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QTc-Rechner
QT-Zeit korrigieren
Frequenzkorrigierte QT-Zeit (QTc) berechnen nach Bazett, Fridericia, Framingham und Hodges. Mit geschlechtsspezifischen Grenzwerten und klinischer Interpretation.
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⚠️ Hinweis: Dieser Rechner ersetzt keine ärztliche EKG-Befundung. Die Ergebnisse dienen der klinischen Orientierung und ersetzen nicht die individuelle Beurteilung durch eine Ärztin oder einen Arzt.
Was ist das QTc-Intervall?
Das QT-Intervall im Elektrokardiogramm (EKG) misst die Dauer der gesamten ventrikulären De- und Repolarisation — vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Dieses Intervall ist physiologisch von der Herzfrequenz abhängig: Bei höherer Frequenz wird das QT-Intervall kürzer, bei niedrigerer Frequenz länger.
Um QT-Werte bei unterschiedlichen Herzfrequenzen vergleichen zu können, wird das QT-Intervall frequenzkorrigiert — das Ergebnis ist das QTc-Intervall (c = corrected). Dieser korrigierte Wert ermöglicht eine standardisierte Beurteilung unabhängig von der aktuellen Herzfrequenz.
Klinische Relevanz: Ein verlängertes QTc-Intervall erhöht das Risiko für lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de Pointes (TdP). Deshalb ist die korrekte QTc-Berechnung ein zentraler Bestandteil der EKG-Befundung und der Arzneimittelsicherheit.
Bazett vs. Fridericia — Welche Formel verwenden?
Es existieren verschiedene Korrekturformeln, die sich in ihrer mathematischen Grundlage und klinischen Genauigkeit unterscheiden:
Bazett-Formel (1920)
QTcB = QT / √RR (RR in Sekunden = 60 / HF)
Die Bazett-Formel ist die am weitesten verbreitete Korrekturformel und wird in den meisten EKG-Geräten als Standard verwendet. Sie hat jedoch einen bekannten Nachteil: Sie überschätzt das QTc bei Tachykardie (HF > 100/min) und unterschätzt es bei Bradykardie (HF < 60/min). Bei Herzfrequenzen zwischen 60 und 100/min ist sie ausreichend genau.
Fridericia-Formel (1920)
QTcF = QT / ∛RR (Kubikwurzel des RR-Intervalls)
Die Fridericia-Formel verwendet die Kubikwurzel statt der Quadratwurzel und zeigt eine geringere Abhängigkeit von der Herzfrequenz. Sie wird heute von der FDA, der ICH E14 Guideline und zunehmend auch in klinischen Leitlinien bevorzugt — besonders in pharmakologischen Studien zur QT-Bewertung.
Framingham-Formel
QTcFra = QT + 0.154 × (1000 − RRms)
Die Framingham-Formel basiert auf einer linearen Regression aus der Framingham Heart Study. Sie ist besonders bei sehr hohen oder sehr niedrigen Herzfrequenzen eine robuste Alternative.
Hodges-Formel
QTcH = QT + 1.75 × (HF − 60)
Die Hodges-Formel korrigiert linear basierend auf der Herzfrequenz. Sie ist einfach zu berechnen und zeigt bei extremen Herzfrequenzen gute Ergebnisse.
Empfehlung: Die Fridericia-Formel wird heute als Goldstandard für klinische Studien und pharmakologische Bewertungen angesehen. Die Bazett-Formel bleibt weit verbreitet, sollte aber bei HF < 60 oder > 100/min kritisch hinterfragt werden.
Normalwerte und Grenzwerte
Die QTc-Grenzwerte sind geschlechtsspezifisch, da Frauen physiologisch ein etwas längeres QT-Intervall aufweisen als Männer:
| Kategorie | Männer (ms) | Frauen (ms) | Bewertung |
| Verkürzt (Short QT) | < 350 | < 350 | Selten, abklärungsbedürftig |
| Normal | 350–449 | 350–459 | Unauffällig |
| Grenzwertig | 450–470 | 460–480 | Kontrolle empfohlen |
| Verlängert | > 470 | > 480 | Erhöhtes TdP-Risiko |
| Hochriskant | > 500 | > 500 | Hohes Risiko, sofortige Abklärung |
Wichtig: Ein einzelner QTc-Wert reicht nicht für eine Diagnose. Die QTc-Messung sollte in mindestens 3 konsekutiven Zyklen erfolgen und der Mittelwert verwendet werden. Die Ableitung II oder V5 eignen sich am besten.
QT-verlängernde Medikamente
Eine Vielzahl von Arzneistoffen kann das QT-Intervall verlängern und das Risiko für Torsade de Pointes erhöhen. Besonders bei Kombination mehrerer QT-verlängernder Substanzen steigt das Risiko erheblich.
Antiarrhythmika
- Amiodaron
- Sotalol
- Flecainid
- Dronedaron
Antibiotika
- Erythromycin
- Azithromycin
- Clarithromycin
- Fluorchinolone (Moxifloxacin)
Antipsychotika
- Haloperidol
- Quetiapin
- Ziprasidon
- Thioridazin
Weitere Arzneistoffe
- Citalopram / Escitalopram
- Ondansetron
- Methadon
- Hydroxychloroquin
Tipp: Die Datenbank
CredibleMeds.org bietet eine aktuelle, evidenzbasierte Risikobewertung für QT-verlängernde Arzneimittel.
Weitere Risikofaktoren für eine QT-Verlängerung umfassen:
- Elektrolytstörungen: Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie
- Bradykardie (< 50/min)
- Strukturelle Herzerkrankungen: Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt
- Weibliches Geschlecht (physiologisch längeres QT)
- Genetische Prädisposition (kongenitales Long-QT-Syndrom)
- Hohes Alter und Niereninsuffizienz
Klinische Bedeutung
Torsade de Pointes (TdP)
Torsade de Pointes ist eine polymorphe ventrikuläre Tachykardie, die im Kontext eines verlängerten QT-Intervalls auftritt. Die Arrhythmie zeichnet sich durch eine charakteristische spindelförmige Modulation der QRS-Amplitude aus. TdP kann spontan terminieren, aber auch in Kammerflimmern degenerieren und zum plötzlichen Herztod führen.
Das Risiko steigt insbesondere bei QTc-Werten > 500 ms deutlich an. Die akute Therapie umfasst intravenöses Magnesium und, falls erforderlich, temporäres Overdrive-Pacing.
Long-QT-Syndrom (LQTS)
Das kongenitale Long-QT-Syndrom umfasst eine Gruppe genetischer Ionenkanalopathien. Die häufigsten Subtypen sind:
- LQT1 (KCNQ1-Mutation): Häufigster Typ, Ereignisse oft bei körperlicher Belastung (Schwimmen)
- LQT2 (KCNH2-Mutation): Ereignisse bei emotionalem Stress oder akustischen Reizen
- LQT3 (SCN5A-Mutation): Ereignisse in Ruhe, besonders im Schlaf
Die Therapie umfasst Betablocker (besonders bei LQT1 und LQT2), Vermeidung von QT-verlängernden Medikamenten und in Hochrisikofällen die Implantation eines ICD.
Short-QT-Syndrom (SQTS)
Das Short-QT-Syndrom ist eine seltene genetische Kanalopathie mit einem QTc < 350 ms. Es ist mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und plötzlichen Herztod assoziiert. Die Diagnosestellung erfolgt bei QTc ≤ 330 ms oder bei QTc 330–360 ms in Kombination mit einer pathogenen Mutation, einer positiven Familienanamnese oder überlebtem Herzstillstand.
Häufige Fragen
Was ist das QTc-Intervall und warum muss man korrigieren?
Das QTc-Intervall ist die frequenzkorrigierte QT-Zeit. Da das QT-Intervall physiologisch mit steigender Herzfrequenz kürzer wird, muss es korrigiert werden, damit Messwerte bei unterschiedlichen Frequenzen vergleichbar sind.
Welche QTc-Formel ist die beste?
Die Fridericia-Formel wird heute als genaueste Methode angesehen, insbesondere bei Herzfrequenzen außerhalb des Normalbereichs (60–100/min). Die Bazett-Formel ist historisch am weitesten verbreitet, überschätzt aber das QTc bei Tachykardie.
Ab welchem QTc-Wert besteht Gefahr?
Ein QTc > 500 ms gilt als hochriskant für Torsade de Pointes. Aber bereits grenzwertige Werte (Männer > 450 ms, Frauen > 460 ms) sollten kontrolliert und auf vermeidbare Ursachen (Medikamente, Elektrolyte) überprüft werden.
Wie misst man das QT-Intervall korrekt?
Das QT-Intervall wird vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle gemessen. Idealerweise in Ableitung II oder V5, gemittelt über 3–5 konsekutive Zyklen. Eine U-Welle sollte nicht miteinbezogen werden, es sei denn, sie ist mit der T-Welle verschmolzen.
Kann die QT-Korrektur bei Vorhofflimmern angewendet werden?
Bei Vorhofflimmern variiert das RR-Intervall von Schlag zu Schlag, was die QTc-Berechnung unzuverlässig macht. In diesem Fall sollten mehrere Messungen über verschiedene RR-Intervalle gemittelt oder RR-unabhängige Methoden verwendet werden.
Was tun bei medikamenteninduzierter QT-Verlängerung?
Zunächst das auslösende Medikament identifizieren und wenn möglich absetzen oder umstellen. Elektrolyte (Kalium, Magnesium) kontrollieren und ausgleichen. Bei QTc > 500 ms oder Symptomen ist eine stationäre Überwachung indiziert.
Quellen
- Bazett HC. An analysis of the time-relations of electrocardiograms. Heart. 1920;7:353–370.
- Fridericia LS. Die Systolendauer im Elektrokardiogramm bei normalen Menschen und bei Herzkranken. Acta Med Scand. 1920;53:469–486.
- Sagie A, Larson MG, Goldberg RJ, et al. An improved method for adjusting the QT interval for heart rate (the Framingham Heart Study). Am J Cardiol. 1992;70(7):797–801.
- Hodges M, Salerno D, Erlien D. Bazett's QT correction reviewed: Evidence that a linear QT correction for heart rate is better. J Am Coll Cardiol. 1983;1:694.
- Rautaharju PM, Surawicz B, Gettes LS, et al. AHA/ACCF/HRS Recommendations for the Standardization and Interpretation of the Electrocardiogram. J Am Coll Cardiol. 2009;53(11):982–991.
- Priori SG, Blomström-Lundqvist C, et al. 2015 ESC Guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death. Eur Heart J. 2015;36(41):2793–2867.
- ICH E14 Guideline: The Clinical Evaluation of QT/QTc Interval Prolongation and Proarrhythmic Potential for Non-Antiarrhythmic Drugs. 2005 (updated 2015).
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