🩷 Gynäkologie ICD-10: D25

Uterusmyom: Ursachen, Symptome, Diagnostik & Therapie

Das Uterusmyom ist ein *benigner monoklonaler Tumor* der glatten Muskulatur des Myometriums und gehört zu den häufigsten gutartigen Tumoren der Frau..

Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi
Arzt, Wissenschaftler & Gründer von SCIORA
1. April 2026 · 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 1. April 2026 · Geprüft von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer
📋 Inhaltsverzeichnis

    Definition

    Das Uterusmyom ist ein benigner monoklonaler Tumor der glatten Muskulatur des Myometriums und gehört zu den häufigsten gutartigen Tumoren der Frau. Histologisch handelt es sich um ein Leiomyom, das in unterschiedlicher Zahl, Größe und Lokalisation auftreten kann; klinisch werden insbesondere submuköse, intramurale und subseröse Myome unterschieden. Viele Myome bleiben asymptomatisch, symptomatische Verläufe führen jedoch häufig zu Hypermenorrhö, Druckbeschwerden, Schmerzen, Fertilitätsstörungen oder Schwangerschaftskomplikationen.

    Die ICD-10-Klassifikation lautet D25 mit Untergruppen je nach Lokalisation, etwa submukös, intramural, subserös oder nicht näher bezeichnet. Klinisch ist wichtig, dass Größe und Symptomlast nicht strikt korrelieren: Ein kleines submuköses Myom kann stärker bluten als ein großes subseröses Myom. Die Diagnose wird meist sonografisch gestellt; therapeutisch reicht das Spektrum von abwartendem Verhalten über medikamentöse Optionen bis zu Myomektomie, Hysterektomie oder interventionellen Verfahren.

    Merke: Uterusmyome sind häufig und meist gutartig; behandlungsbedürftig sind nicht die Myome an sich, sondern Symptome, Wachstumsdynamik, Anämie, Fertilitätsrelevanz oder der Verdacht auf eine andere Pathologie.

    Epidemiologie

    Das Uterusmyom ist die häufigste benigne Tumorerkrankung des weiblichen Genitaltrakts. Die Prävalenz hängt stark von Alter, Ethnie, Nachweismethode und Symptomatik ab. Sonografisch oder histologisch lassen sich Myome bei etwa 20–40 % der Frauen im reproduktiven Alter nachweisen; bis zum 50. Lebensjahr finden sich in Autopsie- und Bildgebungsstudien bei bis zu 70 % der Frauen Myome, bei Frauen afrikanischer Abstammung teils sogar bei über 80 %. Klinisch symptomatisch werden jedoch nur etwa 25–50 % der Betroffenen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr. Vor der Menarche sind Myome selten, nach der Menopause kommt es ohne hormonelle Stimulation meist zu einer Größenzunahme nicht mehr, eher zu einer Regression.

    Risikofaktoren mit epidemiologischer Relevanz sind zunehmendes Alter vor der Menopause, positive Familienanamnese, nulliparer Status, frühe Menarche, Adipositas und ethnische Prädisposition. Schutzfaktoren sind wahrscheinlich Multiparität und der postmenopausale Hormonentzug. In gynäkologischen Kliniken zählen Myome zu den häufigsten Gründen für operative Eingriffe; ein erheblicher Anteil der Hysterektomien erfolgt wegen symptomatischer Myome. Gleichzeitig nimmt der Stellenwert organerhaltender Verfahren zu, insbesondere bei Kinderwunsch oder Wunsch nach Uteruserhalt.

    Merke: Die Mehrheit der Myome bleibt asymptomatisch; relevant werden sie vor allem durch Blutungsstörungen, Drucksymptome, Anämie und ihre Bedeutung bei Kinderwunsch.

    Ätiologie

    Die Ätiologie des Uterusmyoms ist multifaktoriell und nicht vollständig geklärt. Gesichert ist eine hormonabhängige Tumorentwicklung: Östrogene und Progesteron fördern Wachstum und extrazelluläre Matrixbildung. Myome exprimieren vermehrt Hormonrezeptoren und reagieren besonders in der reproduktiven Phase auf zyklische hormonelle Reize. Dass Myome nach der Menopause meist kleiner werden und in der Schwangerschaft oder unter exogener Hormonstimulation wachsen können, stützt dieses Konzept.

    Genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle. Viele Myome sind monoklonal und weisen charakteristische molekulare Veränderungen auf, darunter Mutationen in MED12, Umlagerungen mit Beteiligung von HMGA2 oder Veränderungen des Fumarat-Hydratase-Signalwegs. Eine positive Familienanamnese erhöht das Risiko deutlich. Zusätzlich werden Wachstumsfaktoren wie TGF-β, epidermaler Wachstumsfaktor und insulinähnliche Wachstumsfaktoren diskutiert, die Proliferation und Matrixdeposition fördern.

    Zu den klinisch relevanten Risikofaktoren zählen frühe Menarche, Nulliparität, Adipositas, metabolische Faktoren und möglicherweise arterielle Hypertonie. Rauchen scheint keinen protektiven klinischen Nutzen zu haben und ist keinesfalls präventiv zu empfehlen. Auch ethnische Unterschiede sind konsistent beschrieben. Exogene Hormone beeinflussen das Wachstum individuell; kombinierte hormonelle Kontrazeptiva verursachen Myome nicht, können aber Blutungen modulieren.

    Merke: Myome entstehen nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel aus genetischer Prädisposition, Steroidhormonwirkung und lokalen Wachstumsfaktoren.

    Pathogenese

    Pathogenetisch handelt es sich beim Uterusmyom um einen benignen monoklonalen Tumor glatter Muskelzellen, der aus dem Myometrium hervorgeht. Eine genetisch veränderte Vorläuferzelle proliferiert unter dem Einfluss von Östrogenen, Progesteron und lokaler Signalwege. Im Gegensatz zu rein zellreichen Tumoren ist das Myom durch eine ausgeprägte extrazelluläre Matrix mit Kollagen, Proteoglykanen und Fibronectin gekennzeichnet; diese Matrix trägt wesentlich zu Tumorvolumen, Gewebesteifigkeit und Symptomen bei.

    Die Symptomatik wird stark von der Lokalisation bestimmt. Submuköse Myome vergrößern die Endometriumoberfläche, beeinträchtigen die Kontraktilität des Uterus und fördern so Hypermenorrhö und Dysmenorrhö. Intramurale Myome können ebenfalls Blutungsstörungen sowie ein vergrößertes Uterusvolumen verursachen. Subseröse Myome führen häufiger zu Druck- und Verdrängungssymptomen wie Pollakisurie oder Obstipation. Gestielte subseröse Myome können sich torsieren und akute Schmerzen hervorrufen.

    Für Fertilitätsstörungen sind besonders Myome relevant, die die Cavum uteri deformieren. Sie können die Implantation erschweren, Tubenostien beeinträchtigen oder uterine Perfusions- und Kontraktilitätsmuster verändern. In der Schwangerschaft können Ödeme, Degenerationen und lokale Durchblutungsstörungen Schmerzen verursachen. Seltene degenerative Veränderungen umfassen hyaline, zystische, kalkige oder in der Schwangerschaft die sogenannte rote Degeneration.

    Merke: Nicht nur die Größe, sondern vor allem die Lokalisation eines Myoms entscheidet über Blutungsstörung, Drucksymptomatik und Einfluss auf die Fertilität.

    Symptome

    Das klinische Bild ist variabel: Viele Patientinnen sind asymptomatisch, andere leiden unter teils erheblicher Symptomlast. Das häufigste Leitsymptom ist die abnorme uterine Blutung, insbesondere Hypermenorrhö oder Menorrhagie, oft kombiniert mit verlängerter Menstruationsdauer und Koagelabgang. Chronische Blutverluste führen nicht selten zu einer Eisenmangelanämie mit Müdigkeit, Belastungsdyspnoe, Konzentrationsstörung und Palpitationen. Typisch sind außerdem Dysmenorrhö und ein Druck- oder Völlegefühl im Unterbauch.

    Je nach Größe und Lage treten Kompressionssymptome auf: Druck auf die Harnblase verursacht Pollakisurie, imperativen Harndrang oder selten Harnverhalt; rektale Kompression kann Obstipation und Tenesmen begünstigen. Große Myome führen zu sichtbarer Abdominalumfangszunahme. Bei submukösen Myomen kommen Zwischenblutungen und gelegentlich ein transzervikaler Vorfall eines gestielten Myoms vor, der kolikartige Schmerzen und Blutungen auslösen kann.

    Im reproduktionsmedizinischen Kontext sind unerfüllter Kinderwunsch, wiederholte Fehlgeburten oder subfertile Verläufe klinisch relevant, besonders bei cavumdeformierenden Myomen. In der Schwangerschaft können Myome mit Schmerzen, Lageanomalien, erhöhtem Sectio-Risiko, Frühgeburtlichkeit oder postpartaler Blutung assoziiert sein. Akute starke Schmerzen sprechen für Komplikationen wie Torsion eines gestielten subserösen Myoms, Nekrose oder Degeneration.

    Merke: Leitsymptome sind starke Regelblutungen, Druckbeschwerden und bei ungünstiger Lage Fertilitätsstörungen; asymptomatische Myome sind häufig und oft nur Zufallsbefunde.

    Diagnostik

    Die Diagnostik beginnt mit einer gezielten Anamnese zu Blutungsmuster, Schmerzcharakter, Kinderwunsch, Drucksymptomen, Wachstumsempfinden und Anämiezeichen. In der klinischen Untersuchung können ein vergrößerter, derber, unregelmäßig konturierter Uterus oder bei zervikalen bzw. prolabierenden Myomen direkte Befunde auffallen. Basislabor ist bei Blutungsstörungen ein Blutbild mit Hämoglobin, MCV/MCH und häufig Ferritin, um eine Eisenmangelanämie zu erfassen. Ein β-hCG-Test ist bei unklarer Blutung im reproduktiven Alter obligat.

    Bildgebend ist die transvaginale Sonografie die Methode der ersten Wahl. Sie erlaubt Größenmessung, Lokalisation und Zuordnung nach FIGO-Klassifikation. Bei großen Befunden ergänzt die transabdominelle Sonografie die Beurteilung. Die Saline-Infusion-Sonografie oder Hysterosonografie verbessert den Nachweis submuköser Myome und der Cavumdeformation. Die Hysteroskopie ist besonders hilfreich bei intrauteriner Symptomatik und zugleich therapeutisch relevant. Das MRT ist nicht Routine, aber nützlich bei multiplen, sehr großen oder unklaren Befunden sowie vor interventionellen Verfahren wie der Uterusarterienembolisation oder fokussiertem Ultraschall.

    Ein eigentlicher histologischer „Goldstandard“ besteht präoperativ meist nicht; in der Praxis ist die Sonografie Goldstandard der Primärdiagnostik. Histologie wird nach operativer Entfernung gewonnen. Warnzeichen für alternative Diagnosen sind postmenopausales Wachstum, rasch progrediente Beschwerden oder atypische Bildgebung. Eine sichere präoperative Abgrenzung zum Leiomyosarkom ist jedoch oft nicht möglich.

    Merke: Transvaginaler Ultraschall ist die wichtigste Erstuntersuchung; bei Blutungsstörung müssen immer Anämie und strukturelle Differenzialdiagnosen mitbedacht werden.

    Differentialdiagnosen

    Wichtige Differentialdiagnosen ergeben sich aus den Leitsymptomen Blutung, Unterbauchschmerz, tastbarer Raumforderung und Fertilitätsstörung. Bei abnormer uteriner Blutung müssen insbesondere Adenomyose, Endometriumpolypen, Endometriumhyperplasie und das Endometriumkarzinom ausgeschlossen werden. Die Adenomyose verursacht häufig Dysmenorrhö, Hypermenorrhö und einen diffus vergrößerten, druckdolenten Uterus; sonografisch zeigt sich eher ein inhomogenes Myometrium ohne scharf begrenzte Rundherde. Submuköse Myome können klinisch und hysteroskopisch mit Endometriumpolypen verwechselt werden.

    Bei pelviner Raumforderung kommen Ovarialzysten, Adnexraumforderungen, Schwangerschaft, Müller-Anomalien oder ein stark vergrößerter adenomyotischer Uterus in Betracht. Akute Schmerzen erfordern den Ausschluss von Adnextorsion, extrauteriner Schwangerschaft, Pelvic inflammatory disease, Appendizitis oder Harnleiterkolik. Bei Harnwegs- oder Darmbeschwerden können urologische bzw. gastroenterologische Ursachen im Vordergrund stehen.

    Besonders klinisch relevant ist die Abgrenzung zum uterinen Leiomyosarkom. Dieses ist selten, mit einer Inzidenz von deutlich unter 1 pro 100.000 Frauen pro Jahr, aber prognostisch bedeutsam. Hinweise können postmenopausales Wachstum, nekrotische oder heterogene MRT-Befunde und rasche Progression sein; allerdings ist keines dieser Kriterien beweisend. Weitere DD sind zervikale Tumoren, gestörte Frühschwangerschaft, Plazentareste und bei systemischen Blutungsursachen Gerinnungsstörungen.

    Merke: Bei Blutungsstörung und Uterusvergrößerung ist die wichtigste DD die Adenomyose; bei atypischem Wachstum muss immer auch an ein Leiomyosarkom gedacht werden.

    Therapie

    Die Therapie richtet sich nach Symptomen, Myomlage, Größe, Wachstumsdynamik, Alter, Kinderwunsch und dem Wunsch nach Organerhalt. Asymptomatische Myome ohne Komplikationen werden in der Regel nicht behandelt, sondern klinisch-sonografisch kontrolliert. Bei Hypermenorrhö stehen symptomatische Optionen wie Tranexamsäure 1–1,5 g oral 3- bis 4-mal täglich während starker Blutungstage oder NSAR wie Ibuprofen 400 mg 3-mal täglich im Vordergrund. Hormonell können kombinierte Kontrazeptiva oder Gestagene Blutungen reduzieren; besonders wirksam bei Blutungsreduktion ist das Levonorgestrel-IUP (52 mg), sofern die Cavumform nicht wesentlich verzerrt ist.

    Zur präoperativen Volumenreduktion oder temporären Symptomkontrolle kommen GnRH-Analoga oder GnRH-Antagonisten infrage. Beispiele sind Leuprorelin 3,75 mg i.m. alle 4 Wochen oder Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat in zugelassenen Regimen, sofern verfügbar und leitliniengerecht. Diese Therapien senken Blutungsstärke und Myomvolumen, sind aber wegen hypoöstrogener Nebenwirkungen zeitlich limitiert bzw. mit Add-back-Therapie zu kombinieren.

    Operativ ist die Myomektomie das Standardverfahren bei Kinderwunsch oder Uteruserhaltungswunsch: hysteroskopisch bei submukösen Myomen, laparoskopisch oder offen bei intramuralen/subserösen Befunden. Definitiv ist die Hysterektomie, vor allem bei abgeschlossener Familienplanung und ausgeprägter Symptomatik. Minimalinvasive Alternativen sind Uterusarterienembolisation und in ausgewählten Fällen MR-gesteuerter fokussierter Ultraschall. Nach aktuellen deutschsprachigen Empfehlungen und AWMF-orientierten Standards soll die Therapie individualisiert und fertilitätsrelevante Myome bevorzugt organerhaltend behandelt werden.

    Merke: Es gibt keine Einheitsbehandlung: Entscheidend sind Beschwerden, Kinderwunsch und Myomlokalisation. Submuköse und cavumdeformierende Myome sind besonders oft interventionsbedürftig.

    Prognose

    Die Prognose des Uterusmyoms ist insgesamt gut, da es sich um eine benigne Erkrankung handelt. Viele Myome wachsen nur langsam, bleiben über Jahre stabil oder verursachen nie Beschwerden. Nach der Menopause kommt es durch den Hormonabfall häufig zu einer Regression von Größe und Symptomatik. Die Lebensqualität kann jedoch bei symptomatischen Myomen erheblich eingeschränkt sein, vor allem durch chronische Blutungsstörungen, Anämie, Schmerzen und Druckbeschwerden.

    Unter adäquater Therapie ist die Symptomkontrolle meist sehr gut. Medikamentöse Verfahren bessern Blutung und Schmerzen häufig rasch, sind jedoch nicht in jedem Fall dauerhaft ausreichend. Organerhaltende operative Verfahren wie die Myomektomie haben gute Erfolgsaussichten, insbesondere bei klar symptomverursachenden Einzelmyomen; allerdings besteht ein Rezidivrisiko. Je nach Alter, Anzahl und Größe der Myome entwickeln in Langzeitbeobachtungen etwa 15–30 % der operierten Patientinnen erneut behandlungsbedürftige Myome. Die Hysterektomie ist kurativ in Bezug auf uterine Myome, beendet aber die Fertilität endgültig.

    Für die Fertilität ist die Prognose abhängig von der Lokalisation. Submuköse und cavumdeformierende Myome verschlechtern die Reproduktionschancen deutlicher als kleine subseröse Knoten. Nach erfolgreicher hysteroskopischer oder chirurgischer Sanierung kann sich die Schwangerschaftsrate verbessern. Die maligne Entartung eines bestehenden Leiomyoms ist nach heutigem Verständnis nicht das typische Schicksal des Myoms; Leiomyosarkome entstehen in der Regel de novo.

    Merke: Die Prognose ist meist günstig; problematisch sind vor allem Rezidive, Anämie, Fertilitätsbeeinträchtigung und die individuelle Belastung durch Symptome.

    Prävention

    Eine sichere Primärprävention des Uterusmyoms ist bislang nicht etabliert, da genetische Faktoren und die physiologische Hormonexposition eine wesentliche Rolle spielen. Dennoch lassen sich einige allgemeine Maßnahmen nennen, die das Risiko möglicherweise beeinflussen oder zumindest die Folgen symptomatischer Myome begrenzen. Dazu zählen die Vermeidung bzw. Behandlung von Adipositas, regelmäßige körperliche Aktivität und die konsequente Abklärung starker Menstruationsblutungen, um eine Eisenmangelanämie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

    Bei bekannten Myomen besteht die wichtigste „sekundäre Prävention“ in einer regelmäßigen gynäkologischen Kontrolle, insbesondere bei zunehmender Symptomatik, Kinderwunsch oder raschem Größenanstieg. Patientinnen sollten über Warnzeichen wie zunehmende Blutungen, Schwindel, akute Schmerzen, Pollakisurie oder postmenopausales Wachstum informiert werden. Eine routinemäßige medikamentöse Behandlung asymptomatischer Myome ist nicht empfohlen.

    Für Frauen mit Kinderwunsch ist eine frühzeitige Abklärung sinnvoll, wenn Blutungsstörungen, Fehlgeburten oder ausbleibende Schwangerschaften bestehen. So können cavumdeformierende Myome rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Lebensstilmaßnahmen ersetzen allerdings keine strukturierte Diagnostik.

    Merke: Eine gesicherte Prävention gibt es nicht; entscheidend sind frühe Diagnostik symptomatischer Verläufe und die Vermeidung von Folgeschäden wie Eisenmangelanämie.

    Komplikationen

    Zu den häufigsten Komplikationen symptomatischer Uterusmyome zählt die chronische Eisenmangelanämie infolge starker oder prolongierter Menstruationsblutungen. Klinisch relevant sind Hämoglobinabfall, Leistungsminderung, Schwindel und in schweren Fällen transfusionspflichtige Verläufe. Große Myome können durch Kompression benachbarter Organe zu Pollakisurie, Harnstau, Obstipation oder Beckenvenenstauung führen. Ein sehr großer Uterus kann operative Eingriffe technisch erschweren und perioperative Risiken erhöhen.

    Akute Komplikationen sind seltener, aber wichtig: Ein gestieltes subseröses Myom kann sich torsieren und ein akutes Abdomen imitieren. Degenerative Veränderungen, insbesondere die rote Degeneration in der Schwangerschaft, verursachen starke Schmerzen, Entzündungszeichen und stationären Behandlungsbedarf. Submuköse gestielte Myome können in den Zervikalkanal oder die Vagina vorfallen und zu Blutung, Infektion und krampfartigen Schmerzen führen.

    Reproduktionsmedizinisch sind Infertilität, Implantationsstörungen, Fehlgeburten, Frühgeburtlichkeit, Fehllagen, Plazentationsstörungen und vermehrte Sectio-Entbindungen relevant. Postpartal kann eine erhöhte Blutungsneigung auftreten. Therapiebezogene Komplikationen umfassen Verwachsungen nach Myomektomie, uterine Narbenprobleme in Folgeschwangerschaften und Rezidive. Nach Uterusarterienembolisation sind postembolisches Syndrom, Schmerzen, selten Infektionen oder Ovarialfunktionsstörungen möglich.

    Merke: Die klinisch bedeutsamsten Komplikationen sind Anämie, Fertilitäts- und Schwangerschaftsprobleme sowie seltene akute Ereignisse wie Torsion oder Degeneration.

    Häufige Fragen

    Muss jedes Uterusmyom operiert werden?

    Nein. Viele Myome verursachen keinerlei Beschwerden und müssen nur kontrolliert werden. Behandelt wird vor allem bei starken Blutungen, Schmerzen, Anämie, raschem Wachstum oder wenn das Myom den Kinderwunsch beeinträchtigen könnte.

    Kann ein Myom unfruchtbar machen?

    Das ist möglich, aber nicht jedes Myom beeinträchtigt die Fruchtbarkeit. Vor allem Myome, die die Gebärmutterhöhle verformen, können die Einnistung erschweren oder Fehlgeburten begünstigen.

    Ist ein Uterusmyom Krebs?

    In der Regel nein. Ein Uterusmyom ist ein gutartiger Tumor der Gebärmuttermuskulatur. Bösartige Tumoren wie das Leiomyosarkom sind selten und entstehen meist nicht aus einem bestehenden Myom.

    Quellen

    1. AWMF-S3-Leitlinie Hysterektomie bei benignen Erkrankungen (aktuelle Fassung)
    2. AWMF-Leitlinie/Empfehlungen zu Myomen und abnormer uteriner Blutung in der Gynäkologie (deutschsprachige Leitlinienlage)
    3. Williams Gynecology, 4. Auflage, McGraw-Hill
    4. Berek & Novak’s Gynecology, 16. Auflage, Wolters Kluwer
    5. Stewart EA et al. Uterine fibroids. Lancet. 2016
    6. Bulun SE. Uterine Fibroids. N Engl J Med. 2013
    Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel wurde von Dr. mult. Dr. h.c. Babak Saravi verfasst und von PD Dr. Dr. Andreas Vollmer fachlich geprüft, zuletzt aktualisiert am 1. April 2026. Er dient der fachlichen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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