🩺 Dermatologie ICD-10: L70.0

Acne vulgaris: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Acne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des *Talgdrüsenfollikels*, die vor allem in der Pubertät beginnt und klinisch durch.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Acne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Talgdrüsenfollikels, die vor allem in der Pubertät beginnt und klinisch durch Komedonen, Papeln, Pusteln, Knoten und im Verlauf teils durch Narbenbildung gekennzeichnet ist. Pathophysiologisch stehen eine gesteigerte Sebumproduktion, eine follikuläre Hyperkeratose, die Besiedelung mit Cutibacterium acnes und eine komplexe Entzündungsreaktion im Vordergrund. Die Erkrankung betrifft bevorzugt talgdrüsenreiche Hautareale wie Gesicht, oberen Thorax und Rücken und weist ein breites Spektrum von mild-komedonalen bis schwer-nodulozystischen Verläufen auf. Klinisch und therapeutisch wird zwischen Acne comedonica, papulopustulosa und conglobata unterschieden; zusätzlich gibt es Sonderformen wie die Acne fulminans oder medikamentös induzierte Akneiforme.

    Akne ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Studien zeigen erhöhte Raten von Scham, sozialem Rückzug, Angst- und Depressionssymptomen; insbesondere bei Narbenbildung oder schwerem Verlauf ist die psychosoziale Last hoch. Eine frühzeitige, leitliniengerechte Therapie ist daher medizinisch sinnvoll, um Entzündung, Chronifizierung und irreversible Narben zu verhindern.

    Merke: Das Leitsymptom der Acne vulgaris ist der Komedo. Fehlen Komedonen vollständig, sollte an akneiforme Dermatosen oder Differentialdiagnosen gedacht werden.

    Epidemiologie

    Acne vulgaris gehört zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen weltweit. In westlichen Populationen entwickeln bis zu 80–95 % der Jugendlichen zumindest vorübergehend klinische Aknezeichen. Der Erkrankungsgipfel liegt typischerweise zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, wobei erste Läsionen oft bereits präpubertär auftreten können. Bei Jungen sind schwerere Verläufe in der Adoleszenz etwas häufiger, was mit einer stärkeren androgenabhängigen Sebumproduktion zusammenhängt; im Erwachsenenalter sind dagegen Frauen häufiger von persistierender oder spät beginnender Akne betroffen.

    Etwa 15–20 % der Betroffenen entwickeln eine mittelgradige bis schwere Akne, die eine systemische Therapie erforderlich machen kann. Persistierende Akne über das 25. Lebensjahr hinaus findet sich bei ungefähr 10–20 % der Frauen und bei 3–5 % der Männer. Aknenarben entstehen je nach Kollektiv bei rund 20–30 % der Patientinnen und Patienten, bei schwerer nodulozystischer Akne deutlich häufiger. Die Krankheitslast ist auch gesundheitspolitisch relevant: Akne zählt zu den häufigsten Gründen für ambulante dermatologische Konsultationen.

    Risikomodifizierende Faktoren sind genetische Prädisposition, hormonelle Einflüsse, okklusive Kosmetika, mechanische Reize und bestimmte Medikamente. Eine direkte Beziehung zwischen Hygiene und Akne besteht nicht; übermäßiges Reinigen kann die Hautbarriere sogar verschlechtern. Die hohe Prävalenz und die oft frühe Manifestation machen Akne zu einer zentralen Prüfungserkrankung in der Dermatologie.

    Merke: Akne ist nahezu eine Volkskrankheit der Adoleszenz, aber persistierende Erwachsenenakne, besonders bei Frauen, ist klinisch häufig und therapeutisch relevant.

    Ätiologie

    Die Ätiologie der Acne vulgaris ist multifaktoriell. Zentral ist eine genetische Prädisposition: Familienanamnese und Zwillingsstudien sprechen für eine erhebliche Erblichkeit, insbesondere hinsichtlich Sebumproduktion, Entzündungsneigung und Narbenrisiko. Hormonell dominieren Androgene, vor allem während der Pubertät. Sie stimulieren die Talgdrüsen und fördern die Sebumsekretion. Deshalb verschlechtern sich Akneerscheinungen häufig in Phasen hormoneller Umstellung; bei Frauen können zyklusabhängige Schwankungen, Hyperandrogenämie oder ein polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) eine Rolle spielen.

    Exogene Auslöser und Verstärker sind gut bekannt. Dazu zählen okklusive oder komedogene Kosmetika, ölhaltige Hautpflegeprodukte, enge Kleidung, Helme, Masken oder Reibung im Sinne einer Acne mechanica. Arzneimittel können akneiforme Eruptionen auslösen, etwa Glukokortikoide, Anabolika, Lithium, Isoniazid, einige Antiepileptika, EGFR-Inhibitoren oder hochdosierte Vitamin-B12-Gaben. Ernährungsfaktoren werden intensiv diskutiert: Die Evidenz spricht am ehesten für einen ungünstigen Einfluss einer hoch-glykämischen Ernährung und möglicherweise von Milchprodukten, insbesondere Magermilch, bei prädisponierten Personen.

    Wichtig ist die Abgrenzung zu Mythen. Akne entsteht nicht durch mangelnde Hygiene und wird nicht durch "schmutzige Haut" verursacht. Rauchen ist eher mit bestimmten Varianten der Erwachsenenakne assoziiert, jedoch nicht als alleinige Hauptursache zu verstehen. Psychischer Stress kann entzündliche Schübe verstärken, ist aber ebenfalls nicht primäre Ursache.

    Merke: Die Akne ist keine Infektionskrankheit im engeren Sinne, sondern eine entzündliche Follikelerkrankung mit hormonellen, genetischen und mikrobiellen Einflussfaktoren.

    Pathogenese

    Die Pathogenese der Acne vulgaris beruht klassisch auf vier miteinander verknüpften Hauptmechanismen. Erstens kommt es zu einer Seborrhö durch androgenvermittelte Stimulation der Talgdrüse. Zweitens entsteht eine follikuläre Hyperkeratose mit gestörter Desquamation im Infundibulum des Haarfollikels. Dadurch bildet sich der Mikrokomedo, die Primärläsion der Akne. Drittens vermehrt sich im okkludierten, lipidreichen Follikel Cutibacterium acnes. Viertens resultiert daraus eine ausgeprägte entzündliche Immunantwort.

    Cutibacterium acnes wirkt nicht einfach nur als passiver Kolonisator. Bakterielle Lipasen spalten Triglyzeride des Sebums in freie Fettsäuren, die proinflammatorisch wirken. Zudem werden über TLR-2, Inflammasom-Signalwege und Zytokine wie IL-1β, IL-8, IL-17 und TNF-α neutrophile und lymphozytäre Entzündungsreaktionen getriggert. Damit ist Akne bereits in frühen Stadien eine entzündliche Erkrankung, auch wenn klinisch zunächst nur Komedonen sichtbar sind. Eine Ruptur der Follikelwand führt zur Freisetzung von Keratin, Lipiden und Bakterienbestandteilen in die Dermis und begünstigt die Entstehung tiefer Papeln, Pusteln und Knoten.

    Neuere Konzepte betonen die Rolle von Biofilmen, Veränderungen im Mikrobiom, einer gestörten epidermalen Barriere und neuroimmunologischen Einflüssen. Narben entstehen vor allem durch tiefe, langanhaltende Entzündung mit Destruktion dermaler Matrix und dysregulierter Wundheilung.

    Merke: Der Mikrokomedo ist die früheste Läsion der Akne; aus ihm entwickeln sich offene und geschlossene Komedonen sowie entzündliche Läsionen.

    Symptome

    Das klinische Bild der Acne vulgaris reicht von wenigen Komedonen bis zu ausgedehnten entzündlichen Knoten mit Narbenbildung. Die Leitsymptome sind offene Komedonen (Blackheads), geschlossene Komedonen (Whiteheads), entzündliche Papeln, Pusteln sowie bei schwereren Verlaufsformen Knoten, zystische Läsionen und Abszedierungen. Die bevorzugten Lokalisationen sind Gesicht, insbesondere Stirn, Nase, Kinn und Wangen, außerdem oberer Rücken, Brust und Schultern. Die Läsionen sind meist symmetrisch verteilt und an talgdrüsenreiche Areale gebunden.

    Subjektive Beschwerden sind oft geringer als die sichtbaren Hautveränderungen vermuten lassen. Juckreiz ist untypisch, kann aber vorkommen; Schmerzen oder Druckdolenz sprechen eher für tiefere entzündliche Herde. Typisch sind postinflammatorische Veränderungen wie Erytheme und Hyperpigmentierungen, besonders bei dunkleren Hauttypen. Klinisch bedeutsam ist das Risiko von atrophen Narben (ice-pick-, boxcar-, rolling scars) und seltener hypertrophen oder keloidalen Narben.

    Man unterscheidet klinisch unter anderem:

    Die psychosozialen Begleiterscheinungen sind hochrelevant: verminderter Selbstwert, soziale Vermeidung und depressive Symptome sind nicht selten.

    Merke: Komedonen sind pathognomonisch richtungsweisend. Eine "Akne" ohne Komedonen ist diagnostisch verdächtig auf eine akneiforme Dermatitis oder Rosazea.

    Diagnostik

    Die Diagnose der Acne vulgaris ist in erster Linie klinisch. Entscheidend sind Anamnese, Inspektion der typischen Lokalisationen und die morphologische Zuordnung der Effloreszenzen. Gesucht werden Komedonen, entzündliche Papeln und Pusteln sowie bei schwereren Formen Knoten, Fistelgänge und Narben. Die Schweregradeinteilung orientiert sich an Anzahl, Typ und Ausdehnung der Läsionen und ist therapeutisch relevant. In der täglichen Praxis wird zwischen milder, moderater und schwerer Akne unterschieden; in Studien kommen teils standardisierte Scores wie der Global Acne Grading System (GAGS) zum Einsatz.

    Eine apparative oder histologische Diagnostik ist meist nicht erforderlich. Laboruntersuchungen sind nur bei spezieller Fragestellung sinnvoll, etwa bei Verdacht auf Hyperandrogenismus/PCOS (Testosteron, DHEAS, LH/FSH, 17-OH-Progesteron) oder vor und unter systemischer Isotretinointherapie. Dann werden üblicherweise Leberwerte, Nüchternglukose bzw. Lipidprofil kontrolliert; bei Frauen im gebärfähigen Alter ist wegen der ausgeprägten Teratogenität ein Schwangerschaftsausschluss obligat.

    Mikrobiologische Abstriche sind bei gewöhnlicher Akne nicht Routine, da C. acnes Teil des normalen Follikelmikrobioms ist. Bildgebung hat keinen Stellenwert. Ein "Goldstandard" im Sinne eines technischen Referenztests existiert nicht; der klinische Befund ist der diagnostische Standard.

    Wichtig ist die strukturierte Abklärung von Warnzeichen: plötzliches schweres Auftreten, fehlende Komedonen, Fieber, Gelenkbeschwerden, virilisierende Symptome, therapierefraktäre Monomorphie oder Arzneimittelexposition. Dann müssen Sonderformen und Differentialdiagnosen erwogen werden.

    Merke: Der Goldstandard der Diagnostik ist die klinische Untersuchung. Zusatzdiagnostik ist nur bei atypischem Verlauf, endokrinologischer Fragestellung oder geplanter Systemtherapie nötig.

    Differentialdiagnosen

    Die wichtigste diagnostische Aufgabe besteht darin, Acne vulgaris von akneiformen Eruptionen und anderen entzündlichen Gesichtsdematosen abzugrenzen. Besonders relevant ist die Rosazea, die typischerweise mit persistierenden Erythemen, Teleangiektasien, Papeln und Pusteln im zentralen Gesicht einhergeht, aber keine Komedonen zeigt. Ebenfalls häufig verwechselt wird die periorale Dermatitis, bei der gruppierte Papeln und Pusteln vor allem perioral auftreten, oft mit brennendem Gefühl und typischer Aussparung des Lippenrots.

    Weitere wichtige Differentialdiagnosen sind:

    Bei Frauen mit therapieresistenter, spät beginnender Akne, Zyklusstörungen, Hirsutismus oder Alopezie muss an PCOS oder andere Ursachen des Hyperandrogenismus gedacht werden. Schwere ulcerierende Verläufe mit Allgemeinsymptomen lenken den Verdacht auf Acne fulminans.

    Merke: Rosazea und periorale Dermatitis sind die wichtigsten klinischen DD im Gesicht. Das Fehlen von Komedonen ist hier der entscheidende Hinweis.

    Therapie

    Die Therapie der Acne vulgaris richtet sich nach Schweregrad, Lokalisation, Narbenrisiko, psychosozialer Belastung und Vortherapien. Grundlage sind die Empfehlungen der S3-Leitlinie zur Behandlung der Akne (AWMF, Deutsche Dermatologische Gesellschaft) sowie internationale Empfehlungen der European Dermatology Forum (EDF). Ziel ist die Reduktion von Komedonen und Entzündung, die Verhinderung von Narben und die Verbesserung der Lebensqualität.

    Bei milder komedonaler Akne sind topische Retinoide Mittel der Wahl, z. B. Adapalen 0,1 % Gel 1-mal täglich abends. Alternativ oder kombiniert kann Benzoylperoxid (BPO) 2,5–5 % 1-mal täglich eingesetzt werden. Bei milder bis moderater papulopustulöser Akne werden Kombinationen empfohlen, etwa Adapalen/BPO oder Clindamycin 1 % + BPO. Topische Antibiotika sollten nicht als Monotherapie und nur zeitlich begrenzt angewandt werden, um Resistenzentwicklung zu vermeiden.

    Bei moderater bis schwerer entzündlicher Akne kommt eine systemische Antibiotikatherapie infrage, bevorzugt Doxycyclin 100 mg/Tag über meist 6–12 Wochen, immer kombiniert mit einer topischen Erhaltungstherapie aus BPO und/oder Retinoid. Minocyclin wird wegen Nebenwirkungsprofil und Resistenzaspekten zurückhaltender eingesetzt. Bei Frauen mit klinischem Hyperandrogenismus oder prämenstrueller Verschlechterung kann eine antiandrogene hormonelle Therapie sinnvoll sein, z. B. kombinierte orale Kontrazeptiva mit geeigneter Gestagenkomponente; die Auswahl richtet sich nach Kontraindikationen und thromboembolischem Risiko.

    Bei schwerer nodulärer Akne, Acne conglobata, hohem Narbenrisiko oder Therapieversagen ist systemisches Isotretinoin die wirksamste Therapie. Häufige Startdosierungen liegen bei 0,3–0,5 mg/kgKG/Tag, Zielbereiche oft bei 0,5–1,0 mg/kgKG/Tag je nach Verträglichkeit. Insgesamt wird häufig eine kumulative Dosis von etwa 120–150 mg/kgKG angestrebt, auch wenn moderne Konzepte stärker individualisieren. Wichtige Nebenwirkungen sind Cheilitis, Xerosis, Anstieg von Lipiden/Transaminasen und selten psychische Symptome. Wegen der ausgeprägten Teratogenität gelten strenge Schwangerschaftsverhütungs- und Kontrollmaßnahmen.

    Adjuvant sind eine milde Reinigung, nicht-komedogene Pflege, Sonnenschutz und konsequente Therapieadhärenz entscheidend. Manuelle Ausreinigung, chemische Peelings oder Narbenverfahren sind ergänzend sinnvoll, ersetzen aber keine leitliniengerechte Basistherapie.

    Merke: Topische Retinoide und Benzoylperoxid sind die Grundpfeiler der Aknetherapie; Isotretinoin ist bei schwerer Akne und Narbengefahr die effektivste Option.

    Prognose

    Die Prognose der Acne vulgaris ist insgesamt gut, aber stark vom Schweregrad, Therapiezeitpunkt und Narbenrisiko abhängig. Viele Patientinnen und Patienten erleben eine spontane Besserung nach der Adoleszenz; dennoch persistiert die Erkrankung bei einem relevanten Anteil in das Erwachsenenalter. Insbesondere Frauen weisen nicht selten eine persistierende oder rezidivierende Akne bis über das 25. Lebensjahr hinaus auf. Unbehandelte oder unzureichend behandelte entzündliche Verläufe erhöhen das Risiko für dauerhafte Narben und postinflammatorische Pigmentstörungen.

    Unter konsequenter leitliniengerechter Therapie bessern sich milde bis moderate Verläufe meist innerhalb von 6–8 Wochen, ein maximaler Effekt topischer Regime wird oft erst nach 8–12 Wochen sichtbar. Systemische Antibiotika führen häufig innerhalb weniger Wochen zu einer Entzündungsreduktion, sollten aber nicht langfristig eingesetzt werden. Isotretinoin erzielt bei schweren Formen hohe Remissionsraten; je nach Kollektiv bleiben jedoch 10–30 % rezidivgefährdet und benötigen erneute Behandlungszyklen oder Erhaltungstherapie.

    Prognostisch ungünstige Faktoren sind früher Erkrankungsbeginn, positive Familienanamnese, schwere Entzündungsaktivität, trunkale Beteiligung, Manipulation der Läsionen und verzögerter Therapiebeginn. Die psychische Belastung kann die Prognose funktionell verschlechtern, selbst wenn der Hautbefund objektiv moderat ist. Daher sollte die Lebensqualität aktiv erfragt werden.

    Merke: Die wichtigste prognostische Maßnahme ist die frühe wirksame Behandlung entzündlicher Akne, um irreversible Narben zu verhindern.

    Prävention

    Eine vollständige Primärprävention der Acne vulgaris ist wegen der starken genetischen und hormonellen Mitbeteiligung nicht möglich. Dennoch lassen sich Trigger und aggravierende Faktoren reduzieren. Empfehlenswert sind nicht-komedogene Hautpflege- und Kosmetikprodukte, eine milde Reinigung maximal ein- bis zweimal täglich und der Verzicht auf aggressive Peelings, alkoholhaltige Produkte oder übermäßiges Schrubben. Solche Maßnahmen verbessern die Hautbarriere und vermindern irritative Exazerbationen.

    Wichtig ist außerdem, mechanische Reize zu begrenzen, etwa durch enge Sportkleidung, okklusive Helme, starkes Reiben oder häufiges Manipulieren der Läsionen. Das sogenannte "Ausdrücken" fördert Entzündung, verlängert die Heilung und erhöht das Narbenrisiko. Bei Patientinnen und Patienten mit bekannter Akne kann eine frühzeitig begonnene topische Erhaltungstherapie, insbesondere mit Retinoiden, Rückfälle reduzieren. Unter topischen Retinoiden und BPO ist ein adäquater Sonnenschutz sinnvoll, auch wenn moderne Retinoide weniger photolabil sind als ältere Substanzen.

    Ernährungsmedizinisch kann bei einzelnen Betroffenen ein Versuch mit Reduktion hoch-glykämischer Kost und kritischer Beobachtung des Konsums bestimmter Milchprodukte sinnvoll sein, die Evidenz bleibt jedoch individuell unterschiedlich. Vor allem gilt: Akne ist keine Folge mangelnder Hygiene. Präventiv besonders relevant ist die frühe Behandlung erster entzündlicher Läsionen, um Narben zu vermeiden.

    Merke: Die beste "Prävention" aknebedingter Folgeschäden ist die frühzeitige, konsequente Therapie und das Vermeiden von Manipulationen an den Läsionen.

    Komplikationen

    Die klinisch wichtigste Komplikation der Acne vulgaris ist die Narbenbildung. Tiefe entzündliche Läsionen, insbesondere Knoten und conglobate Verläufe, können zu atrophen Narben verschiedener Morphologie führen: ice-pick, boxcar und rolling scars. Seltener entstehen hypertrophe Narben oder Keloide, vor allem am Thorax, an Schultern und im Nacken. Narben sind oft dauerhaft und therapeutisch nur begrenzt reversibel, weshalb ihre Prävention zentral ist.

    Weitere häufige Folgen sind postinflammatorische Erytheme und Hyperpigmentierungen, die bei dunkleren Hauttypen besonders ausgeprägt und kosmetisch belastend sein können. Eine sekundäre bakterielle Superinfektion ist insgesamt selten, kann jedoch nach Manipulation, okklusiver Pflege oder unsachgemäßer Selbstbehandlung auftreten. Unter längerer Antibiotikatherapie ist an eine Gramnegative Follikulitis zu denken, die klinisch eine Verschlechterung vortäuschen kann.

    Von hoher praktischer Relevanz sind psychosoziale Komplikationen. Zahlreiche Studien zeigen Zusammenhänge mit vermindertem Selbstwert, sozialer Isolation, Angststörungen und depressiven Symptomen; bei schwerer Akne oder ausgeprägter Narbenbildung kann die Lebensqualität ähnlich stark beeinträchtigt sein wie bei chronischen internistischen Erkrankungen. Daher sollten psychosoziale Belastungen systematisch erfragt werden.

    Therapieassoziierte Komplikationen dürfen nicht übersehen werden: lokale Irritationen durch Retinoide/BPO, Antibiotikaresistenzen bei inadäquater topischer oder systemischer Antibiotikaanwendung sowie die Teratogenität von Isotretinoin mit der Notwendigkeit konsequenter Schwangerschaftsverhütung.

    Merke: Die bedeutsamste Langzeitkomplikation der Akne ist die bleibende Narbe; die bedeutsamste Systemtherapie-Risikoaufklärung betrifft Isotretinoin und Schwangerschaft.

    Häufige Fragen

    Ist Akne nur ein Problem in der Pubertät?

    Nein. Zwar beginnt Acne vulgaris meist in der Pubertät, aber sie kann auch im Erwachsenenalter fortbestehen oder neu auftreten. Besonders Frauen sind häufiger von einer sogenannten Erwachsenenakne betroffen.

    Hilft häufiges Waschen gegen Akne?

    Nein, übermäßiges Waschen heilt Akne nicht und kann die Haut sogar reizen. Sinnvoll ist eine milde Reinigung ein- bis zweimal täglich mit nicht-komedogenen Pflegeprodukten.

    Wann braucht man Isotretinoin?

    Isotretinoin wird vor allem bei schwerer, knotiger Akne, bei hohem Narbenrisiko oder wenn andere Therapien nicht ausreichend helfen eingesetzt. Die Behandlung ist sehr wirksam, erfordert aber wegen möglicher Nebenwirkungen und strenger Schwangerschaftsverhütung eine engmaschige ärztliche Kontrolle.

    Quellen

    1. S3-Leitlinie Behandlung der Akne. AWMF-Register Nr. 013-017, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (aktuelle Fassung).
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    4. Bolognia JL, Schaffer JV, Cerroni L. Dermatology. 4. Auflage. Elsevier.
    5. Williams HC, Dellavalle RP, Garner S. Acne vulgaris. Lancet. 2012;379:361-372.
    6. Zaenglein AL, Pathy AL, Schlosser BJ et al. Guidelines of care for the management of acne vulgaris. J Am Acad Dermatol. 2016;74:945-973.e33.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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