelben Krusten.
Chronischer Juckreiz und Kratzen verursachen Lichenifikation, Exkoriationen, Fissuren und bei Handbefall schmerzhafte Einschränkungen im Alltag. Eine weitere relevante Komplikation ist die Entwicklung einer allergischen Kontaktdermatitis infolge der gestörten Hautbarriere und wiederholter Exposition gegenüber Duftstoffen, Konservierungsmitteln oder topischen Therapeutika. Ocular können bei ausgeprägter Gesichtsbeteiligung Blepharitis, Konjunktivitis und selten Keratokonus-assoziierte Probleme vorkommen; unter bestimmten Biologika ist eine Konjunktivitis ebenfalls klinisch relevant.
Nicht zu unterschätzen sind psychische und soziale Folgen: Schlafmangel, Angst, depressive Symptome, Stigmatisierung und reduzierte Leistungsfähigkeit sind häufig. Bei Kindern kommt es nicht selten zu familiärer Überlastung. Langfristig besteht zudem das Risiko des atopischen Marsches mit Entwicklung von Nahrungsmittelallergien, allergischer Rhinokonjunktivitis und Asthma bronchiale.
Merke: Bei plötzlicher, schmerzhafter Verschlechterung mit Fieber und zahlreichen Erosionen muss an ein Eczema herpeticatum gedacht und rasch behandelt werden.
Häufige Fragen
Ist atopische Dermatitis ansteckend?
Nein. Die atopische Dermatitis selbst ist nicht ansteckend. Allerdings können sich entzündete Hautstellen zusätzlich mit Bakterien oder Viren infizieren, was dann ärztlich behandelt werden sollte.
Kann Neurodermitis von allein verschwinden?
Ja, besonders bei Kindern kann sich die Erkrankung im Verlauf deutlich bessern oder vorübergehend verschwinden. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt sie jedoch bis ins Erwachsenenalter bestehen oder tritt später erneut auf.
Hilft eine spezielle Diät gegen Neurodermitis?
Nur wenn tatsächlich eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie vorliegt. Pauschale Diäten werden nicht empfohlen, weil sie oft nicht helfen und gerade bei Kindern zu Mangelernährung führen können.
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Atopische Dermatitis, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) / Deutsche Dermatologische Akademie (DDA), aktuelle Fassung
- Wollenberg A, Christen-Zäch S, Taieb A et al. ETFAD/EADV Eczema task force 2020 position paper on diagnosis and treatment of atopic dermatitis in adults and children. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020
- Bieber T. Atopic Dermatitis. N Engl J Med. 2008;358:1483-1494
- Weidinger S, Novak N. Atopic dermatitis. Lancet. 2016;387:1109-1122
- Bolognia JL, Schaffer JV, Cerroni L. Dermatology. 4th ed. Elsevier
- Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Landthaler M, et al. Dermatologie, Vorklinik und Klinik. Springer
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