👁️ Augenheilkunde ICD-10: H40

Glaukom: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Glaukom: Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapie des Grünen Stars. Überblick zu Augeninnendruck, Gesichtsfeld und Behandlung.

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
24. März 2026 · 12 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 24. März 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Das Glaukom ist eine Gruppe chronisch progredienter Optikusneuropathien mit charakteristischer Schädigung des Sehnervenkopfes und korrespondierenden Gesichtsfeldausfällen. Häufig, aber nicht obligat, ist ein erhöhter intraokularer Druck (IOD) beteiligt; auch bei normalen Druckwerten kann ein Glaukom vorliegen, etwa beim Normaldruckglaukom. Klinisch werden insbesondere das primäre Offenwinkelglaukom, das Engwinkelglaukom sowie sekundäre und kongenitale Formen unterschieden. Der ICD-10-Code H40 umfasst Glaukomerkrankungen, ausgenommen angeborene Sonderformen unter anderen Codes.

    Merke: Ein Glaukom ist keine reine Augeninnendruck-Erkrankung, sondern eine chronische Schädigung des Sehnervs; der Augeninnendruck ist der wichtigste behandelbare Risikofaktor, aber nicht das alleinige Diagnosekriterium.

    Epidemiologie

    Das Glaukom gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen einer irreversiblen Erblindung. In Europa ist das primäre Offenwinkelglaukom (POWG) die mit Abstand häufigste Form. Die Prävalenz steigt deutlich mit dem Lebensalter: In westlichen Populationen liegt sie bei Erwachsenen insgesamt grob bei 1–2 %, bei Personen über 70 Jahren häufig bei 3–8 %. Das Normaldruckglaukom macht in mitteleuropäischen und ostasiatischen Kollektiven einen relevanten Anteil der Offenwinkelglaukome aus; in manchen Studien liegt sein Anteil unter diagnostizierten Offenwinkelglaukomen bei 30–50 % oder darüber. Das Engwinkelglaukom ist in Europa seltener als in asiatischen Populationen, hat aber wegen der potenziell abrupten Druckanstiege und des hohen Erblindungsrisikos eine große klinische Bedeutung.

    Für Deutschland wird geschätzt, dass mehrere hunderttausend bis über eine Million Menschen an einem manifesten Glaukom leiden; die Dunkelziffer ist erheblich, da frühe Stadien lange asymptomatisch verlaufen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit Alter, positiver Familienanamnese, erhöhtem IOD, Pseudoexfoliation, Myopie und je nach Glaukomtyp auch mit Hyperopie und engem Kammerwinkel. Erstgradige Verwandte von Glaukompatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, häufig um das 4- bis 9-Fache. Männer und Frauen sind beim Offenwinkelglaukom insgesamt ähnlich betroffen, während bestimmte Formen des Winkelblockglaukoms bei Frauen häufiger sind, unter anderem aufgrund anatomisch engerer vorderer Augensegmente.

    Die öffentliche Gesundheitsrelevanz ist hoch, da unbehandelte Erkrankungen über Jahre fortschreiten und funktionell relevante Gesichtsfeldausfälle oft erst spät bemerkt werden. Dies erklärt die Bedeutung strukturierter augenärztlicher Früherkennung bei Risikopersonen.

    Merke: Die Prävalenz des Glaukoms nimmt mit jedem Lebensjahrzehnt zu; viele Patienten sind bei Diagnosestellung bereits strukturell geschädigt, obwohl sie subjektiv noch kaum Beschwerden angeben.

    Ätiologie

    Die Ätiologie des Glaukoms ist multifaktoriell und abhängig vom jeweiligen Subtyp. Beim primären Offenwinkelglaukom steht eine gestörte Kammerwasserdrainage im Bereich des Trabekelwerks und des Schlemm-Kanals im Vordergrund. Dies führt zu einer chronischen Druckbelastung des Sehnervenkopfes. Daneben tragen druckunabhängige Faktoren zur Krankheitsentstehung bei, darunter vaskuläre Dysregulation, reduzierte Perfusion des Sehnervenkopfes, endotheliale Dysfunktion, nächtliche arterielle Hypotonie und individuelle Vulnerabilität der Lamina cribrosa.

    Wichtige Risikofaktoren sind:

    Beim primären Winkelblockglaukom besteht die Ursache in einer mechanischen Behinderung des Kammerwasserabflusses durch einen engen Kammerwinkel, oft vermittelt über einen Pupillarblock. Prädisponierend sind ein kurzes Auge, eine flache Vorderkammer, dicke Linse und höheres Alter. Sekundäre Glaukome entstehen beispielsweise durch Uveitis, Neovaskularisation bei diabetischer Retinopathie oder retinalen Venenthrombosen, Linsenpathologien, Tumoren, Traumata oder Medikamente.

    Genetische Faktoren spielen eine erhebliche Rolle. Für seltene juvenile oder kongenitale Formen sind monogene Ursachen bekannt; beim adulten Glaukom ist die Vererbung meist komplex-polygen. Klinisch besonders relevant ist stets die Einordnung in primär vs. sekundär sowie offener vs. enger/verschlossener Winkel, weil sich Diagnostik und Therapie hieraus direkt ableiten.

    Merke: Der erhöhte IOD ist der wichtigste modifizierbare Risikofaktor, aber Gefäßfaktoren, Anatomie und Genetik bestimmen wesentlich mit, ob und wie rasch ein Glaukom entsteht.

    Pathogenese

    Pathophysiologisch führt das Glaukom zu einer progredienten Degeneration retinaler Ganglienzellen und ihrer Axone im Bereich des Sehnervenkopfes. Beim druckbedingten Schaden wirken chronisch erhöhte Belastungen auf die Lamina cribrosa, wodurch axoplasmatischer Transport, Mikrozirkulation und strukturelle Integrität der Nervenfasern beeinträchtigt werden. Histologisch und bildgebend zeigt sich eine zunehmende Exkavation der Papille mit Ausdünnung des neuroretinalen Randsaums. Parallel kommt es zu einer Abnahme der peripapillären retinalen Nervenfaserschicht (RNFL) und der Ganglienzellschicht in der Makula.

    Die Druckkomponente erklärt allerdings nicht alle Fälle. Beim Normaldruckglaukom spielen vermutlich eine erhöhte Anfälligkeit des Sehnervs gegenüber physiologischen Druckwerten, eine gestörte okuläre Perfusion und neurodegenerative Mechanismen eine größere Rolle. Ein relevanter Parameter ist der okuläre Perfusionsdruck, der sich aus systemischem Blutdruck und IOD ergibt. Insbesondere nächtliche Blutdruckabfälle können die Sehnervendurchblutung reduzieren. Zusätzlich werden oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktion, Glutamat-vermittelte Exzitotoxizität und inflammatorische Signalwege diskutiert.

    Funktionell resultieren zunächst subtile Ausfälle des peripheren Gesichtsfeldes, die vom Gehirn lange kompensiert werden. Typisch sind nasale Stufen, parazentrale Skotome und bogenförmige Defekte entsprechend dem Verlauf der Nervenfaserbündel. Im Endstadium kann nur noch ein kleines zentrales Gesichtsfeld verbleiben, bis hin zur Erblindung. Beim akuten Winkelblock ist die Pathogenese anders gelagert: Durch plötzlichen Verschluss des Kammerwinkels steigt der IOD innerhalb kurzer Zeit oft massiv an, nicht selten auf 40–60 mmHg oder mehr, mit rascher Ischämie und akutem Funktionsverlust.

    Merke: Glaukomschaden entsteht durch das Zusammenspiel aus mechanischer Schädigung, Minderdurchblutung und neuronaler Vulnerabilität; die Gesichtsfelddefekte treten oft erst nach bereits eingetretener struktureller Schädigung auf.

    Symptome

    Die Symptomatik hängt stark von der Glaukomform ab. Das chronische Offenwinkelglaukom verläuft über Jahre häufig asymptomatisch. Patienten bemerken typischerweise erst in fortgeschrittenen Stadien Einschränkungen des peripheren Sehens, Probleme beim Dämmerungssehen, Unsicherheit im Straßenverkehr oder vermehrtes Anstoßen an Gegenständen. Da zentrale Sehschärfe und Lesevermögen lange erhalten bleiben können, wird die Erkrankung oft spät erkannt. Unspezifische Beschwerden wie intermittierende Sehunschärfe, Augenmüdigkeit oder Druckgefühl sind diagnostisch wenig verlässlich.

    Leitsymptome des fortgeschrittenen chronischen Glaukoms sind:

    Demgegenüber präsentiert sich das akute Winkelblockglaukom als augenärztlicher Notfall mit dramatischer Symptomatik:

    Beim Normaldruckglaukom fallen nicht selten eher früh parazentrale Gesichtsfelddefekte auf, die subjektiv als Lesestörungen oder Ausfälle nahe dem Fixierpunkt imponieren können. Sekundäre Glaukome gehen häufig mit Zeichen der Grunderkrankung einher, beispielsweise Entzündungszeichen bei Uveitis oder Hornhautödem bei stark erhöhtem IOD.

    Wichtig ist, dass Schmerzen kein Leitsymptom des chronischen Offenwinkelglaukoms sind. Gerade die fehlende Symptomatik erklärt, warum Screening und Verlaufskontrolle bei Risikopatienten klinisch so bedeutsam sind.

    Merke: Das chronische Glaukom macht lange keine Beschwerden; das akute Winkelblockglaukom verursacht dagegen meist starke Schmerzen, Sehverschlechterung und vegetative Symptome.

    Diagnostik

    Die Diagnostik des Glaukoms beruht auf der Kombination aus Augeninnendruckmessung, Sehnervbeurteilung, Kammerwinkelanalyse, struktureller Bildgebung und Funktionsdiagnostik. Ein einzelner erhöhter IOD-Wert beweist kein Glaukom, und normale Druckwerte schließen es nicht aus. Die klinische Untersuchung umfasst Visus, Spaltlampenbefund, Hornhautstatus, Pupillenreaktion und Funduskopie mit besonderem Fokus auf die Papille. Typische Papillenbefunde sind vergrößerte Exkavation, vertikale C/D-Zunahme, Randsaumverschmälerung, RNFL-Defekte und gegebenenfalls Papillenrandblutungen.

    Wichtige diagnostische Verfahren sind:

    Laboruntersuchungen haben beim primären Glaukom keinen zentralen Stellenwert, können aber bei Verdacht auf sekundäre Ursachen sinnvoll sein, etwa bei Uveitis oder systemischer Vaskulopathie. Der diagnostische Goldstandard ist nicht ein einzelner Test, sondern die korrelierende Gesamtbeurteilung aus Morphologie und Funktion. Ein Glaukom gilt als gesichert, wenn typische strukturelle Schäden des Sehnervs mit oder ohne passende funktionelle Defizite vorliegen und andere Ursachen ausgeschlossen wurden.

    Beim akuten Winkelblock ist die Diagnose meist klinisch-offensichtlich: stark erhöhter IOD, flache Vorderkammer, korneales Ödem und Winkelverschluss in der Gonioskopie. Wegen der Erblindungsgefahr ist hier keine langwierige Stufendiagnostik, sondern eine sofortige Therapie erforderlich.

    Merke: Der Goldstandard ist die augenärztliche Gesamtdiagnose aus Papillenbefund, Perimetrie, OCT, Tonometrie und Gonioskopie – nicht der Augeninnendruck allein.

    Differentialdiagnosen

    Die Differenzialdiagnose des Glaukoms umfasst sowohl andere Ursachen einer Optikusneuropathie als auch Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Augenrötung, Sehstörung oder Kopfschmerz. Bei glaukomtypischer Papillenexkavation und Gesichtsfeldveränderungen müssen insbesondere druckunabhängige Schädigungen des Sehnervs bedacht werden. Hierzu zählen die ischämische anteriore Optikusneuropathie (AION), Kompressionsneuropathien durch Hypophysenadenom oder andere Raumforderungen, entzündliche Optikusneuritiden, traumatische Optikusschäden und hereditäre Optikusneuropathien. Im Gegensatz zum Glaukom treten diese oft mit rascherem Visusverlust, Dyschromatopsie oder atypischen Gesichtsfeldmustern auf.

    Wichtige ophthalmologische Differentialdiagnosen sind:

    Beim akuten roten schmerzhaften Auge müssen vor allem abgegrenzt werden:

    Besonders wichtig ist die Abgrenzung zwischen akutem Winkelblockglaukom und Uveitis anterior, da beide mit Rötung, Schmerzen und Visusminderung einhergehen können. Beim Winkelblock sind jedoch typischerweise die Hornhaut ödematös, die Pupille mittelweit und die Vorderkammer flach; zusätzlich ist der IOD stark erhöht. Bei atypischen Befunden, rascher Sehverschlechterung oder disproportionaler Visusminderung sollte stets an nicht-glaukomatöse Optikusneuropathien gedacht und gegebenenfalls eine neuroradiologische Abklärung veranlasst werden.

    Merke: Ein erhöhter Augeninnendruck ohne Sehnervschaden ist noch kein Glaukom; umgekehrt kann eine Optikusneuropathie ohne Druckerhöhung ein Glaukom imitieren oder differentialdiagnostisch dahinterstehen.

    Therapie

    Ziel der Glaukomtherapie ist die Verlangsamung oder Verhinderung weiterer Sehnervschäden durch Senkung des individuellen Zieldrucks. Maßgeblich sind aktuelle Empfehlungen der DOG/BVA sowie internationale Leitlinien wie die European Glaucoma Society (EGS). Der Zieldruck richtet sich nach Ausgangsdruck, Stadium, Progressionsgeschwindigkeit, Lebenserwartung und Risikofaktoren. Häufig wird initial eine Drucksenkung um etwa 20–30 % angestrebt; bei fortgeschrittener Erkrankung oder rascher Progression kann ein noch niedrigerer Zieldruck erforderlich sein.

    Medikamentöse Therapie des chronischen Offenwinkelglaukoms:

    Laser- und operative Verfahren:

    Akuter Winkelblock ist ein Notfall. Initial werden gegeben:

    Begleitend sind Aufklärung, Adhärenzförderung und regelmäßige Verlaufskontrollen essenziell. Konservativ nicht ausreichend kontrollierte Verläufe erfordern frühzeitige Eskalation.

    Merke: Beim Glaukom wird nicht der absolute Druckwert, sondern ein individueller Zieldruck behandelt; beim akuten Winkelblock zählt jede Stunde.

    Prognose

    Die Prognose des Glaukoms ist stark vom Zeitpunkt der Diagnose, der Konsequenz der Therapie und der Progressionsgeschwindigkeit abhängig. Früh erkannt und suffizient behandelt kann die Erkrankung bei vielen Patienten so kontrolliert werden, dass über Jahre bis Jahrzehnte keine relevante Einschränkung der Lebensqualität eintritt. Bereits eingetretene Schäden des Sehnervs und Gesichtsfeldausfälle sind jedoch irreversibel. Daher besteht die prognostische Hauptaufgabe darin, weiteres Fortschreiten zu verhindern.

    Beim frühen Offenwinkelglaukom ist die Langzeitprognose unter guter Adhärenz meist günstig. Entscheidend sind eine stabile Drucksenkung, regelmäßige Perimetrien und OCT-Kontrollen sowie die Anpassung des Zieldrucks bei Progression. Unbehandelt schreitet das Glaukom in vielen Fällen langsam, aber kontinuierlich fort; die Geschwindigkeit ist interindividuell sehr unterschiedlich. Risikofaktoren für eine schlechtere Prognose sind höheres Ausgangsstadium, höherer IOD, große Druckschwankungen, Pseudoexfoliation, fortgeschrittenes Alter, schlechte Therapieadhärenz und vaskuläre Begleiterkrankungen.

    Das Normaldruckglaukom kann trotz scheinbar normaler Messwerte progredient sein und erfordert daher ebenfalls engmaschige Kontrollen. Das akute Winkelblockglaukom hat bei rascher Therapie eine gute Chance auf Visuserhalt; verzögerte Behandlung kann hingegen innerhalb kurzer Zeit zu bleibender Sehnervschädigung führen. Insgesamt ist das Glaukom eine chronische Erkrankung mit lebenslanger Nachsorge. Der Erhalt von Sehfunktion und Autonomie ist bei strukturierter Versorgung in vielen Fällen möglich, aber nicht garantiert.

    Merke: Die Prognose ist umso besser, je früher das Glaukom erkannt und je konsequenter der Zieldruck erreicht wird; verlorenes Gesichtsfeld kann nicht zurückgewonnen werden.

    Prävention

    Eine spezifische Primärprävention des Glaukoms existiert nur eingeschränkt, da Alter, Anatomie und genetische Faktoren nicht beeinflussbar sind. Klinisch entscheidend ist daher die Sekundärprävention durch frühzeitige Erkennung bei Risikopersonen. Besonders empfohlen sind augenärztliche Kontrollen bei positiver Familienanamnese, Alter über 40–50 Jahre, Pseudoexfoliation, Myopie, Hyperopie mit engem Kammerwinkel, Langzeit-Steroidtherapie und nach okulären Traumata. Bei Winkelblockrisiko kann eine prophylaktische Laser-Iridotomie sinnvoll sein.

    Wichtig sind außerdem:

    Merke: Die beste Prävention der Erblindung durch Glaukom ist die frühe Diagnose bei gefährdeten Personen und die dauerhafte Therapietreue.

    Komplikationen

    Die wichtigste Komplikation des Glaukoms ist die irreversible Sehverschlechterung bis zur Erblindung. Diese entwickelt sich beim chronischen Glaukom meist schleichend, beim akuten Winkelblock potenziell innerhalb kurzer Zeit. Zunächst verlieren Patienten periphere Gesichtsfeldanteile; später folgen Einschränkungen beim Autofahren, Gehen in unbekannter Umgebung, Treppensteigen und letztlich auch bei zentralen Sehaufgaben. Funktionell bedeutsam sind eine erhöhte Sturzgefahr, Verlust der Fahrtauglichkeit und zunehmende Abhängigkeit im Alltag.

    Ophthalmologische Komplikationen umfassen:

    Auch die Therapie kann Komplikationen verursachen. Prostaglandin-Analoga führen nicht selten zu konjunktivaler Hyperämie, vermehrtem Wimpernwachstum, Irispigmentierung und periorbitalen Veränderungen. Beta-Blocker können systemisch Bradykardie, Hypotonie oder Bronchospasmus auslösen. Nach filtrierender Chirurgie drohen Hypotonie, Choroidalabhebung, Leckage, Infektion oder Vernarbung mit Wirkverlust. Beim akuten Winkelblock können ohne rasche Intervention dauerhafte Pupillenstörungen, Hornhautschäden und schwere Optikusneuropathien entstehen.

    Psychosoziale Folgen sind ebenfalls relevant: Angst vor Erblindung, eingeschränkte Mobilität und verminderte Lebensqualität betreffen insbesondere Patienten mit fortgeschrittenem Befund. Deshalb ist die Glaukombehandlung nicht nur druckorientiert, sondern umfasst auch Aufklärung, funktionelle Rehabilitation und langfristige Betreuung.

    Merke: Die zentrale Komplikation des Glaukoms ist die dauerhafte, nicht reversible Schädigung des Sehnervs; rechtzeitige Therapie verhindert Progression, heilt aber keine bereits eingetretenen Defekte.

    Häufige Fragen

    Ist ein Glaukom heilbar?

    Ein Glaukom ist in der Regel nicht heilbar, aber sehr oft gut behandelbar. Ziel ist es, den Augeninnendruck so zu senken, dass der Sehnerv möglichst nicht weiter geschädigt wird.

    Woran merke ich ein Glaukom frühzeitig?

    Das Tückische ist, dass ein chronisches Glaukom anfangs meist keine Beschwerden macht. Deshalb sind augenärztliche Kontrollen besonders wichtig, wenn Glaukom in der Familie vorkommt oder weitere Risikofaktoren bestehen.

    Wann muss ich mit einem Glaukom sofort zum Arzt?

    Bei plötzlichen starken Augenschmerzen, Sehverschlechterung, Regenbogenringen um Lichtquellen, Übelkeit oder Erbrechen sollten Sie sofort augenärztliche Hilfe suchen. Das kann ein akuter Glaukomanfall sein und ist ein Notfall.

    Quellen

    1. European Glaucoma Society. Terminology and Guidelines for Glaucoma, 5th ed. Br J Ophthalmol. 2021.
    2. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Leitlinie/Empfehlungen zum Glaukommanagement und zur Glaukomvorsorge.
    3. Weinreb RN, Aung T, Medeiros FA. The pathophysiology and treatment of glaucoma. JAMA. 2014;311(18):1901-1911.
    4. Jonas JB, Aung T, Bourne RR, Bron AM, Ritch R, Panda-Jonas S. Glaucoma. Lancet. 2017;390(10108):2183-2193.
    5. Kanski JJ, Bowling B. Clinical Ophthalmology: A Systematic Approach. 9. Auflage. Elsevier.
    6. Grehn F. Augenheilkunde. Springer, aktuelle Auflage.
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 24. März 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

    🔬 Prüfungsfragen zu Glaukom in Vorbereitung

    Wir erstellen derzeit IMPP-nahe MC-Fragen zu diesem Thema. Registriere dich jetzt und erhalte als Erster Zugang.

    Kostenlos registrieren & benachrichtigt werden 14 Tage kostenloser Vollzugang · Keine Kreditkarte