💧 Klinisches Tool

Infusionsrechner
Erhaltungsbedarf & 4-2-1-Regel

Berechnung des Flüssigkeits-Erhaltungsbedarfs nach der Holliday-Segar-Formel mit stündlicher Rate, Tropfgeschwindigkeit und Elektrolytbedarf.

🏥 Holliday & Segar 1957💉 4-2-1-Regel🆓 Kostenlos
Hinweis: Dieser Rechner berechnet den reinen Erhaltungsbedarf. Verluste, Fieber, Operationen und Grunderkrankungen erfordern eine individuelle Anpassung. Nicht geeignet zur Volumentherapie bei Schock, Sepsis oder Verbrennungen.

Erhaltungsbedarf-Rechner

Holliday-Segar-Formel & 4-2-1-Regel — automatische Berechnung

Körpergewicht (kg)
Aktuelles Körpergewicht in Kilogramm
Patientengruppe
Beeinflusst Elektrolytbedarf und kontextuelle Hinweise
💧
Erhaltungsbedarf
Holliday-Segar-Formel
Tagesbedarf
mL/Tag
Stundlich
mL/h
Tropfrate
gtt/min (20 gtt/mL)
Normaler Erhaltungsbedarf — balancierte Vollelektrolytlosung verwenden.
Hoher Tagesbedarf (> 3000 mL/d) — klinische Reevaluation empfohlen. Maximale Begrenzung auf ca. 2500 mL/m²/d erwägen.
Pädiatrischer Patient — isotone Lösung mit Glucose verwenden. Hypoglykämie-Risiko bei Kindern < 2 Jahre beachten!
0–10 kg: 4 mL/kg/h 10–20 kg: 2 mL/kg/h > 20 kg: 1 mL/kg/h
GewichtsstufeGewichtFaktor (pro Tag)Faktor (pro h)mL/TagmL/h
Geschätzter Elektrolyt- & Glucosebedarf (pro Tag)
ParameterBedarf / kg / TagGeschätzter Tagesbedarf
Wann darf dieser Rechner NICHT verwendet werden? Bei Schock, hämodynamischer Instabilität, Sepsis, Verbrennungen (Parkland-Formel), diabetischer Ketoazidose (DKA), Herz- oder Niereninsuffizienz sowie bei signifikanten Drittreaumverlusten. In diesen Fällen ist eine individuelle, zielgerichtete Volumentherapie erforderlich.

Was ist der Erhaltungsbedarf?

Der Erhaltungsbedarf (engl. maintenance fluid) beschreibt die Menge an intravenöser Flüssigkeit, die ein Patient pro Tag benötigt, um seine physiologischen Basalverluste auszugleichen. Diese Verluste umfassen:

Die Berechnung des Erhaltungsbedarfs ist essenziell in der perioperativen Medizin, auf Intensivstationen und in der pädiatrischen Versorgung. Sie dient als Ausgangspunkt, der je nach klinischer Situation angepasst werden muss (z. B. Fieber: +10–15 % pro Grad Celsius über 37 °C).

Die Holliday-Segar-Formel

Malcolm A. Holliday und William E. Segar publizierten 1957 in Pediatrics eine Formel zur Berechnung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs, die auf dem kalorischen Energiebedarf basiert. Ihre Überlegung: Pro 100 kcal Energieumsatz werden ca. 100 mL Wasser benötigt.

Erste 10 kg: 100 mL/kg/Tag
Nächste 10 kg (10–20 kg): 50 mL/kg/Tag
Jedes weitere kg (> 20 kg): 20 mL/kg/Tag

Rechenbeispiel: 70 kg Erwachsener

GewichtsstufeGewichtFaktorVolumen/Tag
Erste 10 kg10 kg100 mL/kg/d1000 mL
10–20 kg10 kg50 mL/kg/d500 mL
> 20 kg50 kg20 mL/kg/d1000 mL
Gesamtbedarf2500 mL/d = ~104 mL/h

Die Formel ist bis heute der klinische Standard und wird weltweit in Lehrbüchern für Anästhesie, Pädiatrie und Intensivmedizin verwendet.

Die 4-2-1-Regel

Die 4-2-1-Regel ist eine vereinfachte Umrechnung der Holliday-Segar-Formel auf eine stündliche Infusionsrate und wird vor allem in der Anästhesie und perioperativen Versorgung verwendet.

Erste 10 kg: 4 mL/kg/h
Nächste 10 kg (10–20 kg): 2 mL/kg/h
Jedes weitere kg (> 20 kg): 1 mL/kg/h

Die mathematische Äquivalenz ist leicht nachvollziehbar: 100 mL/kg/Tag geteilt durch 24 Stunden ergibt ca. 4 mL/kg/h, 50 mL/kg/d entsprechen ca. 2 mL/kg/h, und 20 mL/kg/d entsprechen ca. 1 mL/kg/h. Die Regel ist eine praxistaugliche Annäherung.

Merkhilfe: 4-2-1 — für die Gewichtsklassen 0–10, 10–20, > 20 kg. Im OP-Saal als Faustregel sofort abrufbar.

Infusionslösungen für den Erhaltungsbedarf

Die Wahl der Infusionslösung hängt von der klinischen Situation und dem Patientenalter ab:

LösungNa+ (mmol/L)K+ (mmol/L)OsmolaritätEinsatz
NaCl 0,9 %1540308 mosmol/LUniversell; Risiko: hyperchlorämische Azidose
Ringer-Laktat1315278 mosmol/LBalanciert; Standard perioperativ
Sterofundin ISO1454309 mosmol/LBalanciert; enthält Acetat + Malat
Gluc. 5 % + NaCl 0,9 %1540586 mosmol/LPädiatrie; Hypoglykämie-Prophylaxe
Gluc. 5 % + NaCl 0,45 %770406 mosmol/LVeraltet; Hyponatriämie-Risiko!
Achtung: Hypotone Lösungen (z. B. NaCl 0,45 %, Glucose 5 % pur) können insbesondere bei Kindern eine lebensbedrohliche Hyponatriämie verursachen. Aktuelle Leitlinien empfehlen isotone Lösungen als Standard.

Besonderheiten bei Kindern

Die Holliday-Segar-Formel wurde ursprünglich für Kinder entwickelt. Dennoch gibt es bei der pädiatrischen Infusionstherapie wichtige Besonderheiten:

Praxistipp: Perfusor oder Infusomat verwenden — nie freien Tropf bei Kindern! Volumetrische Kontrolle ist essenziell, um Überwässerung zu vermeiden.

Täglicher Elektrolytbedarf

Neben dem Flüssigkeitsvolumen müssen auch Elektrolyte substituiert werden. Die folgenden Richtwerte gelten für den Erhaltungsbedarf bei normaler Nierenfunktion:

ElektrolytErwachseneKinderFunktion
Natrium (Na+)1–2 mmol/kg/d2–3 mmol/kg/dExtrazelluläres Volumen, Osmolarität
Kalium (K+)0,5–1 mmol/kg/d1–2 mmol/kg/dZellfunktion, Herzrhythmus
Chlorid (Cl-)1–2 mmol/kg/d2–3 mmol/kg/dSäure-Basen-Haushalt
GlucoseNicht obligat2–4 g/kg/dEnergiebereitstellung, Ketosevermeidung
Hinweis: Bei Nieren- oder Herzinsuffizienz, unter Diuretikatherapie oder bei abnormen Verlusten (Erbrechen, Diarrhoe, Drainagen) müssen Elektrolyte individuell angepasst werden.

Limitationen der Holliday-Segar-Formel

Die Formel berechnet ausschließlich den basalen Erhaltungsbedarf unter physiologischen Bedingungen. Sie ist nicht geeignet für:

Die Formel ist ein Startpunkt — die klinische Beurteilung und regelmäßige Reevaluation (Bilanz, Elektrolyte, Klinik) bleiben essenziell.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Erhaltungsbedarf (Maintenance Fluid)?
Der Erhaltungsbedarf beschreibt die Flüssigkeitsmenge, die ein Patient pro Tag benötigt, um physiologische Verluste (Urin, Perspiratio insensibilis, Stuhl) auszugleichen. Er wird standardmäßig nach der Holliday-Segar-Formel berechnet.
Wie funktioniert die 4-2-1-Regel?
Die 4-2-1-Regel ist die stündliche Variante der Holliday-Segar-Formel: 4 mL/kg/h für die ersten 10 kg, 2 mL/kg/h für die nächsten 10 kg und 1 mL/kg/h für jedes weitere Kilogramm.
Wann darf der Erhaltungsbedarf nicht angewendet werden?
Bei Schock, Sepsis, Verbrennungen, Herz- oder Niereninsuffizienz, DKA oder signifikanten Drittreaumverlusten. Hier ist eine individuelle, zielgerichtete Flüssigkeitstherapie erforderlich.
Welche Infusionslösung wird für den Erhaltungsbedarf verwendet?
Für Erwachsene: Ringer-Laktat oder balancierte Vollelektrolytlösungen (z. B. Sterofundin). Für Kinder: isotone Lösungen mit Glucose. Hypotone Lösungen sind bei Kindern kontraindiziert.
Woher stammt die Holliday-Segar-Formel?
Die Formel wurde 1957 von Malcolm Holliday und William Segar in der Fachzeitschrift Pediatrics publiziert. Sie basiert auf dem Zusammenhang zwischen kalorischem Energiebedarf und Wasserausscheidung.
Was bedeuten 20 Tropfen pro mL?
Standardinfusionssysteme (Makrotropfer) liefern ca. 20 Tropfen pro Milliliter. Mikrotropfer in der Pädiatrie liefern 60 Tropfen/mL. Dieser Rechner verwendet den Standardwert von 20 gtt/mL.
Muss der Erhaltungsbedarf bei Fieber angepasst werden?
Ja. Pro Grad Celsius Körpertemperatur über 37 °C steigt der Flüssigkeitsbedarf um ca. 10–15 %. Bei 39 °C also ca. 20–30 % Aufschlag auf den berechneten Erhaltungsbedarf.

Quellen

📚 Primärquelle

Holliday MA, Segar WE. The maintenance need for water in parenteral fluid therapy. Pediatrics. 1957;19(5):823–832.

📋 Leitlinien

National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Intravenous fluid therapy in adults in hospital. Clinical Guideline CG174. 2013 (updated 2017).

📋 Pädiatrische Leitlinie

NICE. Intravenous fluid therapy in children and young people in hospital. NG29. 2015 (updated 2020).

📖 Lehrbuch

Miller RD et al. Miller's Anesthesia. 9th ed. Elsevier; 2020. Chapter 47: Perioperative Fluid Management.

📋 Empfohlene Zitation

SCIORA. Infusionsrechner — Erhaltungsbedarf & 4-2-1-Regel [Internet tool]. 2026. Available from: https://sciora.me/tools/infusionsrechner.

Medizinische Prüfungsvorbereitung mit SCIORA

Infusionstherapie, Pharmakologie und klinische Rechner — alles an einem Ort. Jetzt kostenlos testen.

Kostenlos registrieren →