🧬 Forschungstool

Neoantigen Clonality Score
Calculator

Berechnung des Neoantigen Clonality Scores und Klassifikation des Tumor-Immunphaenotyps. Basierend auf der Analyse von 527 HNSCC-Tumoren (TCGA).

🔬 Saravi et al.📊 n = 527 HNSCC🧪 pVACseq + MHCflurry🆓 Kostenlos

Neoantigen Clonality Score Calculator

Basierend auf Saravi et al. — Inverse Beziehung zwischen Neoantigen-Klonalitaet und T-Zell-Aktivitaet

Binder-weighted VAF ?
Summe VAF aller Binder (IC50 ≤ 500 nM)
Neoantigen Count (neo_n_500) ?
Anzahl MHC-I-Binder mit IC50 ≤ 500 nM
Pan-Immune Score (optional) ?
Optional — fuer Immunphaenotyp-Klassifikation
Clonality Score
Neoantigen Clonality Score
Clonality Score
CS
Binder-w. VAF
Summe
neo_n_500
Binder
Immunphaenotyp-Quadrantenplot
Clonality Score vs. Pan-Immune Score — Median-Cutoffs aus HNSCC-TCGA (n=527)
Hot/Low Clonality Hot/High Clonality Cold/Low Clonality Cold/High Clonality Ihr Datenpunkt
Hinweis: Dieser Rechner ist ein Forschungstool und nicht fuer klinische Entscheidungen validiert. Die Immunphaenotyp-Klassifikation basiert auf HNSCC-TCGA-Daten (n=527) und kann fuer andere Tumorentitaeten abweichen.
Datengrundlage: Saravi et al. — Analyse von 527 HNSCC-Tumoren aus dem Cancer Genome Atlas (TCGA). Neoantigen-Vorhersage mittels pVACseq und MHCflurry.

Was ist der Neoantigen Clonality Score?

Der Neoantigen Clonality Score ist ein quantitatives Mass fuer die durchschnittliche Klonalitaet vorhergesagter Tumor-Neoantigene, normalisiert fuer die Neoantigen-Last eines Tumors. Er wurde entwickelt, um die klonale Architektur immunogener Mutationen in einem einzelnen, vergleichbaren Wert zusammenzufassen.

Neoantigene sind tumorspezifische Peptide, die durch somatische Mutationen entstehen und vom Immunsystem als fremd erkannt werden koennen. Nicht alle Mutationen erzeugen jedoch immunogene Neoantigene — nur solche, deren resultierende Peptide mit ausreichender Affinitaet an MHC-Klasse-I-Molekuele binden (konventionell IC50 ≤ 500 nM), werden als potenzielle T-Zell-Targets betrachtet.

Formel

Clonality Score = Σ(VAFi × Ii) / (neo_n_500 + 1)

Dabei ist VAFi die Varianten-Allelfrequenz der i-ten somatischen Mutation, Ii ein Indikator (1 wenn mindestens ein vorhergesagtes Neoepitop IC50 ≤ 500 nM aufweist, sonst 0), und neo_n_500 die Gesamtzahl der vorhergesagten MHC-I-Binder. Der Pseudocount +1 im Nenner verhindert eine Division durch Null bei Tumoren ohne vorhergesagte Neoantigene.

Hohe Werte bedeuten, dass die Neoantigene ueberwiegend von klonalen Mutationen stammen — also Mutationen mit hoher VAF, die in der Mehrzahl der Tumorzellen vorhanden sind. Niedrige Werte deuten auf subklonale Neoantigene hin, die nur in einem Teil der Tumorzellpopulation vorkommen.

Die klinische Bedeutung ist paradox: In der HNSCC-Kohorte korreliert ein hoher Clonality Score invers mit der T-Zell-Aktivitaet. Tumore mit ueberwiegend klonalen Neoantigenen zeigen haeufig eine geringere Immuninfiltration — ein Befund, der auf aktives Immunoediting oder Downregulation der Antigenpraesentation in immunologisch „kalten" Tumoren hinweist.

Die vier Immunphaenotypen

Durch die Kombination des Neoantigen Clonality Scores mit dem Pan-Immune Score (einem Summenmass fuer die Immunzell-Infiltration und Immunaktivitaet) lassen sich Tumore in ein 2x2-Klassifikationssystem einordnen. Die Median-Cutoffs stammen aus der HNSCC-TCGA-Kohorte (n=527): Clonality Score Median = 0.21 (IQR: 0.10–0.42), Pan-Immune Score Median = 0.02 (IQR: −0.71 bis 0.70).

PhaenotypHaeufigkeitCharakteristikTherapeutische Implikation
Hot / Low Clonality 33.0% Hohe Immuninfiltration, subklonale Neoantigene. Hoechste T-Zell-Exhaustion-Scores (PD-1, LAG-3, TIM-3 hochreguliert). Beste Kandidaten fuer Checkpoint-Inhibitoren (Anti-PD-1/PD-L1). T-Zellen sind vorhanden, aber dysfunktional — Enthemmung kann die Anti-Tumor-Antwort reaktivieren.
Hot / High Clonality 17.1% Hohe Immunaktivitaet trotz klonaler Neoantigene. Guenstige Prognose — Klonalitaet ist benefiziell, wenn funktionale T-Zellen praesent sind (HR=0.72, P=0.043). Guenstiges prognostisches Profil. Klonale Neoantigene koennen als effektive Targets dienen, wenn die Immunantwort nicht supprimiert ist.
Cold / Low Clonality 16.9% Geringe Immunitaet, subklonale Antigene. Weder genuegend klonale Targets noch funktionale Immunantwort vorhanden. Schlechte Kandidaten fuer sowohl Checkpoint-Inhibitoren als auch Neoantigen-Vakzinen. Neuartige Therapieansaetze erforderlich (z.B. onkolytische Viren, adoptive Zelltherapie).
Cold / High Clonality 33.0% Immunologisch „kalt" trotz abundanter klonaler Neoantigene. Hinweis auf aktives Immunoediting oder Defekte in der Antigenpraesentation. Ideale Kandidaten fuer Kombinationstherapien: Immun-Priming (Vakzine, STING-Agonisten) + Checkpoint-Blockade. Klonale Targets sind vorhanden, aber das Immunsystem muss erst aktiviert werden.

Die Klassifikation verdeutlicht, dass weder Neoantigen-Klonalitaet noch Immuninfiltration allein ausreichende Biomarker sind. Erst die Kombination beider Parameter ermoeglicht eine differenzierte Einschaetzung des Tumor-Immunphaenotyps und der therapeutischen Vulnerabilitaet. Bemerkenswert ist, dass die beiden groessten Gruppen (Hot/Low und Cold/High, jeweils ca. 33%) genau jene Phaenotypen repraesentieren, die das Klonalitaets-Paradoxon am deutlichsten illustrieren: hohe Immunitaet bei niedriger Klonalitaet und umgekehrt.

Klinische Bedeutung: Das Klonalitaets-Paradoxon

Eine zentrale Erkenntnis der zugrunde liegenden Studie ist die inverse Beziehung zwischen Neoantigen-Klonalitaet und T-Zell-Aktivitaet in HNSCC. Entgegen der intuitiven Erwartung, dass klonale Neoantigene (praesent in allen Tumorzellen) eine staerkere Immunantwort ausloesen sollten, zeigen Tumore mit hohem Clonality Score signifikant reduzierte Marker fuer T-Zell-Aktivitaet, einschliesslich CD8+ T-Zell-Infiltration, zytolytische Aktivitaet und Interferon-gamma-Signalgebung.

Mehrere Mechanismen koennen dieses Paradoxon erklaeren:

Prognostisch ist der Clonality Score kontextabhaengig: In der gesamten Kohorte zeigt er keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Ueberleben. Nur in immunologisch „heissen" Tumoren (Pan-Immune Score ≥ Median) ist ein hoher Clonality Score mit einem Ueberlebensvorteil assoziiert (HR=0.72, P=0.043). Dies erklaert, warum die Tumormutationslast (TMB) allein ein unvollstaendiger Biomarker fuer das Ansprechen auf Immuntherapie ist — sie differenziert nicht zwischen klonalen und subklonalen Mutationen und beruecksichtigt nicht den Immunkontext des Tumors.

Methodik: Wie wird der Score berechnet?

Die Berechnung des Neoantigen Clonality Scores erfordert eine mehrstufige bioinformatische Pipeline, die von der Identifikation somatischer Mutationen bis zur Vorhersage von MHC-I-bindenden Neoepitopen reicht.

Schritt 1: Somatische Mutationsidentifikation

Aus Whole-Exome-Sequencing (WES)-Daten werden somatische Mutationen (SNVs und kleine Indels) identifiziert — typischerweise mittels Variant Calling (z.B. MuTect2, Strelka2) im Tumor-Normal-Paar. Fuer jede Mutation wird die Varianten-Allelfrequenz (VAF) berechnet, die den Anteil der Sequencing-Reads widerspiegelt, die die mutierte Allele tragen.

Schritt 2: Annotation und Peptidvorhersage

Somatische Varianten werden mit dem Variant Effect Predictor (VEP) annotiert, um Missense-Mutationen und Frameshift-Varianten zu identifizieren. Fuer jede proteinveraendernde Mutation werden alle moeglichen Neoepitope (typischerweise 8–11-mer Peptide) generiert.

Schritt 3: HLA-Typisierung und Bindungsvorhersage

Die HLA-Klasse-I-Typisierung erfolgt aus WES-Daten (z.B. mittels OptiType oder Polysolver). Anschliessend wird die Bindungsaffinitaet jedes Neoepitops an die patientenspezifischen HLA-Allele vorhergesagt — in der zugrunde liegenden Studie mittels pVACseq und MHCflurry. Peptide mit einer vorhergesagten Bindungsaffinitaet IC50 ≤ 500 nM werden als potenzielle Binder klassifiziert.

Schritt 4: Binder-weighted VAF und Normalisierung

Die Binder-weighted VAF ist die Summe der VAF-Werte aller Mutationen, die mindestens ein Neoepitop mit IC50 ≤ 500 nM erzeugen. Dies gewichtet Mutationen nach ihrer Praevalenz im Tumor (hohe VAF = klonal, niedrige VAF = subklonal). Die Division durch neo_n_500 + 1 normalisiert fuer die Gesamt-Neoantigen-Last, sodass der Score die durchschnittliche Klonalitaet pro Neoantigen reflektiert und nicht einfach die Gesamtmenge.

Referenzkohorte: Die Median-Cutoffs wurden aus 527 HNSCC-Tumoren des TCGA abgeleitet. Clonality Score Median: 0.21 (IQR: 0.10–0.42). Pan-Immune Score Median: 0.02 (IQR: −0.71 bis 0.70).

Anwendung in der Forschung

Der Neoantigen Clonality Score und die daraus abgeleitete Immunphaenotyp-Klassifikation bieten mehrere Anwendungsmoeglichkeiten in der translationalen Onkologie:

Limitationen

Bei der Interpretation des Neoantigen Clonality Scores sind folgende Einschraenkungen zu beruecksichtigen:

Haeufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet ein hoher Clonality Score?
Ein hoher Clonality Score zeigt an, dass die vorhergesagten Neoantigene ueberwiegend von klonalen Mutationen (hohe VAF) stammen, die in der Mehrzahl der Tumorzellen praesent sind. Paradoxerweise ist dies in HNSCC mit einer reduzierten T-Zell-Aktivitaet assoziiert, was auf Immunoediting oder Defekte in der Antigenpraesentation hindeutet.
Kann ich diesen Rechner fuer andere Krebsarten verwenden?
Die Formel zur Berechnung des Clonality Scores ist universell anwendbar, da sie auf allgemeinen Prinzipien der Neoantigen-Vorhersage und VAF-Gewichtung basiert. Die Median-Cutoffs fuer die Immunphaenotyp-Klassifikation wurden jedoch spezifisch aus HNSCC-TCGA-Daten abgeleitet und koennen fuer andere Tumorentitaeten deutlich abweichen. Wir empfehlen, kohortenspezifische Cutoffs zu verwenden.
Was ist der Unterschied zwischen Clonality Score und TMB?
Die Tumormutationslast (TMB) zaehlt die Gesamtzahl somatischer Mutationen pro Megabase. Der Clonality Score hingegen misst die klonale Verteilung spezifisch immunogener Mutationen (Neoantigene mit IC50 ≤ 500 nM), gewichtet nach ihrer Varianten-Allelfrequenz und normalisiert fuer die Neoantigen-Last. Er erfasst damit eine qualitativ andere biologische Dimension als TMB.
Welche Daten brauche ich fuer die Berechnung?
Fuer den Clonality Score benoetigen Sie zwei Werte aus einer Neoantigen-Vorhersage-Pipeline: (1) die Binder-weighted VAF (Summe der VAF aller Mutationen mit vorhergesagten MHC-I-Bindern, IC50 ≤ 500 nM) und (2) die Gesamtzahl dieser Neoantigene (neo_n_500). Optional kann der Pan-Immune Score fuer die Immunphaenotyp-Klassifikation angegeben werden. Die Eingangsdaten erfordern Whole-Exome-Sequencing, HLA-Typisierung und eine Neoantigen-Vorhersage (z.B. pVACseq + MHCflurry).
Ist das Tool kostenlos?
Ja, der Neoantigen Clonality Score Calculator ist frei verfuegbar fuer Forschungs- und Bildungszwecke. Wir bitten um Zitation der zugrunde liegenden Publikation bei Verwendung in wissenschaftlichen Arbeiten oder Praesentationen.
Wie zitiere ich dieses Tool?
Bitte verwenden Sie die im Abschnitt „Zitation" angegebene Referenz. Eine Zitation sowohl der Originalpublikation als auch des Online-Tools wird empfohlen.

Zitation

📋 Empfohlene Zitation

Saravi B, Singh DD, Schorn L, et al. Inverse relationship between neoantigen clonality and T-cell activity reveals distinct immune phenotypes in HNSCC. 2026. Online-Tool: https://sciora.me/tools/clonality-score

Quellen

#Referenz
1McGranahan N, Furness AJS, Rosenthal R, et al. Clonal neoantigens elicit T cell immunoreactivity and sensitivity to immune checkpoint blockade. Science. 2016;351(6280):1463–1469.
2Wherry EJ, Kurachi M. Molecular and cellular insights into T cell exhaustion. Nat Rev Immunol. 2015;15(8):486–499.
3Jiang P, Gu S, Pan D, et al. Signatures of T cell dysfunction and exclusion predict cancer immunotherapy response. Nat Med. 2018;24(10):1550–1558.
4Thorsson V, Gibbs DL, Brown SD, et al. The Immune Landscape of Cancer. Immunity. 2018;48(4):812–830.e14.
5Newman AM, Liu CL, Green MR, et al. Robust enumeration of cell subsets from tissue expression profiles. Nat Methods. 2015;12(5):453–457.
6Hundal J, Carreno BM, Petti AA, et al. pVAC-Seq: A genome-guided in silico approach to identifying tumor neoantigens. Genome Med. 2016;8(1):11.
7O'Donnell TJ, Rubinsteyn A, Bonsack M, et al. MHCflurry: Open-Source Class I MHC Binding Affinity Prediction. Cell Syst. 2018;7(1):129–132.e4.
8Budhwani M, Mazzieri R, Dolcetti R. Plasticity of Type I Interferon-Mediated Responses in Cancer Therapy: From Anti-tumor Immunity to Resistance. Front Oncol. 2018;8:322.

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